Fragen über Fragen

Ich schrieb mal davon, dass mein Kopf im letzten Semester zömlisch (w)irre vor Fragen war. Was tue ich? Was will ich? Was ist gerecht? Was ist für mich meine Auffassung von gerecht? Was für eine Sozialarbeiterin will ich werden? Was bedeutet Verantwortung für mich, nur für mich?

Ach, die Antworten sind natürlich längst nicht gefunden. Wer weiss das schon und wer wird das je wissen? Ich warte, ich kann warten. Der Kopf ist über den Sommer ruhiger geworden, ruhig ist er aber nicht. Weit gefehlt und viel schlimmer noch. Habe ich mal behauptet, ich studiere Sozialwissenschaften um später mit kleinen süssen artigen Kindern Spielchen zur Sprachförderung machen zu können? Oh, das muss in einem anderen Zeitalter gewesen sein. Je länger ich dieses Fach studiere, desto mehr „uuunglaublichst“ und „hökscht!“ spannende Betätigungsfelder entdecke ich. Ständig läuft mir etwas Neues über den Weg und ich denke mir „Oh! Spannend! Will ich auch!“ und im nächsten Moment denke ich „hönnsema, Frau Ansku, immer ruhig mit den jungen Gäulen. erstmal das eine und dann das nächste.“ Manchmal denke ich, der kleine Weltverbesserer in mir ist erwacht. Das mag sehr pathetisch klingen, ist aber glaube ich soweit noch ganz gesund momentan. Seit einem ganz bestimmten Gespräch mit einer Jugendlichen letzten Sommer, seit ich verstanden habe, dass viele Dinge die für uns so selbstverständlich sind wie ein Butterbrot schmieren, zum Beispiel sich Ziele im Leben zu setzen und diese zu verfolgen, dass solche Dinge für andere ganz und gar nicht verständlich sind, fühle ich mich einerseits wahnsinnig gesegnet und geborgen in meinem Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin und lebe, und andererseits manchmal ein wenig wie ein weltfremdes Hühnchen in einer glitzy-blitzy Scheinwelt. Ich möchte aus der Scheinwelt herausschauen, ich möchte hinschauen, genau hinschauen und sehen. Da ist so ein Verlangen, ganz tief in mir drin, nicht länger mit Tunnelblick durch die Welt zu laufen, sondern zu beobachten und zu sehen. Ich weiss, dass ich nicht die Welt verbessern kann leider bin ich dafür zu sehr Realistin, ich könnte mich manchmal echt in den Hintern beissen Und wenn ich schon nicht alles von heute auf morgen ändern kann, dann will ich doch wenigstens alles sehen. Ich beobachte also alles und ich sauge alles in mich auf wie ein Schwamm. Und vielleicht, wenn ich genug aufgesogen habe, wenn ich so voll bin, dass ich vielleicht auch auf die eine oder andere Frage eine Antwort habe, dann kann ich tun.

Der Kopf ist voll und kommt oft nicht zur Ruhe, nach wie vor. Ich weiß immer noch genauso viel wie zuvor, aber ich sehe. Beobachte und sehe.

Dieses Semester Projekt Jugendknast. Ein bisschen nervös, ein bisschen gespannt und sehrst vorfreudig.

Wirf Dein Herz voran und spring hinterher.

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3 Kommentare zu „Fragen über Fragen

  1. Die Welt kannst du eh nicht retten, auch wenn du es gerne möchtest. Am Ende bist du hinüber und das wars.

    Ich denke, du siehst es schon richtig. Erst einmal das Hauptstudium beenden, dann kann man immer noch neue Wege einläuten. Zu viel auf einmal machen endet immer im Desaster…

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