Geht mir…

… ganz genau so. Aufs Wort genau.

Ich kann nicht mehr. Und bin gleichzeitig so erschrocken über mich und über meine Kälte. Aber ich kann nicht mehr.

Ständig sitze ich in der Arbeit oder zu Hause und klicke doch mal eben schnell heimlich zwischendurch wieder irgendein Nachrichtenportal im Internet an. Und dann sitze ich da und bin wie erstarrt vor soviel Leid und klicke das möglichst ganz schnell wieder weg. Ich brauche ungefähr fünf Minuten, um die Flut an Informationen einzuordnen, um mich zu sammeln und weiterzumachen mit dem, was ich eigentlich machen wollte. Nur um dann doch eine Viertelstunde später wieder nachzuschauen, obwohl es mir eigentlich schon vor drei Stunden zuviel wurde.

Es ist dieses Gefühl von Ich KANN doch jetzt nicht einfach mit meinem normalen Alltag weitermachen und andererseits von Ich WILL eigentlich nichts ausser mit meinem normalen Alltag weitermachen, das einen zerreisst, weil man sich entweder vor den ständig auf einen einströmenden Bildern oder vor der eigenen Distanz und Kälte gruseln muss. Ich muss doch Mitgefühl haben, denke ich mir, stattdessen aber schalte ich ab und gucke lieber jeden Abend ausgiebig Greys, da sind die Katastrophen und vor allem deren Ende vorhersehbarer.

Etwas tun oder etwas verändern kann ich doch nicht, greifbarer wird dadurch nichts, schon gleich gar nicht erträglicher, einzig und alleine ich fühle mich von Tag zu Tag schlechter.

(Und nun jemand, der genau das so präzise in Worte zu fassen vermag. Danke Frau Tadellos.)

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5 Kommentare zu „Geht mir…“

  1. Mich hat bisher keine Naturgewalt, kein Unglück so erschüttert, wie das in Japan. Von Anfang an. Es beschäftigt mich sehr, es ist den ganzen Tag in meinem Kopf präsent. Ich will wissen wie der stand der Dinge ist, will dranbleiben. Ich schalte sogar ganz entgegen meiner Gewohnheiten morgens un kurz nach sechs die Glotze an.
    Verdrängung ist bei mir in diesem Fall kein Thema. Wenn das Herz schwer wird, wenn die Tränen kommen, bei all dem leid, bei den Bildern von den vielen menschlichen Einzelschicksalen, dann werden die Emotionen nicht weggedrückt. Ich kann nicht sagen, warum.
    Vielleicht verdrängt und überlagert es ja anderes in mir, was grade gut so ist. Ich weiß es nicht.

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  2. Geht mir genau so. Es ist mir zu viel Ich habe am Samstag und Sonntag die Information aufgenommen, die ich brauchte, danach ging es nicht mehr, ini dem Moment, als mir die Tränen kamen, habe ich abgeschaltet. Die Menschen dort haben die Möglichkeit leider nicht. Alltag ist banal, doch mehr als Alltag will ich nicht.
    Abgesehen davon weiß ich nicht mehr, was ich glauben kann. Die Medien schreien wieder viel zu laut, malen die Bilder zu grell, das Betroffenheitsgetue unerträglich, sie übertreiben wieder maßlos – echte Information ist kaum noch möglich. Ich informiere mich ein bißchen, das reicht derzeit.

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  3. Ich denke, dass es einem deshalb so geht, weil man schlichtweg nicht helfen kann. Weil man Tausende von Kilometern entfernt in seiner heilen Welt sitzt und sich absolut hilflos fühlt.
    Was ich konstruktiv finde, ist das Mitgefühl umzuleiten. Es gibt auch hier ganz nah Elend und Not. Sicher nicht in diesem Ausmaß, aber es ist da. Wenn du genau hinsiehst, kannst du hier helfen. Gleich nebenan. Und das ist letztendlich genauso wichtig wie die Hilfe, die Japan jetzt braucht. Denn jeder Mensch, der Hilfe braucht, ist diese Hilfe auch wert. Egal ob er in Japan sitzt oder in Haus nebenan.
    Das ist das, was mir hilft. Vielleicht ja auch dir?

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  4. Bitte nicht missverstehen. Mir geht das auch sehr nahe, wirklich. Ich merke mehr und mehr, dass ich doch nicht abschalten kann, dass die Bilder immer präsent sind und dass ich weiterhin den Fernseher anschalte und Internetportale anklicke, um zu wissen, was dort vor sich geht. Das ist nicht aus Sensationsgier, sondern aus Betroffenheit und Hilflosigkeit. Es geht doch nicht anders. Ich stellte über die letzten Jahre immer wieder an mir selber fest, dass ich von Katastrophe zu Katastrophe mehr „abstumpfe“, aber durch Japan hat sich das doch wieder ziemlich verändert. Und trotzdem, es ist so präsent, es ist zu präsent, es wird zuviel. Ich würde gerne aufhören Nachrichten zu gucken, aber ich kann nicht. Auch ich weiss wie Susan nicht mehr, was ich glauben soll und ich mag auch eigentlich gar nicht mehr überlegen, was ich glauben soll.

    AleXXblume, ja ich handhabe das genauso. Deshalb habe ich auch vor vier Jahren angefangen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Das grosse Ganze kann ich weder ändern noch überblicken, aber im Kleinen kann ich etwas verändern.

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  5. Ob ich was verändern kann, wird sich erst noch zeigen, aber natürlich kann jeder von uns was tun. Das wäre nicht nur gut, es würde auch die eigene Ohnmacht etwas abschwächen.

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