Sozialdingesnbummens

Zwei Jahre studiere ich nun schon dieses Fach, dieses komische Sozialdingensbumens. Unglaublich finde ich das, aber in erster Linie unglaublich schön. Besonders am Anfang war ich jedoch oft etwas ratlos, wie ich mein Studium nennen soll und wie ich Leuten erklären soll, was ich studiere. Das ist nämlich so:

Auf meinem Studentenausweis steht hochoffiziellst „Soziale Arbeit“. In der Zwischenzeit aber habe ich gelernt, dass „Soziale Arbeit“ so ein Mischmasch aus Sozialarbeit und Sozialpädagogik ist. Was ist da der Unterschied? Ganz einfach: Die Sozialpädagogik entwickelte sich der Jugendbewegung der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und ist stärker pädagogisch ausgerichtet. Die Sozialarbeit im klassischen Sinne dagegen entspringt der Tradition der Armuts- und Wohlfahrtspflege, so habe ich gelernt. Natürlich kann man auch hier einen gewissen pädagogischen Aspekt manchmal nicht absprechen, aber in erster Linie geht es tendenziell eher um Hilfe, Pflege und Versorgung. Nun begann man in den ersten Jahren dieses Jahrtausends sich im Zuge des Bologna-Prozesses zu entsinnen, dass Sozialarbeit und Sozialpädagogik – so verschieden ihre Wurzeln auch sein mögen – doch ziemlich viele Berührungspunkte hätten. Da man eh gerade so fleissig am Rationalisieren von Studiengängen war, rationalisierte man die Sozialarbeit und Sozialpädagogik auch gleich zusammen zu einem neuen Studiengang. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde das nicht das Schlechteste, schließlich kann sich jeder ausmalen, dass es da in der Praxis ziemlich häufig zu Berührungspunkten der beiden Fächer kommen kann. Ziemlich schnell jedoch gab es auch um diesen neuen Studiengang wieder Streit, nämlich wie man das denn nun nennen sollte. Sozialpädagogik? Sozialarbeit? Oder doch lieber und ganz einfach Soziale Arbeit?

Und ich? Wenn sich schon die Fachleute nicht einigen können, wie sie den Studiengang nennen wollen, was soll ich dann erzählen, wenn ich gefragt werde, was ich studiere? Den Leuten zu erzählen, dass ich „Soziale Arbeit“ studiere, zehn Nachfragen („Sozialarbeit??“ – „Nein, Soziale Arbeit!“) beantworten zu müssen und dann noch erklären zu müssen, was das denn überhaupt ist, war mir von Anfang an zu blöd. Zu unpraktisch und umständlich. Also blieben mehr oder weniger nur noch zwei Alternativen, auf solche Fragen zu antworten: Sozialarbeit oder Sozialpädagogik. Eine Zeitlang fand ich es nett, Leuten zu erzählen, dass ich Sozialpädagogik studiere, insbesondere bestimmten BWLern, Juristen (Ich hoffe es fühlt sich jetzt hier keiner persönlich angegriffen oder beleidigt.) und ähnlichen arroganten Schnöseln, die einen gerne mal mit einem verächtlichen Zucken im Mundwinkel fragen: „WasstudierstnDUda?“ Denn Sozialpädagogik hört sich für das gemeine Volksohr besser, qualifizierter, höherwertiger an als Sozialarbeit, das konnte ich mitunter auch anhand der Reaktionen feststellen. Auch ich selber war sehr verunsichert, was ich denn nun eigentlich bin und was ich nicht bin und sagte mal dies, mal das und irgendwann blieb es bei Sozialpädagogik. Weils irgendwie netter klang.

Kurze Zeit später bekam ich von einer Sozialarbeiterin, die ich fälschlicherweise als Sozialpädagogin ansprach, einen gehörigen Rüffel. Da ging mir das erste Mal auf, dass das ein Unterschied ist und was für ein Unterschied das ist. Ich fing an zu studieren und ich begann, meine neue „Profession“ mehr und mehr zu mögen. Mir gefiel dieser Gedanke mehr und mehr, für die Schwächsten der Gesellschaft dazusein und denen zu helfen, die sich nicht mehr selber helfen können. Und umso mehr und mehr ich diese Profession mochte, desto mehr und mehr fing ich an, den Leuten die mich danach fragten, zu erzählen, dass ich SozialARBEIT studiere. Das geschah ganz schleichend, zunächst vollkommen unbewusst. Und als uns schließlich der ganze theoretische Hintergrund lang und breit in der Uni eingetrichtert und durchdiskutiert wurde, als es mir schließlich mehr und mehr bewusst wurde, war ich selber ganz erstaunt über diese Wahl der Bezeichnung, aber es hat sich bis heute erhalten.

Ich studiere Sozialdingensbumens… äh Sozialarbeit.

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Ein Kommentar zu „Sozialdingesnbummens

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