Lesen!

Nun also der zweite Teil dieser kleinen Literaturreise, quasi der „erwachsene Teil“. 😉

Mikael Niemi – Der Mann, der starb wie ein Lachs

Mikael Niemi hat mit seinem Debütroman „Populärmusik aus Vittula“, der auch verfilmt wurde, brilliert. Ich habe den Film gesehen und war total begeistert davon, zumal die Handlung in Nordschweden, im Grenzgebiet zwischen Schweden und Finnland spielt. Deshalb habe ich nicht lange gezögert, als ich neulich das Buch in einem Laden auf einen Spottpreis reduziert sah. Ich habe es größtenteils in Bella Italia gelesen und jede Seite genossen. Dazu muss ich erklären, dass es in der Geschichte sehr viel um Sprache und Sprachpolitik geht. Der ehemalige Zöllner Martin Udde wird auf grausame Weise ermordet und die junge Kriminalpolizistin Therese wird aus Stockholm in die Wildnis Nordschwedens abkommantiert, um den Fall zu lösen. Hier, nahe der finnischen Grenze, wird von einem Großteil der alten Bevölkerung noch der uralte, während der zahlreichen Grenzverschiebungen zwischen Finnland und Schweden, erhaltene finnische Dialekt gesprochen, das sogenannte „Meänkieli“, übersetzt in etwa „Unsersprach“. Bald schon kommt heraus, dass der ermordete Martin Udde ein erbitterter Gegner des Meänkieli war, und in seiner Zeit als Grundschullehrer sogar Kinder züchtigte, die kein Schwedisch sprachen. Ich habe dieses Buch verschlungen, weil es auf interessante Art und Weise die Sprachpolitik und die vielen Konflikte über die Sprache in der Dorfgesellschaft beleuchtet und – als besonderes Highlight für mich – sich auch nicht scheut, einige Zitate in der Originalsprache, also in Meänkieli zu bringen. Love it! (Keine Angst, falls jetzt hier jemand zufällig nicht Meänkieli oder Finnisch spricht, die Bedeutung ist entweder aus dem Kontext ersichtlich oder als Übersetzung dazugeschrieben.) 😉

Leider kann ich mir oft während ich ein Buch lese, die Zuordnung der einzelnen Personen, wer jetzt mit wem verwandt ist, wer wen liebt, hasst, verdächtigt, etc. nicht merken, obwohl ich ja eigentlich sonst ein exzellentes Namesngedächtnis habe. Aus diesem Grund habe ich leider die Auflösung nicht ganz verstanden, aber das ist wohl dann eher mein Ding… Geschrieben war das Buch jedenfalls sehr gut.

Markus Zusak – Die Bücherdiebin

Auch die Bücherdiebin habe ich geliebt und nahezu in einem Rutsch verschlungen. Ein kleines Mädchen wird kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges von seiner Mutter weggegeben und zu Pflegeeltern gegeben. Kurze Zeit später zieht auch ein Jude in das Haus der Pflegeeltern ein und wird im Keller versteckt. Dies ist der Beginn einer ganz besonderen Freundschaft zwischen einem Mann und einem kleinen Mädchen. Die Geschichte, die Charaktäre, selbst die knorrige Pflegemutter, das alles ist wunderschön beschrieben und geht ans Herz.
Besonders gegen Ende des Buches habe ich nicht nur einmal Rotz und Wasser geheult, aber ich scheine da momentan einen Lauf zu haben für Bücher, die so bewegend enden. Nicht unbedingt traurig, eben bewegend. Nicht dass jemgewand noch behauptet, ich würde hier schon irgendein Ende verraten!

Sebastian Fitzek – Die Therapie (als Hörbuch)

Dies war wie gesagt, eine der ersten Hörbucherfahrungen für mich. Ich wunderte mich beim Hören etwas, wie es während einer Hörzeit von 6 Stunden, imm Buch etwa drei Tage, durchgehend gewittern, regnen und stürmen kann wie kurz vor dem Weltuntergang, aber das bleibt wohl ewig der künstlerischen Freiheit des Autors geheim. Auch sonst kam mir die Handlung phasenweise etwas konstruiert vor, die Hauptperson Dr. Viktor Larenz vielleicht selbst für einen psychisch kranken Menschen etwas zu extrem (?), aber dennoch hat auch dieses Buch mich durchaus zu fesseln vermocht und in seinen Bann gezogen. Vor allem als Hörbuch hat es mir sehr gut gefallen, weil ich immer wieder schnell die Kopfhörer aufsetzen konnte, und weiter mitfiebern konnte. Und ich glaube fast, das wird nicht mein letzter Fitzek bleiben.

(Leider auch hier Auflösung nicht wirklich zu 100% verstanden, siehe oben. Ist wohl wirklich mein persönliches Problem mit Krimis oder Thrillern, ähäm…)

Nele Neuhaus – Unter Haien

Es mag sein, das die Charaktäre von Nele Neuhaus etwas flach, oberflächlich und klischeehaft sind. Es mag sein, dass die Geschichte etwas vorhersehbar ist. Es mag sein, dass die ganze Handlung arg konstruiert. All das habe ich öfters von anderen Lesern gehört und natürlich auch selber stellenweise beim Lesen bemerkt. Und dennoch, ich für meinen Teil habe vorher noch nie einen Wirtschaftskrimi gelesen, habe das Buch deshalb aus Interesse spontan im Laden mitgenommen und habe den Kauf nicht bereut. Ich fand es eine nette, spannende Unterhaltung und habe auch hier sehr gezittert und mitgefiebert, wie die Geschichte nun ausgeht. Das Buch macht vielleicht nicht unbedingt sofort Lust auf mehr von Nele Neuhaus, hat mich aber insgesamt betrachtet dennoch nett unterhalten und kann somit als Gesamturteil „gut“ bekonmmen.

Anne Enright – Anatomie einer Affäre

Dieser Liebesroman ist auch für Leute geeignet, die sonst nicht so sehr auf Liebesromane stehen. Also für mich. Die Geschichte kommt völlig ohne Kitsch, ohne rosarote Liebesnächte aus und beschreibt trotzdem auf wunderschöne Weise die Geschichte einer eigentlich verbotenen Liebe und die tragischen Auswirkungen derer. Anne Enright hat es geschafft, trotz allem die Charaktäre äußerst sympathisch und authentisch darzustellen. Wer also das nächste Mal KEINE Lust auf einen Liebesroman hat, der möchte bitte Anne Enright lesen! 😉

David Nicholls – Zwei an einem Tag

Gibt es überhaupt noch irgendjemanden, der noch nicht David Nicholls gelesen hat? Wie viele andere Leser, kann ich mich den hervorragenden Kritiken des Buches nur anschliessen. Ich habe es verschlungen. Ich liebe ja sowieso Familien- und Lebensgeschichten und das hier ist eine wunderschön erzählte Geschichte über das Schicksal, über zwei Lebenswege zweier junger Menschen, die nebeneinander verlaufen und doch irgendwie immer den richtigen Zeitpunkt verpassen. Es ist faszinierend und herzzerreissend zugleich, ohne in Kitsch abzugleiten. Absolut liebens- und lesenswert.

Camilla Grebe, Åsa Träff – Die Therapeutin

Dieses Jahr scheint im Hause Ansku ein ausgesprochenes Krimijahr zu sein, aber bisher habe ich noch keinen Krimi bereut. Und vor allem nicht die Therapeutin, eine Geschichte über eine junge Psychologin aus Stockholm, die nach dem tragischen Tod ihres Freundes rätselhafte Vorfälle in ihrer Praxis bemerkt. Das Buch ist unglaublich interessant, weil man auch viel über Psychologie und Psychotherapie erfährt und zugleich spaaaaannend bis zur letzten Seite! Lesebefehl!

Das war der Lesereport bis August 2012. Und der nächste wird garantiert NICHT wieder bis nächstes Jahr auf sich warten lassen, denn wie bereits geschrieben, ich habe mir noch viel vorgenommen.

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3 Kommentare zu „Lesen!“

  1. Schöne Zusammenfassungen!
    Mit dem Niemi konnte ich nicht so recht was anfangen. Irgendwie wurde ich mit der Geschichte und mit den Charakteren nicht warm und auch die Handlung interessierte mich immer weniger. Ich habs dann ca. bei der Hälfte weggelegt.
    Zu „Die Therapie“: Das Lustige ist, dass ich nach meinem ersten Fitzek (Der Seelenbrecher) auch das Fazit gezogen habe, dass das bestimmt nicht mein letztes Buch von ihm gewesen ist. Ich habe dann tatsächlich die Therapie noch gelesen, danach hat es mir aber fürs Erste gereicht. Es ist mir irgendwie ein bisschen zu übertrieben an manchen Stellen, zu sehr Holzhammer. Das war meine Rezension zum Seelenbrecher: http://besserlesen.wordpress.com/2010/07/12/der-seelenbrecher-sebastian-fitzek/ und das zur Therapie (als Vergleich): https://besserlesen.wordpress.com/2011/06/09/die-therapie-sebastian-fitzek/
    Und übrigens: Ich habe tatsächlich Nicholls noch nicht gelesen. 😉

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  2. Vielen lieben Dank für Deinen ausführlichen Kommentar!

    Na, das mit dem Nicolls war ja auch nur ne rhetorische Frage. 😉 Gefühlt hatte den schon „jeder“ gelesen, bevor ich das Buch angefangen hatte, aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel.

    Oh, ich denke der Niemi ist sehr speziell. Mir hat er so gefallen, weils eben so viel um Sprache ging, aber wenn man davon absieht, glaube ich durchaus, dass es auch ermüdend sein kann.

    Tja, und Fitzek? Ich bin gespannt wie es weitergehen wird mit uns beiden. Stimmt schon, oftmals ist ein zweites Buch von einem Autor dann doch wieder eine Enttäuschung. Mal sehen!

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