Kommunikationswissenschaft II

Zu Ende des Semesters und beim Lernen für die Klausuren ist mir aufgefallen, dass es vielleicht noch einen anderen Grund gibt, warum mich das Fach Kommunikationswissenschaft so abgeschreckt hat.

Zumindest in einem Teil des Semesters, in einer Vorlesung über Kultur- und Kommunikationswissenschaft, ging es wie bereits geschrieben sehr viel um Mediengeschichte. Es ging um Evolution, um kulturelle Entwicklung, um Sprache, Schrift, die Erfindung des Buchdrucks, um Medienbrüche in der Geschichte der Menschheit. Es ging auch um Medienkritik, um Kulturarbeit, um Öffentlichkeit, um Meinungsbildung. So weit, so gut, das sind defintiv alles wichtige Themen. Es ging bis hin zur „Geburt des Cyberspace“, um es mit den Worten des Dozenten auszudrücken. Und hier kam dann der entscheidende Punkt: Durch die zunehmende Technisierung des Alltags ergeben sich auch für die soziale Arbeit in der Zukunft neue Herausforderungen. Dinge wie bespielsweise der demografische Wandel bergen für meine Profession große Aufgaben, das ist klar. Aber laut des Dozenten wird sich unsere Gesellschaft auch in vielen weiteren Punkten in den nächsten Jahren extrem wandeln. So werden wir zum Beispiel in 20 Jahren nicht mehr zum Lernen in die (Institution) Schule oder Uni gehen, sondern es wird eine Vielzahl von neuen, offenen und sehr viel spezialisierteren Bildungsangeboten geben, wo jeder sich quasi seine Nische heraussuchen kann. Globalisierung und die Wissensgesellschaft tun laut Auskunft des Dozenten ihr Übriges dazu. Auch die Technisierung unserers Alltags schreitet unaufhörbar voran, man brauche sich ja – so der Dozent – kein Faktenwissen mehr merken, weil man alles bequem in seinem iPhone nachschauen kann.

Einen Höhepunkt der Vorlesungen bildeten Filmausschnitte aus Minority Report oder ähnlichen Kinofilmen, in denen bisher gültige Gesetze über Raum, Zeit und menschliche Beziehungen komplett ausser Kraft gesetzt werden. Ich schaue mir solche Filme nicht an, ich finde das gruselig. Vielleicht bin ich konservativ, vielleicht spießig, vielleicht verschließe ich auch die Augen vor den Realitäten dieser Welt, aber beim Anblick dieser Filme wurde mir klar, dass ich so eine Welt, wie sie in den Filmen und eben auch in Teilen der Vorlesung beschrieben wurde, nicht erleben möchte. Das schürt in mir Zukunftsangst, mindestens ebenso viel wie Diskussionen über die Knappheit von Ressourcen und die Möglichkeit, dass daraus Kriege entstehen könnten. Ich kann und mag mir nicht vorstellen, dass wir irgendwann alle funktionieren wie die Roboter, so wie es für mich (gefühlt) in diesen Filmen dargestellt wird.

Gleichzeitig lerne ich in anderen Fächern wie zum Beispiel in Motivationspsychologie sovieles darüber, wie Menschen gestrickt sind, nach welch einfachen Regeln und Motivatoren Menschen „funktionieren“ und handeln. Und nicht zuletzt spüre ich momentan gar sehr, welche Sehnsüchte in Menschen schlummern. Dazu reicht es schon, wenn ich mir meine eigenen Klagen über meinen Job und die Klagen anderer Freunde und Berufseinsteiger über ihre Arbeitsbedingungen anhöre, die unter Stress leiden und unter dem Druck von oben, den sogenannte „Führungskräfte“ einfach ungefiltert nach unten weitergeben, ganz getreu dem Motto: Nach oben buckeln, nach unten treten. Menschen brauchen und wollen (in ihrem Arbeitsumfeld) Anerkennung und Harmonie. Sie WOLLEN sich nicht ausgenützt fühlen, sie WOLLEN sich nicht wie Arbeitsroboter fühlen, die ständig nach irgendjemandes Pfeife tanzen. Menschen wollen soziale Kontakte und Warmherzigkeit, keine gefühlskalte Welt wie in Minority Report oder ähnlichen Hollywoodstreifen.

Passend dazu las ich neulich im Spiegel einen Artikel über die neue Abhängigkeit des Menschen von Smartphones und deren Auswirkung auf unser aller Alltag und war danach sehr nachdenklich und sehr erschüttert. Auch hier wird ein sehr vernichtendes Bld über die Abhängigkeit des Menschen von der Technik und über den allumfassenden Einfluss der Technik auf den Alltag gezeichnet. Klar, zugegeben, auch ich würde mein iPhone inzwischen nicht mehr hergeben wollen. Es ist unglaublich praktisch, es ist manchmal mein Alleinunterhalter und auch ich bin inzwischen erstaunt, wie oft und wie häufig ich es nutze (dafür bleibt hier der PC immer öfter aus, aber das ist eine andere Geschichte). Aber es ist nicht mein bester Freund. Ist es nicht noch ein Unterschied, ob ich eben schnell im iPhone nachsehe, wann der nächste Bus fährt und wann das iPhone völlig meine Alltagssteuerung übernimmt. Ist es denn so schlimm, wenn ich bei Facebook ein Foto von dem lila-grün gestreiften Dackel, den ich gestern gesehen habe, veröffentliche und mich mit Freunden darüber unterhalte, solange ich dieses Ereignis auch noch bei einem Kaffee in real echten Freunden mitzuteilen vermag? Echte soziale Beziehungen sind – egal wie sehr ich den Austausch über das Internet, über Blogs und Twitter und Facebook mag – unersetzlich.

Diese Vorlesung hat jedoch ein gänzlich anderes Bild gezeichnet. Viele Medien tun das ebenfalls und das macht mir angst. So kann und will ich mir unsere Zukunft nicht vorstellen, jedenfalls nicht für die nächsten paar Jahre. Denn Menschen bleiben Menschen, und menschliche Bedürfnisse bleiben menschliche Bedürfnisse, egal wie viele iPhones Apple verkauft oder nicht.

Vielleicht ist das alles etwas wirr geschrieben, vielleicht sind aber auch nur meine Gedanken zu diesem weitumfassenden Thema etwas wirr. Vielleicht hat aber auch der eine oder andere verstanden, was ich damit sagen möchte, auch wenn ich vielleicht manchmal selber nicht genau weiss, was ich sagen möchte. Was ich auf alle Fälle sehr hoffe ist, dass bei allem Glauben an Technik und Fortschritt, man den Menschen nicht vergisst und dass das Bild vom Menschen nicht ganz so negativ gezeichnet wird wie es oftmals den Eindruck macht. Denn ich weiss, dass es da draussen viele Herzensmenschen gibt, die wissen, worauf es ankommt.

Und nun möchte ich bittedanke auch gerne weiterhin daran glauben, dass meine Kinder auch in 20 Jahren noch in die Schule und in die Uni gehen und nicht zuhause vorm PC ihr Wissen in homöopathischen Dosen aus der Steckdose eingetrichtert bekommen. Weil wir alle Menschen sind und weil Menschen nach sozialen Kontakten streben. Und weil Schule und Uni nicht nur für die Vermittlung und „Eintrichterung“ von Wissen zuständig sind, sondern auch für die Entwicklung sozialer Kompetenzen so unglaublich wichtig. Das sage ich bewusst, obwohl meine Schulzeit nicht immer die schönste und glücklichste war, wichtig war sie aber in jedem Fall. Das war immer so und das wird hoffentlich immer so bleiben.

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2 Kommentare zu „Kommunikationswissenschaft II

  1. Ohje… ich glaube du bist einfach nur an einen ziemlich blöden Dozenten geraden, denn es ist doch klar, dass verschiedene Theorien zu dem Thema gibt. Die Soziologen sagen z.B. dass ein Mensch immer soziale Kontakte brauchen wird (reale, keine virtuelle) und die meisten Pädagogen sind zudem der Meinung das blended learning (also ein Gemisch von virtuell und face-to-face) die beste Lernmethode in der Zukunft sein wird. Alle reinen e-learning-Modelle (großer Hype anfang des neuen Jahrtausends) sind bisher mehr oder weniger gescheitert.

    Lass dich nicht verunsichern. Ich finde es schade, dass bei euch im Studium diese Dinge so einseitig beleuchtet werden. Es gibt doch auch immer anderen Sichten in der Wissenschaft. Zur Not musst du dich da mal selbst schlau machen/belesen und evtl. eine Hausarbeit zu schreiben, wenn dich das Thema so interessiert. Das wär doch was, oder? Ich kann jetzt leider keine Namen nennen, aber ich glaube auch große Kommunikationswissenschaftler (im Grenzbereich zu Psychologie, Pädagogik und Psychologie) sehen das nicht immer so einseitig. Die Institution Schule z.B. wird sich sicher wandeln in den nächsten Jahren, wird aber als sozialer Raum (Peer Groups, Erziehung, Lernen, Regeln der Gemeinschaft) immer wichtig bleiben.

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  2. Dankeschön für Deinen Kommentar. Es ging ja nicht in erster Linie um den Dozenten, dass der nicht der beste war, erwähnte ich glaube ich bereits. Der Dozent war nur Stein des Anstoßes für meine Überlegungen, dass wie ich empfinde oftmals – egal ob im Studium oder in den Medien oder wo auch immer – ein ziemlich negatives Bild von der Zukunft der Menschheit und von dem scheinbar allumfassenden Einfluss der Technik gezeichnet wird. Siehe das Beispiel Smartphone, aber es gäbe auch noch etliche weitere Beispiele dafür. Das ist das, was ich nicht glauben kann und will.

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