Die Guten

In irgendeinem Blog las ich neulich dieses sehr wahre Zitat: „Jeder, der alle Tassen im Schrank hat, ist doch zerfressen von Selbstzweifeln. Die Irren, die richtig Gefährlichen – das sind die, die glauben, dass sie gut sind.“ (Matthias Brandt, Süddeutsche Zeitung) leider weiß ich nicht mehr, welcher Blog das war. Sollte der Autor oder die Autorin das hier zufällig lesen, darf er/ sie sich natürlich gerne melden.

Jedenfalls, neulich habe ich mir mal wieder gedacht, wie wahr dieses Zitat doch ist. Ich war kurz bei meinen Eltern um etwas zu holen, die aber waren am Fernsehschauen. Nach einiger Zeit begriff ich, dass es in dem Film um eine bekannte international aktive Sekte geht und bald schon war ich völlig gefesselt von dem Film. Also blieb ich.

Es war noch grausamer als ich es mir sowieso schon vorgestellt hatte. Nicht dass ich die Sekte für eine besonders menschenfreundliche Organisation gehalten hätte, aber von den angeblich „guten“ Menschen hätte ich in meiner grenzenlosen Naivität doch sagen wir mal zumindest so etwas in der Art von Zusammenhalt erwartet. Aber im Gegenteil, es war ein knallharter Kampf unter- und gegeneinander. Menschenverachtend ist das. Und der Verfassungsschutz schaut zu und tut nichts…

In dem Film ging es auch um einen Sorgerechtsstreit um ein kleines Mädchen. Immer wieder wurden Szenen der Gerichtsverhandlung eingeblendet, so dass in mir die Hoffnung aufkeimte, dass alles gut ausgeht. Es ging nicht gut aus, das Mädchen war am Ende des Films selber schon so in der Sekte gefangen, dass es keine Chance mehr gab, es da rauszuholen. Mit acht oder neun Jahren. Am meisten tun mir bei sowas immer die Kinder leid. Sie können am allerwenigsten für die Blödheit ihrer Eltern und werden schutzlos in sowas mit hineingezogen.

Mir fiel daraufhin wieder ein Buch ein, welches ich als Jugendliche gelesen habe: „Tödlicher Sektenwahn“. Gottseidank gelesen habe, muss ich sagen. Es war sehr schockierend und grausam, aber eben auch sehr aufklärend. Das Buch stellt die verschiedenen Sekten und ihre Methoden dar und geht besonders auf die Biografien der Gründer ein. Das interessante und zugleich Erschütternde daran war, dass alle diese Biografien sich nahezu 1:1 glichen. Immer war eine unglückliche Kindheit im Spiel, immer gab es viel Ablehnung und Zurückweisung, immer gab es eine Menge Einsamkeit. Bis genau zu dem Tag, als die vermeintlichen Messiasse entdeckten, dass sie dazu bestimmt sind, die Welt zu retten. Mit den bekannten, verheerenden Folgen und vielen zerstörten Leben, all die fanatischen Massenselbstmorde einmal gar nicht mitgezählt… Seit dieser Zeit denke ich immer häufiger, dass fast alle Formen von Fanatismus irgendeine gemeinsame Ursache haben. Und dass alle diese Menschen eben immer selbst glauben, „die Guten“ zu sein. Die dann am Ende doch die sind, die am allerwenigsten verstanden haben, worauf es ankommt.

Traurig ist das alles, sehr traurig.

Advertisements

2 Kommentare zu „Die Guten

  1. Es sind ja nicht nur irgendwelche obskuren Sekten. Guck dir einfach mal die religiösen Spinner in den USA an. Ich habe letztens noch einen Spiegel-Artikel über ein sogenanntes Bible-Camp gelesen.
    Es sieht witzig und doof aus, wenn man die Massen an Menschen in diesen knallbunten, lauten Gottesdiensten sieht, wo irgendein Prediger religiösen Müll von sich gibt. Nur ist es leider nicht wirklich witzig, was er sagt. Es ist auch nicht witzig, daß die Leute auch den größten Unfug für bare Münze nehmen und jegliche Vernunft und gesunden Menschenverstand ausschalten. Man nehme nur meine Schwägerin, die ja lieb und nett ist, aber wenn die mit ihrem Glauben anfängt, könnte ich schreien.

    Richtig schlimm fand ich eine Diskussion im australischen Radio, die ja eher flockig-leicht ohne Tiefgang senden. Aber an dem Tag ging es um einen Brief aus einer Baptistenkriche, als Reaktion auf die Brände in Victoria vor ein paar Jahren – in dem Brief ging es um die hämische Freude angesichts der vielen Menschen, die ihr Heim, Familienmitglieder oder ihr Leben verloren haben – sie hätten, so der Briefschreiber – es verdient. Es sei eine Strafe Gottes, da Victoria Schwulenehen erlaubt hatte. Richtig üble Geschichte, die Taliban sind da auch nciht schlimmer – und das nicht aus einer Sekte, sondern aus einer anerkannten christlichen Gemeinschaft.

    Religion läßt manche Leute scheinbar extrem verblöden.

    Gefällt mir

  2. Oh, Du hast sehr recht. Die Liste liesse sich noch sehr lange erweitern. Es gibt ja nicht nur religiösen Fanatismus. Als ich damals das Buch gelesen habe, spukte mir auch immer wieder die Biografie eines gewissen anderen „Führers“ der zwischen 1933 und 1945 in Europa gewütet hat – ich war damals sehr mit diesem Thema beschäftigt – im Kopf herum. Und auch da fand ich viele Parallelen.

    Aber solche religiösen Fanatiker sind auch sehr gruselig, stimmt schon…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s