muss raus

Ich wollte eigentlich meine Klappe halten, aber jetzt muss es doch raus.

Es ist klar, ein Plagiat ist kein Kavaliersdelikt und ich als Wissenschaftlerin weiss genau, wieviel Mühe es macht, alles immer genau und korrekt zu zitieren.

Es ist auch klar, dass jemand, der derartig schummelt, den Titel Doktor nicht verdient hat.

Nicht klar ist mir jedoch, was das alles mit der aktuellen Politik zu tun hat und ehrlich gesagt, ich bin es leid, so unglaublich leid, dass es seit inzwischen vielen Jahren in der Politik nur noch und ausschliesslich um Personaldiskussionen geht und darum, wer was wann wie und mit wem getan hat. Ich bin so unglaublich müde, nicht mehr zu wissen, welche Partei man wählen soll, weil es doch sowieso keine inhaltlichen Linien mehr gibt, und ich bin es so unglaublich Leid, dieses ständige Tamtam um das, was irgendwelche Leute irgendwann in der Vergangeheit mal getan haben und ich frage mich, ob wir es irgendwann in absehbarer Zeit noch schaffen, dass u.a. in den Medien wieder Inhalte diskustiert werden und die Personaldiskussionen dorthin verbannt werden, wo sie hin gehören: Ins stille Kämmerlein.

Übrigens, ich hab mal mit zwölf Jahren mit einer Freundin zusammen mehrmals in Läden geklaut. Stifte und sonstigen Kleinkram, wir nannten das „EinkLaufen gehen“. Bis wir eines Tages erwischt wurden. Ha, das wussten Sie nicht? Jetzt wissen Sie es.  Und jetzt werde ich Sozialarbeiterin. Na, wer hat Lust, mal ein bisschen über meine Vergangeheit zu diskutieren???

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12 Kommentare zu „muss raus

  1. Tut mir leid, dir da widersprechen zu müssen, aber das (Ich gehe mal davon aus, du redest vom Fall Guttenberg) ist keine Privatabgelegenheit, die in die Vergangenheit gehört. Das ist eine Angelegenheit, die riesige Zweifel an der Glaubwürdigkeit eines Ministers aufwirft, der bisher immer mit seinem Image als besonders gradliniger, besonders moralischer, besonders integerer Mensch Boden gutmachen konnte. Der andere, Untergebene, beim leisesten Zweifel, da könnte irgendwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, sofort geschasst hat. Diese Maßstäbe, tut mir leid, muss er auch an sich selbst anlegen lassen. Ganz abgesehen davon, der Mann ist in seiner Eigenschaft als Minister oberster Dienstherr der Bundeswehr, womit tausende Menschenleben in seiner Hand liegen, so jemand sollte mehr Rückgrat haben, und, besonders pikant, er ist verantwortlich für die beiden deutschen Bundeswehruniversitäten. Wie soll denn da die Lehrenden künftig mit Studenten umgehen, die bei ihren Arbeiten irgendwie bescheißen (auch wenns nur im allerkleinsten Rahmen ist) wenn der oberste Dienstherr mit einem Betrug in diesem ungeheuren Ausmaß davonkommt? Und es ist im übrigen auch insofern keine Privatangelegenheit, als er sich die ganze Geschichte eben auch vom Steuerzahler hat finanzieren lassen.
    Und so unendlich weit in der Vergangenheit liegt das ganze übrigens auch noch gar nicht, die Arbeit, um die es geht, hat der Kollege 2006 abgegeben. Vor erst 5 Jahren.
    Das alles hilft dir natürlich nicht bei der Frage, wen oder was du wählen sollst. Gut, ich könnte dir jetzt sagen, was du meiner Meinung nach wählen solltest, aber das muss dann doch jeder für sich selbst entscheiden. 😉

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  2. In diesem Falle muß ich Zimtapfel zustimmen: es geht einfach nicht, daß jemand, der so einen Posten bekleidet und sich Integrität und Ehrlichkeit auf die Fahnen geschrieben hat, betrügt und damit davonkommt. Das macht die Politik unglaubwürdig. Nicht, daß die es nicht sowieso schon sind: unglaubwürdig, aber wenn das „gemeine Volk“ das Gefühl hat, daß ein Minister damit davonkommt, daß es kleingeredet und unter den Teppich gekehrt wird – und glaub mal nicht, daß das nicht einigen in der Politik lieber gewesen wäre – wie willst du dann den Leuten vermitteln, daß es eben nicht okay ist, so etwas zu machen? Oder wird da mit zweierlei Maß gemessen? Und wo hört dann die Betrügerei auf? Komme ich mit einer gefälschten Diss. durch, was kann ich denn dann noch machen, ohne persönliche Konsequenzen zu erleiden? In diesem Sinne ist eine öffentliche Debatte und, ja, auch die öffentliche Demütigung, die dieser Minister jetzt erleidet, sinnvoll und richtig.

    Bei dir ist es ja leider oder glücklicherweise so, daß du keine öffentliche Person bist, sonst wäre das nämlich jetzt auch in allen Zeitungen ;-). Mist hat ja wohl jeder gebaut, das ist klar, aber ich finde, eine Dissertation fälschen ist nicht mit Stifteklauen zu vergleichen.

    Diese Debatte, die jetzt in den Medien geführt wird, ist, da gebe ich dir Recht, maßlos übertrieben, das muß nicht sein. Aber wenn wir in einer Welt leben würden, in der so eine Affäre öffentlich in einem angemessenen Maße behandelt werden könnte, müßten wir uns nicht über unfähige Politiker aufregen.

    Mich persönlich ärgert das tierisch, daß sich so einvon und zu Guttenberg, seines Zeichens Verteidigungsinister, der auch noch JURIST ist und damit eigentlich auch noch Vertreter einer Berufsgruppe, die quasi das Gesetz sind (also, nein, ich bin nicht naiv, ich weiß, daß Juristen die schlimmsten sind), und eine Vorbildfunktion innehat, betrügt und der Meinung ist, daß er damit davonkommen kann, seine Extrawurst kassieren kann, eben weil er Minister ist. Mit einer Dissertation, von der er öffentlich erklärt, daß er sie selber in mühevoller Kleinarbeit geschrieben hat und mit summa cum abgeschlossen hat. Er hat seinen schönen Titel bekommen, dafür aber jetzt die Diskussion um den Wert der Promotion allgemein losgetreten. Mich hat es unendlich geärgert, wie z.B. im Spiegel diese Debatte geführt wurde, daß „der Dr.“ eigentlich nur gemacht wird, um das eigene Ego zu befriedigen und seine Karriereträume zu verfolgen – mich ärgert das so, weil da wieder alle über einen Kamm geschert werden, insgeheim unterstellt wird, daß die Promotion nichts wert ist, weil doch jeder, der bei klarem Verstande ist, das nicht selber macht und zusätzlcih noch kleingeredet und heruntergemacht wird, wenn sich jemand tatsächlich darum bemüht. Und daß eben auch solche in Verdacht kommen und abgewertet werden, die tatsächlich viel Arbeit, Zeit und Mühe in diese Arbeit reingesteckt haben. Aus welchen Gründen auch immer. Also, ich glaube, bei mir spielt eben auch persönliche Verärgerung rein…

    Und was die Politik angeht: ich finde es bezeichnend, daß die meisten Politiker Juristen sind. Ich erinnere mich noch an meine Uni, an der die Fachschaft Politik händeringend Leute gesucht hat, die sich für die Fachschaftswahl – Unipolitik also – aufstellen wollen. Und genau das ist es, was schief geht: in der Politik tummeln sich eben nicht die Leute, die Ahnung haben, sondern zumeist leider all das andere Gekröse, Laberbacken, so einer wie ein Dr.a.D. von und zu Guttenberg.
    (So, das war jetzt wieder lang und wirr, sorry)

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  3. Ich weiß genau, was du meinst! Trotzdem kann ich auch Zimtapfel und Susan verstehen… ich denke, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Es geht nicht darum, dass der Herr von G. Mist gebaut hat, und auch nicht darum, dass das definitiv nicht ok war, sondern darum ,wie damit in den Medien umgegangen wird. Und ich finde diese in den letzten Jahrzehnten immer krasser gewordene Art und Weise der Deutschen, keinem mehr auch nur den kleinsten Fehltritt zu verzeihen, auch ganz schrecklich! Man denke da an Frau Käßmann und wen noch alles… das ist doch nicht mehr normal!

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  4. Ich stimme Dir zu (und stehe mit dieser Meinung meistens allein da). Ich denke, dass solche Diskussionen nur aufkommen, weil es gerade keine anderen (politischen) Themen gibt oder man besser von diesen ablenken sollte. Bei uns dieselbe Diskussion um den Ing-Titel des Ministerpresidenten, bis es irgendwann im Sande verlief und der gute Mann sogar wiedergewählt wurde. Ausserdem kommt mir immer wieder die Streitfrage in den Sinn, ob Schröder sich damals nun die Haare färbte oder nicht… Hat alles nichts mit Politik zu tun.

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  5. Zimtapfel und Susann, Ihr habt sicherlich Recht mit den Dingen die Ihr schreibt. Das Image ist erstmal futsch und klar, man wird diesem Mann jetzt nicht mehr so leicht etwas glauben wie zuvor, ich auch nicht. Was ich aber in Euren Kommentaren lese, ist „Integrität“ und“Vorbild“ und wie man mit Studenten umgehen soll, die fälschen und das – tut mir Leid – hat rein mit der Person G.’s zu tun und nichts mit aktuellen politischen Themen. Und genau das ist es was mich an dieser – wirklich maßlos übertriebenen – Diskussionen so stört. Diejenigen, die die Diskussion gerade so hochtreiben, sind wahrscheinlich wie Josili bemerkt hat, genau die, die gerne von anderen Themen ablenken möchten. Ich denke da ebenfalls an Käßmann, an diverse Affären um Bordellbesuche oder an diese Dienstwagengeschichte vom letzten Sommer. Alles komplett sinnlos. Hat es uns irgendwelche neuen politischen Ideen oder Wege gebracht? Nein.

    @josili: Danke. Ich steh mit dieser Meinung auch immer alleine, aber jetzt sind wir schon zu zweit. 😉

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  6. In jeder Doktorarbeit sind Plagiate.Die Gründe hierfür sind unterschied- lichster Natur.Wenn man sich aber den Sinn oder Zweck einer solchen Arbeit hinterfragt,spielt dieses Argument keine Rolle.Es berührt nur die Eitelkeiten der Personen,von denen der Text zum ersten Male veröffentlicht wurde und die verlogene politsiche Klasse.Eine Doktorarbeit soll die wissenschaftliche Diskussion mit neuen und klärenden Ansätzen bereichern.Das ist Herrn v.G.wohl gelungen!Sonst hätte sie nicht das Prädikat „summa cum laude“ bekommen!
    Verena „Du bist auf dem richtigen Wege“!!
    Dein Opa

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  7. Ich muß Dir da auch widersprechen. Jemand, der moralische Grundsätze so vor sich her trägt wie der Herr von und zu muß sich eben auch genau daran messen lassen.
    Und inzwischen ist einfach klar, er hat abgekupfert und er hat gelogen, das sich die Balken biegen.
    Das ist seine Taktik, immer nur so viel zugeben, wie gerade nötig. Und das macht er leider auch in seinem Amt.
    Ich finde allerdings, Herr von und zu gehört wegen seiner Politik abgesetzt und nicht zwingend wegen seines Plagiats.
    Wie er da agiert, ist allerdings nur noch peinlich.

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  8. Nein, KDF; ich kenn das so nicht. Uns wurde beigebracht, dass eine wissenschaftliche Arbeit erstens die wissenschaftliche Diskussione bereichern und zweitens anständig erstellt und korrekt belegt sein sollte. Ich kenne es auch persönlich aus dem Unileben nicht anders. Und deshalb will ich gar nicht herunterspielen, dass das was der Herr von und zu G. gemacht hat, ein Betrug ist und Konsequenzen haben muss. Ich finde das – diesen Betrug – sicherlich genauso schlimm wie die ersten KommentatorInnen und es wirft ein schlechtes Bild auf Wissenschaftler.

    Mir ging es in diesem Beitrag nur darum zu sagen, dass all das und diese ganze Diskussion, die momentan stattfindet, rein und ausschliesslich mit der Person G.’s zu tun hat, mit seiner Integrität, mit seinem Ethos etc., in keinster Weise aber mit der aktuellen politischen Diskussion und auch nicht mit der Politik G.’s. Und so geht es seit Jahren, ständig werden irgendwelche Affären und Personaldiskussionen herbeizitiert, um unliebsame politische Themen medienwirksam verdrängen zu können. Das ist das, was mich so aufregt. Ich wünsche mir endlich einmal Inhalte in der Politik.

    Und dennoch: Auch ich sehe ein Plagiat NICHT als eine Art Kavaliersdelikt, auch wenn es vermutlich realistisch betrachtet öfters vorkommt, als wir das glauben und uns wünschen.

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  9. Upps… wo ist denn mein Kommentar von gestern geblieben…..

    Ich finde schon, das Herr von und zu sich an dem messen lassen muß, was er selber immer vorgibt zu sein. Und er hat gelogen, vor allem, nachdem alles raus kam. Damit ist er als Politiker nicht mehr glaubhaft und ich finde es schon bedenklich, wenn so jemand unsere Soldaten in den Krieg schickt.
    Natürlich bringt es uns politisch nicht weiter, wenn er geht, aber ich finde einfach, das Menschen in so hohen Ämtern auch Vorbild zu sein haben und sich anständig zu verhalten haben. Basta. Das hat er nicht und deshalb würde ich es richtig finden, wenn er geht.
    Und die Rührstory vom armen Familienvater ist doch nur noch peinlich. Und neben allem, er hat seine Funktion missbraucht, er hat Steuergelder für seine privaten Zwecke verpulvert und das geht einfach mal gar nicht. Er hat den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages missbraucht und sich nicht mal die Mühe gemacht, das zu verschleiern und die Texte wenigstens abzuändern.
    Ich bin selber Juristin, ich weiß, das solche Arbeiten oft aus einer Aneinanderreihung von Zitaten und Meinungen besteht, aber auch das will eben gekonnt sein.

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  10. Du hast sicherlich recht. Und trotzdem stimmen für mich einfach die Relationen nicht mehr. In Libyen werden Menschen abgeschlachtet, die Hartz IV-Diskussion ist ein einziger Witz und meine Oma ist schon wieder im Krankenhaus, weil sie sie beim letzten Mal vor vier Wochen so unglaublich schlecht gepflegt und die Infektion nur halb auskuriert haben. Und halb Deutschland regt sich über einen Doktorarbeit auf? Sorry, aber das sind für mich Luxusprobleme, die eindeutig belegen, dass es uns immer noch viel zu gut geht.

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  11. Für mich geht es auch schon lange nicht mehr um seinen Doktortitel. Und ich finde, man muß auch nicht immer alles damit relativieren, das es woanders schlimmer ist. Damit würgt man jede Kritik ab, weil man immer ein Land findet, in dem es bedeutend schlimmer zugeht.
    Und Libyen ist eine Sache, die Tatsache, das dem Herrn Gaddaffi (genauso wie Mubarak und anderen Despoten) vom Westen jahrzehntelang der Popo gepudert wurde, auch eine, die man mal sehr laut anprangern sollte.

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  12. Hihihi, genau das ist ja das Ding. Es gibt immer woanders schlimmere Themen und da lässt sich dann mittels so einer künstlich in die Höhe gebauschten „Affäre“ auch wunderbar von ablenken, wenn das genau die Dinge sind, über die man nicht so gerne diskutieren möchte. 😉

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