O’zapft is‘

Es hätte mir früher auf- oder einfallen müssen. Seit Freitag bin ich wieder in der Teenie-Hölle, diesmal volle zwei Wochen Urlaubsvertretung. Und bemitleidete ich mich im Vorfeld bisher meistens eher fleissig selber für ganze zwei Wochen Alkoholabstinenz – auch nicht mal ein Gläschen Rotwein zum Essen oder einen Irish Coffee mit Freunden – sowie dafür, dass „meine“ Wiesn dieses Jahr statt vom 18. September bis 4. Oktober genau gerade mal vom 1. Oktober bis 4. Oktober geht, so bin ich seit Samstag abend schlauer und weiss nun auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit habe eine leise Ahnung, warum der werte Kollege genau diese zwei Wochen für seinen Urlaub gewählt hat…

Aber ach, nicht, dass Sie jetzt was Falsches denken. Nein, es war nichts hier in unserer WG. Ich habe nur der werten Kollegin geholfen. Nein, es ist alles gottseidank trocken abgelaufen. Und nein, meine beiden Jungs hier sind äußerst brav und zuverlässig, ich denke zumindest hier in dieser Wohnung wird alles relativ harmlos abgehen und auch sonst bin ich zuversichtlich.

Mir geht es ziemlich gut, diesmal, immerhin haben mein Laptop und mein Nähmaschinchen mich den weiten Weg hierher ans andere Ende der Stadt begleitet und so wird es eigentlich nie langweilig.  Leider allerdings habe ich mir auch eine Erkältung mit den den Koffer gepackt, die hätte ich nun wirklich zu Hause lassen können. Ich wecke also um 5.00 Uhr 5.30 Uhr das große Kind, hoffe und bete, dass er pünktlich um 6.30 Uhr aus der Haustür verschwunden sein möge, blinzele kurz in den Sonnenaufgang, um mich dann bis 8 Uhr wieder hinzulegen. Dann gehe ich Brötchen holen, trinke meinen Kaffee, um dann zu putzen, waschen und ein wenig zu bloggen und zu emailen. Gegen Mittag stelle ich dann erschrocken fest, dass über Putzen, Waschen, Kochen über surfen und Emails beantworten schon der halbe Tag vergangen ist und sprinte schnell zum Supermarkt, um was zu essen dazu haben, wenn das kleine Kind aufwacht 😉 die hungrige Meute zurück ist. Immer dabei die wichtigsten Fragen: „Was koch‘ ich jetzt zwei Wochen lang für zwei Jungs, deren Speiseplan wohl bevorzugt aus Pizza, Woscht, Pommes und Schnitzel bestehen würde? Kann ich Spinat mit Fischstäbchen auftischen und was gibt es dazu? Kann ich Gulasch auch ohne Paprika machen?“ usw. usw. Sehr viele andere und wichtigere Fragen gibt es momentan nicht in meinem Leben. I am so Hausfrau!

Nachmittags darf ich meistens selbst ein wenig raus und eigene soziale Kontakte pflegen, welch Wohltat, bis ich dann abends wieder hier eintrudele und koche und mit den Jungs esse… oder eben auch nicht. Meistens wird eh nicht gegessen, was ich gekocht habe, Müttern von Teenagern dürfte das vermutlich ein wohlbekanntes Phänomen sein.

Gelegentlich verfalle ich über diesen eintönigen Tagesablauf in eine leichte bis mittelschwere Lethargie. Planen fällt gerade etwas schwer, es hängt alles davon ab, wann ich hier wegkann und das weiss man irgendwie nie so genau. Das ist der Nachteil von diesem Job. Gelegentlich ist das aber auch sehr schön, so in den Tag hineinzuleben, irgendwann jedoch muss ich mich wieder hochrappeln und etwas tun. Auch meine Nähmaschine grinst mich schon ganz verärgert an und wartet darauf, endlich ausgepackt und mit Stöffchen gefüttert zu werden. Für den baldigen Unistart gäbe es noch soviel zu organisieren. Tausend Dinge, die gerne noch vor Unistart erledigt sein wollen, tausend liebe Menschen, die noch getroffen werden wollen…

So ist das Leben hier in der Teenie-Hölle. Eigentlich ist es gar nicht so höllisch oder gar schlimm. Mein zwischenzeitlicher Entschluss, später mal eigene Kinder genau dann wenn sie nicht mehr klein und süß sind spätestens mit Eintritt in die Pubertät zur Adoption freizugeben, ist sogar inzwischen schon etwas ins Wanken geraten: Vielleicht, ganz eventuell, würde ich sie dann doch mit ca. 16-17 Jahren wieder aufnehmen.

Aber um mir das zu überlegen, hab ich ja jetzt noch eine Woche Zeit. 😉

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9 Kommentare zu „O’zapft is‘

  1. Na,das klingt doch ganz entspannt und alles.

    Und da wir ja so Hausfrau sind und auch gerne mal ungefragt Tipps rübergeschoben werden: wir hatten heute eine superleckere Bolognese auf den Tisch, die sehr „naughty“ geschmeckt hat, aber gesund war. Hackfleisch in ein wenig Olivenöl mit Zwiebeln und Knofi anbraten, 2-3 geraspelte Möhren, 1-2 geraspelte Zucchini, 1-2 geraspelte Paprika druntermischen, Passata drauf und ein wenig köcheln lassen. Abschmecken und essen. Ich dachte nur, weil Spaghetti Bolognese ja eigentlich auch immer geht.

    Ich bin mal gespannt auf dein Gemähtes. Und das mit der Wiesn holst du halt nächstes Jahr wieder nach. 🙂

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  2. Tipps sind keineswegs ungefragt, sondern nur vergessen, das im Post zu erwähnen.
    Das klingt verdammt gut, mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Nur leider: Die Idee hatte ich nur leider schon am Dienstag. Ergebnis: Ein Kind aus der Nachbarwohnung hat es gegessen, bei einem vermute ich, dass es was davon gegessen hat, einer hat sich Pizza gemacht… 😉 Außerdem geht angeblich Zucchini gar nicht und Paprika nur roh (!), das geraspelt unterzu“schummeln“ habe ich mich noch nicht getraut. Muss ich ausprobieren. 😉
    Aber spätestens sobald ich wieder zuhause bin und für mich kochen darf, was ICH will!

    So, und was koch ich heute?

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  3. Beim Oktoberfest fällt mir so ein: bei „D-E-P-O-T“ gibt es gerade einen Oktoberfest-Tisch und da habe ich an dich gedacht. Du kannst mir sicher acuh verraten, was Obazda oder so ist. Ich hätte erst gedacht, dass ist so eine Art Trocken-Bruscetta 😉
    Achja, Kochtipps habe ich keine ohne Gemüse so richtig. Vielleicht Tomatensuppe? Ich weiß, dass meine Oma früher immer ein Bund Suppengrün dadrinn püriert hat, damit wir mal Gemüse bekommen 😉

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  4. Ich mache Gulasch immer ohne Paprika ;-), aber das nur am Rande. Obatzen würde ich auch nur unter Androhung von Gewalt verzehren, aber mir ist schon klar, das das bei Euch zu den Nationalgerichten zählt.
    So im Ganzen klingt es relativ entspannt, vor allem angesichts der Tatsache, das es Teenies sind, das Oktoberfest ist. Da hätte ich mehr Auswüchse erwartet.

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  5. (1) Das klingt wie der Tagesablauf von Mooggie, bevor sie sich endlich hat scheiden lassen.

    (2) Als ich Wochenlang wegen Krankheit nicht aus dem Haus gehen konnte, habe ich für Fuchs Hausfrau gespielt. Es war eine sehr interessante Erfahrung, sie hat mir gut getan. Danach ist mir klargeworden, dass das nichts für mich ist und bis heute überlege ich, wie Mooggie das fünfzehn Jahre hat aushalten können.

    (3) Mir ist noch eingefallen, dass ich eine Reihe von Pastasoßen weitergeben kann. Außerdem fällt mir auch noch ein, dass Fuchs gegessen hat, wie ein Teenager. Das Menü bestand also immer aus:

    (a) Grüner Salat. Er mochte keine Tomaten, keine Paprika kein gar nichts. Grüner Salat mit wahlweise Gurke und/ oder Radieschen. Dazu einer diese drei Dressings:
    I. Olivenöl. Knoblau, Senf, weißer Aceto Balsamico, Salz, Pfeffer, Zucker
    II. Sahne, Essig, Salz, Pfeffer, Zucker
    III. Sahne, Zitrone, Zucker, Salz, Pfeffer (muss süß werden)

    (b) Pasta, Flammkuchen (von Wagner), McDonalds, Wok (aber das ungerne), Pfannkuchen, Tomatensuppe, Spätzle, Knöddel, Gnocchie

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