Vom Aussehen

Es scheint da so ein spezielles Elternfeature zu geben, welches zuweilen kinderlose Menschen in grössere Schwulitäten Schwierigkeiten bringen kann. Ich möchte hier gerne auf diese Problematik aufmerksam machen, um die Kommunikation zwischen Eltern und Kinderlosen zu erleichtern:

Mehrere Pärchen im Bekanntenkreis haben im letzten Jahr geworfen. Also ist die Ansku immer brav hingetrapst – natürlich immer superflexibel, was Zeit, Ort und Ablauf dieses Besuches betrifft, man soll will ja junge Eltern nicht noch mehr belasten – und hat stets andächtig den neuen Erdenbürger bestaunt und gehuldigt bewundert, den Eltern treuherzig versichert, dass genau ihr Kind aber nun wirklich dass allersüßeste sei, das ich jemals zu Gesicht bekommen hätte und dass sie da etwas ganz Besonderes hinbekommen hätten. Dazu würde artig ein großzügiges Geschenk überreicht. Doch wie danken mir die Eltern das? Indem sie mir mit grenzdebilem stolzen Grinsen Lächeln und langen Armen ihr Balg Kind hinstrecken und folgende Frage stellen:

Und? Was meinst Du? Kommt er eher nach mir oder mir?

Ich verschlucke mich beinahe am angebotenen Kuchen und nutze die Zeit des Hustenanfalls um zu überlegen, das mit „mir 1“ die Mutter gemeint ist, während mit „mir 2“ nur der Vater gemeint sein kann. Allein, diese Erkenntnis hilft mir noch nicht auf der Suche nach einer möglichst sinnvollen und gleichzeitig möglichst diplomatischen Antwort. Ich betrachte eingehend das Balg Kind – und finde eigentlich keine Ähnlichkeit mit weder „mir 1“ noch „mir 2“. Jetzt stecke ich wirklich drin, im Schlamassel. Nun weiss man ja, dass ein Baby für die Eltern immer das schönstetollstesüßestehübschesteniedlichste… der ganzen Welt ist, aber für die restlichen 6.999.999.999.999 Menschen auf dieser Welt ist es eben „nur“ ein Baby. Und ein Baby sieht eben aus wie… ein Baby. Ich sehe in den erwartungsvollen Blick von „mir 1“ und sehe in den „Nun-sag-schon-endlich-dass-ich-es-bin-Blick“ von „mir 2“ und stelle fest, dass Ehrlichkeit in diesem Fall die ungünstigste aller Antwortmöglichkeiten und somit keine Option darstellt. Ich gucke noch genauer, untersuche betrachte eingehend das Baby vom Haaransatz bis zum Zehennagel, vom Ohrläppchen bis zu den Wimpern, während das Baby gerade ob der unbequemen Haltung zum Schrei ansetzt und sage dann sehr langsam und so bedeutsam, gerade so als hätte ich gerade den Schlüssel zum Weltfrieden gefunden:

Also ich könnte meinen Opa darauf verwetten, dass das linke Nasenloch von der Mutter stammt und das rechte vom Vater. Hundertprozentig! Garantiert! Diese Ähnlichkeit! Gar nicht zu übersehen!

(Liebe Eltern, ich liebe ja Babys, Babys sind SO toll! Ich liebe es, sie zu bestaunen, zu bekuscheln und zu bewundern, meinetwegen verfalle ich auch gerne in spitze Entzückungsschreie, weil genau Ihr Baby nun wirklich das allersüßeste ist, welches ich jemals gesehen habe. Aber eines ist mir ehrlich gesagt wirklich ziemlich total gänzlich egal: Ob das Baby nun wie die Mutter, wie der Vater oder wie die Urgroßmutter aussieht. Ein Baby ist ein Baby und ein eigenständiger Mensch. Punkt.)

(Sorry Opa, ich hab das natürlich nicht wirklich so gesagt… 😉 )

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