Stimmungsschwankungen

Stimmungsschwankungen galore hier seit einigen Tagen. Ich schätze mal, es liegt einfach daran, dass es allmählich reicht. Dass es hier ein bisschen zuviel Jubel und Trubel war in der letzten Zeit. Ja, Jubel, eigentlich habe ich allen Grund zum Jubeln und Jauchzen und mit den Engeleien zu frohlocken, denn eigentlich hätten dieser November und dieser Dezember nicht besser, spannender, aufregender, ertragreicher, freudiger und schöner verlaufen können. Wozu also beschwer ich mich?

Nun, ich beschwere mich eigentlich gar nicht, ich bin in der Tat wirklich sehr glücklich und froh. Soviel Tolles hat sich ereignet in den letzten Wochen, sovielen Projekten wurde entgegengefiebert und sie sind auch tatsächlich alle ziemlich gut geworden. Es steckt eine unglaubliche Menge Arbeit, lange Tage und so gut wie kein Wochenende oder Freizeit in all dem, aber für jedes einzelne Projekt, jedes to-Do, jedes Vorhaben kann ich aus vollem Herzen sagen: Es hat sich gelohnt. Das ist eine ganze Menge, finde ich, und damit hätte ich niemals gerechnet.

Der Vrenelli-Shop läuft besser als ich zu wünschen wagte, für den Anfang kann ich mich wirklich nicht beklagen. Ich durfte bereits – ziemlich spontan – einen Flohmarkt besuchen und verbuche in drei Wochen bereits vier Einkäufe bei Dawanda. Wow! In der Uni gibt es Projekte und To-Dos noch und nöcher, aber alles läuft momentan wunderbarst und glatt und macht unglaublich Spaß. Ich lerne soviel, nicht nur rein fachliches, sondern auch für mich, für meinen zukünftigen Beruf und ich bin jeden Tag aufs Neue verliebt in diesen Beruf. Ach, und arbeiten tu ich ja auch noch, meistens zwei Tage die Woche. Ich geniesse diese Tage momentan fast sogar, weil ich einfach nur morgens ins Büro rein gehen und abends wieder rausgehen muss. Alles, was ich im Sommer über Cheffe geschimpfelt habe, muss ich hiermit höchstoffiziell zurücknehmen. Mein Cheffe ist der beste Cheffe, den man sich vorstellen kann, auch hier läuft alles rund.

Zusammengerechnet läuft also alles bestens, es gibt nichts worüber ich traurig sein könnte. Es ist nur alles soviel gewesen. Es kam Schlag auf Schlag, ohne mir auch nur eine winzige Pause zum Verschnaufen zu lassen, so zum Beispiel letzte Woche: Montag ein lang entgegengefiebertes Referat, das aber dann doch ziemlich gut verlaufen ist. Dienstag ein Besuch im Jugendgericht, ganz großes Kino. Mittwoch ein Besuch in der Arbeit und zwar auf Wunsch der liebsten Kolleginnen mitsamt dem aktuellen Vrenelli-Sortiment, welches mir gleichselbige Kollegen unerwarteterweise quasi aus den Händen gerissen haben, so dass mir Hören und Sehen verging. O.O Am Ende ging ich mit einer dreistelligen Summe aus dem Büro und musste ganz geschwind noch nachnähen, weil einige Produkte ausgegangen waren. Am Donnerstag Firmenweihnachtsfeier und ausserdem war dann auch noch er plötzlich mit der Post angekommen, weiß und neu und wunderschön. Und aus Zeitmangel bisher nur aufs nötigste eingerichtet. Am Freitag ein Interview für die Uni, ebenfalls ein bisselchen Nervenkitzel davor und am Samstag Blockseminar in der Uni. Gestern war die Frau Ansku für ein Projekt von der Uni im Jugendarrest. Das war davor auch ein bisschen uffreschend, hat aber am Ende so wunderbarst geklappt, dass ich fast gar nicht mehr weg wollte. Aber nur fast. 😉 Alles für sich genommen super, aber… Nein, es gibt eigentlich kein „aber“, das würde der Sache nicht gerecht werden. Vielleicht sage ich es besser so: Nur, der Kopf kam irgendwann nicht mehr hinterher. Soviel Glück und frohe Botschaften muss man ja auch erstmal fassen.

Und dann bricht es plötzlich über mich herein und ich möchte am liebsten schreien, treten, irgendetwas kaputtmachen. In einer Minute bin ich so beseelt von diesen kleinen Schritten und Erfolgen, von diesem Glück, dass es sich doch jedes Mal wieder lohnt, das Herz voranzuwerfen und dann hinterherzuspringen, dass mir selbst Dinge leicht fallen, die mir sonst schwer fallen, und in der nächsten Minute bin ich ein heulendes, zitterndes, wütendes kleines Etwas. Meistens passiert das abends, irgendwann gegen 18 Uhr merke ich förmlich, wie es „plopp“ macht und mein Kopf sich weigert, noch ir.gend.eine weitere Information aufzunehmen. Wenn dann noch irgendetwas oder irgendwer kommt und etwas von mir will, dann war’s das mit der Freundschaft. (Lässt sich nur leider so schwer vermeiden.)

Ein sehr komisches und unangenehmes Gefühl, wie ich finde, einerseits wie auf Watte berauscht durch die Tage zu schweben, andererseits kaum noch geradeaus denken zu können. Konzentration fällt immer schwerer, Reden und Menschen allgemein auch. Umso mehr erstaunt mich, dass mein Umfeld, Dozenten, Kollegen immer noch mit meiner Arbeit zufrieden zu sein scheint, ich selber finde tausend Fehler.

Es sind ncoh 10 Tage bis Weihnachten. Ich schätze, bis dahin heisst es einfach Zähne zusammenbeissen und durch. Ich habe Glück, allmählich wird es ein wenig ruhiger. Die meisten Projekte sind nun doch erledigt oder immerhin in die Wege geleitet, die Nähaufträge stapeln sich nicht mehr ganz arg und ich hoffe, ich kann am Sonntag gaaanz in Ruhe noch zwei Täschchen, auch ein Auftrag, fertignähen. Darauf freue ich mich, und dann natürlich auf Weihnachten, auf etwas Ruhe und Stille und auf ein wieder-Ankommen hier. Darauf, dass der Kopf wieder mitkommt und darauf, das alles einmal wirken zu lassen und zu verarbeiten. Ich werde zwei Wochen Urlaub haben, und ich werde zumindest die erste Woche davon einmal das tun, was ich das ganze Jahr noch nicht getan habe. Nämlich nichts.

Ich bin unununglaublich müde, aber auch unununglaublich glücklich.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Stimmungsschwankungen“

  1. pass auf dich auf, Frau Ansku, achte auf Dich und baue DIr Pausen ein, ganz dringend.
    Glaub mir, ich weiss wie schwer das ist. Ich hoffe einfach sehr, dass es ncith mehr wird als die kurzen Einbrüche. Da zeigt Dir dein Seelchen, dass es auch mal Verschnaufen muss!
    Ich denke lieb und von Herzen an Dich!!!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s