Urlaubstagebuch, Teil drei

Jetzt feiern wir Mittsommer! So allmählich versinkt die Sonne, jedoch nicht für lang, denn es ist die kürzeste Nacht des Jahres. Naja, so ähnlich, denn eigentlich ist die kürzeste Nacht des Jahres ja am 21. Juni, aber weil der ja je nach Jahr auch einmal unter der Woche sein kann, wird Mittsomer oder wie man in Finnland sagt „Juhannus“, das Johannisfest, am Wochenende nach dem 21. Juni gefeiert. Denn Juhannus ist in Skandinavien ein wichtiger Feiertag, vielleicht nach Weihnachten der zweitwichtigste, da möchte keiner arbeiten müssen, sondern alle möchten gerne bei ihrer Familie und auf dem Land sein, die ganze „Nacht“ auf sein und fröhlich sein. Dieses Jahr war der 21. Juni ein Dienstag, deshalb wurde am Freitag, den 24. Juni gefeiert.

Bevor es dunkel wurde, habe ich am späten Nachmittag noch ein wenig in der Bar (mit WLAN fürs ApfelFon!) des Campingplatzes gesessen, einen Kaffee getrunken und versucht für die bald anstehenden Prüfungen in der Uni zu lernen. Nun ist Lernen im Urlaub ja immer so eine Sache, aber an diesem Tag wollte das so gar nicht gelingen. Ständig musste ich hochschauen und auf den traumhaften See schauen. Bei dieser Aussicht auch kein Wunder. 😉

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Wir waren beide an diesem Tag etwas erkältet und müde, deshalb sind wir dann ziemlich spät erst aus unserer Hütte gekrochen und losgezogen ins bunte Treiben. Leider haben wir so das Johannisfeuer verpasst, aber kein Problem, so haben wir nächstes Jahr nochmal einen Grund hinzufahren. 😉

Dann versank allmählich – so gegen 22.30 Uhr – die Sonne hinter dem Horizont. Wir hatten keinen festen Plan, wie wir diese Nacht begehen wollten, sondern begnügten uns einfach damit, die Finnen bei ihrem lustigen Treiben zu beobachten und darauf zu warten das es dunkel wird. Haha.

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Es wurde so ein bisschen dunkel.

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Aber eigentlich nicht richtig.

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Schließlich, nachts um ein Uhr war es am dunkelsten. Aber eigentlich war auch nicht so wirklich dunkel, wir konnten noch problemlos den Felsen neben dem See herunterklettern…

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… und unseren Aussichtssteg erreichen. Da wurde es bereits wieder heller.

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Zwischendurch waren wir auch mal in der Bar auf dem Campingplatz, wo heftig gefeiert wurde. Es gab eine Band, die liebste finnische Freundin kam irgendwann auch noch dazu mit ihrem Bruder und ein paar Freunden und es war ein sehr schönes, ausgelassenes Fest. Feucht-fröhlich, wie das in Finnland eben so ist. Leider aber wurden um Punkt zwei Uhr alle Gäste hinausgeschmissen und so gingen wir wieder zurück zum See und warteten auf den Sonnenaufgang. Der müsste in ungefähr einer Stunde kommen.

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Es wurde heller und heller und der Himmel verfärbte sich zu den schönste Farben, aber die Sonne wollte dann doch nicht aufgehen, die war verdeckt vom „harju“ gegenüber.

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Also beschlossen wir irgendwann dann doch ins Bett zu gehen. Ich glaube, das war eine der schönsten Nächte, die ich jemals erlebt habe. Und so ganz ohne Dunkelheit. Nun ist es ja nicht so – ich gebe es zu-, dass ich zum ersten Mal in Finnland war und zum ersten Mal eine so kurze Nacht erlebt hätte, aber irgendwie war diese kurze Mittsommernacht doch wieder etwas ganz besonderes. Weil so viel Leben war, weil überall Leute fröhlich feierten, weil es so viel zu sehen gab. Und bin ich normalerweise auf Partys die erste, die einschläft – ich bin einfach keine Nachteule – so war ich in dieser Nacht keine einzige Minute müde. So schön war das alles.

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Am nächsten „Morgen“ bot sich dann vor unserer Hütte dieser Ausblick.

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Danach verbrachten wir noch einen sehr gemütlichen Tag in unserer Hütte. Weil es später doch wieder regnete und gewitterte, machten wir es uns im Bett mit unseren neuen finnischen Büchern gemütlich und wanderten nur zwischendurch ein bisschen zum Waldmuseum, um die Ausstellung anzusehen. Der darauffolgende Sonntag war ein trauriger Tag, denn die erste Etappe der Heimreise bis nach Helsinki stand an. Ein letzter Rundgang durch den Helsinkier Hafen und ein letzter Blick auf das kleine rote Häuschen, dass ich so sehr mag, weil es auf der kleinen Insel mitten im Haupthafen von Helsinki unbeirrbar steht, während Tag für Tag die riesengrossen Fähren daran vorbeifahren.

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(das kleine rote Häuschen auf der Insel hinter dem blau-weissen Schiff)

Noch einmal in die Sauna und früh am nächsten Morgen zum Flughafen. So war das in unserem Urlaub. Ich hoffe, Ihnen hat dieses Urlaubstagebuch gefallen und Sie haben Sich ein wenig mit mir freuen können und mit beim Anblick der Fotos und schönen, warmen Urlaubserinnerungen schwelgen können.

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5 Kommentare zu „Urlaubstagebuch, Teil drei

  1. Ich habe schon mehrmals gelesen, dass angeblich Johannesnacht in ganz Skandinavien ausgelassen gefeiert wird. Ich weiß von meiner Familie aus Lund, dass es dort anscheinend diesen Brauch dort noch gibt. Es scheint so, also ob er hier in Norwegen, zumindest an der Ostküste, vollkommen verloren gegangen ist. Eine Lehrerin hat uns vor paar Jahren erzählt, dass die Abiturientinnen ihre Prüfungen zwischen dem Nationalfeiertag (17.Mai; sehr wichtig hier) und Johannesnacht gefeiert haben. Es muss also diesen Brauch Mitte des letzten Jahrhunderts noch gegeben haben.
    Ich wollte das nur gesagt haben, weil Du schreibst, dass Johannesnacht in ganz Skandinavien gefeiert wird. Nicht, dass jemand nach Oslo kommt und wie ich enttäuscht feststellen muss, dass dies eine Nacht, wie jede andere ist.

    Es fasziniert mich auch jedes Mal, wie Leute, die von außerhalb kommen, diese langen Nächte so wunderbar finden. Es ist gar nicht wunderbar. Erst Recht nicht, wenn Du zur Uni, Arbeit oder Schule gehst und Dein Tag- Nacht- Rhythmus (entschuldigt den Ausdruck) total abfuckt. Dein Körper erzählt Dir die ganze Nacht, dass es noch zu früh zum Schlafengehen ist, weil es draußen noch hell ist und irgendwann schläft man um fünf oder sechs Uhr morgens ein; nicht, weil es dunkel wird, sondern aus Erschöpfung.
    Dadurch kommt einer auch noch eine andere sommerliche Schönheit abhanden: Der Nachtsspaziergang durch die straßenlaternenerleuchteten Gassen einer Großstadt im Sommerkleid. Ich mein dieses mit einem T-Shirt und dünnen Hosen bekleidet um drei Uhr Nachts an der hellerleuchteten Alten Pinakothek vorbeigeradeln. Und dann auch wirklich einschlafen, weil Dein Körper weiß: Es ist dunkel, es ist Schlafenszeit.

    PS: Mein Lateinlehrer, Stefan Merkle, ein Halbgott, pflegte immer zu sagen: Wenn ihr zum See fährt, lasst eure Unisachen zu Hause. Es ist schade um den See. ^^

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  2. Menschen reagieren unterschiedlich auf diese hellen Nächte. Es gibt welche die stört es sehr und der ganze Tagesryhthmus gerät durcheinander, und es gibt welche, die stört es gar nicht. Schade, dass es Dich so durcheinanderbringt. Mich stört es gottseidank überhaupt nicht und ich habe auch 2006 eine Zeitlang in einem nordischen Land gearbeitet. Ich fand es wunderbar, auch damals, weil ich einfach mit viel weniger Schlaf gut ausgekommen bin und trotzdem morgens aus dem Bett gekommen bin. Und ich hatte OFT Frühschicht und musste um 7 Uhr in der Arbeit sein.
    Ich brauche keine Dunkelheit, Dunkelheit macht mir angst und mein Körper ist gottseidank – meistens – so nett, dass er mir irgendwann nach einer Wachphase von sagen wir mal 16-17 Stunden deutlich zu verstehen gibt, dass mal wieder etwas Schlaf angesagt wäre. Aber es ist eben auch, so wie es jetzt in dieser einen Nacht im Juni war, möglich dass ich einmal mit weniger Schlaf auskomme.

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