Rollenspiel olé!

Ich kann nicht Rollenspiele. Ganz und gar nicht. Aber zu einem vernünftigen Sozialarbeitstudium gehört nunmal neben der ersten Lektion „Der Stuhlkreis“ auch Lektion Nummero zwei „Das Rollenspiel“.

Eigentlich kannte ich Rollenspiele auch durchaus schon von meiner Arbeit in der Kinderkrippe, zu Fortbildungszwecken haben wir im Team durchaus auch mal Rollenspiele veranstaltet. In einer Kinderkrippe aber sah das nunmal meistens so aus, dass einer das bockige/ trotzende/ tobende Kind sein durfte und eine andere Kollegin die Erzieherin, meistens artete das Ganze also eher in großes Gelächter aus als in den notwendigen Ernst. Deshalb dachte ich mir auch eigentlich nichts Arges dabei (Ein Schelm, der…) als diese Rollenspielgeschichte im Studium anfängt. Gehört eben, wie schon erwähnt, dazu.

Aber hier im Studium klappte das anfangs gar nicht. Das fing schon an mit der lachenden Leiche und hatte sich seitdem nicht wirklich gebessert. Fremdschämen galore. Wobei Fremdschämen auch nicht wirklich der richtige Begriff ist, die Sache war mir ja nicht peinlich im eigentlichen Sinne, diente sie doch einem guten Zweck. Aber diese gestellte Situation, dieses „Jetzt sei mal jemand, der Du eigentlich gar nicht bist und denk, sprich, handle und fühle genauso wie diese fiktive Person.“ das machte mich ganz kirre. Eigentlich fand ich es ja irgendwie klammheimlich und nur für mich doch immer hökscht(!) spannend, was für Energien und Eigendynamiken sich da entwickeln. Ich glaube auch, dass es nie um das Publikum ging, meine Komilitonen sind ja nach nunmehr zweieinhalb Semester doch schon größtenteils etwas vertrauter, es ging einzig und alleine darum, dass ich mich mit diesen gespielten, gestellten Rollen nicht anfreunden konnte, nicht anfreunden mochte. (Man sagt mir schon länger nach, ich sei eine miserable Schauspielerin…) Also blieb die Ansku, schlau wie sie nunmal ist, meistens ganz still und möglichst ja unauffällig auf ihrem Platz sitzen, staunte und beobachtete, was da so um sie herum vorging und ersparte sich nebenbei die Schmach, die Show durch unkontrollierte, hysterische Lach- und Gackeranfälle zu vermasseln.

Leider nur klappt das nicht immer und dann und wann muss ich eben auch mal ran. Und dieses Semester haben wir einen Kurs, in dem wir sogar ziemlich viel Rollenspiele machen, eigentlich fast jede Stunde, was bei Frau Ansku anfangs Panik leichtes Entsetzen hervorrief, sich aber inzwischen ebenfalls als hökscht (!) spannend herausgestellt hat. Wir lernen in dem Kurs verschiedene Theorien, verschiedene Ansätze als Sozialarbeiter einzugreifen und zu helfen und damit das Ganze nicht zu theoretisch bleibt, dürfen wir diese verschiedenen Ansätze dann gleich im Anschluss „live und in Farbe“ ausprobieren, in irgendeiner beliebigen, frei erfundenen, nachgestellten Situation. Das kann ein alkoholabhängiger Vater sein, der sein Kind schlägt, das kann ein kleiner Junge sein, der im Kindergarten verhaltensauffällig ist, wir müssen dann in die Rollen der beteiligten Personen schlüpfen und eben versuchen, Lösungen zu finden. Schon mehrmals ist mir, (nachdem ich mich abermals erfolgreich unsichtbar gemacht und vor der Arbeit gedrückt hatte), auf meinem Stühlchen der Mund offen stehen geblieben vor Spannung.

Aber gestern dann, da konnte ich nicht mehr aus und irgendwie wollte ich auch gar nicht mehr aus. Irgendwie war ich ganz heiß darauf, mitzumachen. Es war unser Thema, Empowerment, eine Methode zu dem wir ein Referat mehr oder weniger schlecht vorbereitet hatten und ich wollte das auch „live und in Farbe“ und in der Praxis ausprobieren und empowern was das Zeug hält. 😉 Und mit einem Mal saß ich da, alle Bedenken und alles Fremdschämen fielen von mir ab, ein Knoten war geplatzt. Ich schaute den Dozenten an, wählte meine Rolle, ich war ganz ruhig, ich habe nicht gelacht und dann spielten wir.

Ich war die Erzieherin vom kleinen Mustafa.

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu „Rollenspiel olé!“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s