Lustiges und Kurioses aus der bunten und wunderbaren Welt der Sprache – Die witzigsten Sprachen der Welt: Pidgins und Kreols

(Seit langer Zeit, endlich mal wieder, ich weiss. 😉 Ich gelobe Beserung!)

Heutzutage geht ja alles auf Englisch. Auf Englisch werden Geschäfte gemacht, auf Englisch wird geforscht und auf Englisch kann man sich (fast) jederzeit problemlos überall verständigen. Englisch ist eine Weltsprache. Vor etlichen tausend Jahren, zu Zeiten des guten alten Julius C., da gab es aber schon einmal so eine Weltsprache. Das war Latein. Latein war die Sprache der Herrschenden, gleichzeitig aber auch nach einer ration communis die Sprache der Handeltreibenden. Latein war somit so etwas wie die erste lingua franca.

Als lingua franca bezeichnet man Sprachen, die vor allem und in erster Linie eine Art gemeinsame Kultursprache sind, die also in erster Linie der Verständigung dienen. Solche lingua francas gibt es heute viele. Denn die Menschen begnügten sich nicht mit dem römischen Reich, sondern sie schwärmten noch weiter aus, nach Amerika, nach Indien, nach Australien und Ozeanien. Doch immer wieder traf man dort auf Sprachen, die kein Europäer verstehen konnte und somit wurde es äußerst schwer für die, die dort zum Beispiel Handel treiben wollten. Wie sollten sie sich verständlich machen? Wie sollten die Missionare missionieren, wenn die Eingeborenen sie nicht verstehen konnten? Aus dieser Not heraus entstanden überall dort, wo Missionare unterwegs waren, wo Handel getrieben wurde, sogenannte Pidgin- und Kreolsprachen.

Pidginsprachen sind eine Art „stark vereinfachte“ (wobei ich mich im Bezug auf Sprachen gegen die Bezeichnungen „einfach“ und „schwer“ wehre) Mischsprache aus der Sprache der Missionare oder Kolonialherren und der Sprache der Eingeborenen. Diese Sprachen entwickelten sich aus der oft ganz einfachen Verständigung zwischen den verschiedenen Interessen. Dabei passierte es häufig, dass die Grammatik größtenteils aus der Sprache der Kolonialherren übernommen wurde, der Wortschatz und die Aussprache aber aus der Sprache der Einheimischen. Das muss natürlich nicht zwnagsläufig so passieren, es ist eher die typischste Form. Man kann sich auch sehr gut aus beiden Sprachen bedienen, wie es gerade passt. Die Sprache mit dem vorherrschenden Einfluss – meistens (aber auch nicht zwangsläufig!) aufgrund der Machtverhältnisse die der Kolonialherren – wird dabei Superstratsprache genannt, die Sprache mit dem geringeren Einfluss wird – weil sie sozusagen überlagert wird – Substratsprache genannt. Übrigens geht das natürlich nicht nur mit Englisch, Pidginsprachen entstanden überall dort, wo kolonialisiert wurde, also auch in spanischen, portugiesischen, französischen und niederländischen Kolonien. Ab und zu – das werden Sie bald merken – gibt es auch Einflüsse aus dem Deutschen. Und es muss auch nicht bei zwei Sprachen bleiben. Papiamentu z.B. auf den niederländischen Antillen (Aruba, Bonaire, Curacao) enthält in Grammatik und Wortschatz sowohl Einflüsse aus dem Spanischen als auch aus dem Holländischen.

Wenn eine Pidginsprache wiederum ein Eigenleben gewinnt, wenn sie weitere, eigene Entwicklungen und Veränderungen in Grammatik und Wortschatz durchmacht und irgendwann auch als Muttersprache in eine neue Generation hinübergetragen wird, dann ist eine neue Kreolsprache entstanden. So zum Beispiel das (französisch-basierte) Kreol auf Hawaii. Auch wenn die Kolonialisation längst vorbei ist, so bleibt doch häufig die Kreolsprache als allgemeine Verkehrssprache bestehen.

Pidgin- und Kreolsprachen können manchmal sehr witzig aussehen. Oft sind Begriffe von den Einwanderern übernommen worden, aber dann sehr der Aussprache der dort ansässigen Sprachen angeglichen worden. Auch werden oft Begriffe umschrieben. Oder man nimmt einfache grammatische Mittel aus der Substratsprache und kombiniert sie mit dem Wortschatz der Superstratsprache. Viele Sprachen benutzen zum Beispiel Reduplikation als grammatisches Mittel, aber auch um neue Wörter zu bilden. Zum Beispiel bedeutet wilwil im englisch-basierten Tok Pisin (Papua Neuguinea) „Fahrrad“ (= wheel-wheel).

Ebenfalls auf Papua Neuguinea wäre dann zum Beispiel dieser Satz auf Tok Pisin – was übrigens soviel bedeutet wie “Talk Pidign” bedeutet – zu lesen:

Wok long rot ol kar mas stop sapos yu lukim red pela mak.

Das klingt zunächst ziemlich spanisch chinesisch unverständlich, wenn man sich den Satz aber genauer ansieht, kann man folgende englische Wörter darin entdecken:

work along road all car must stop suppose you loose-him red fellow mark.

Was wiederum auf “richtigem” Englisch soviel bedeutet wie:

Work along the road. All cars must stop when the red light is on.

Und jetzt? Wieviel Pidgin können Sie? Können Sie die folgenden Begriffe erraten?

numba wan dokta

no gat wok

toknogotim l

onglong long wiski

bosboi

klosap tudak

haus ka

skru bilong han

naispela

ples antap

haus drink

haus beten

bigmaus

mausgras

salwara

tupela

mekim gut gen

oraitim

glas bilong lukluk

yumi

smokpepa

skin i wara

(Sprachwissenschaftler sind von diesem Rätsel ausgeschlossen und dürfen auch nciht helfen. 😉 Für die Lösung dieses Rätsels haben Sie bis Mittwoch Zeit, solange werde ich nämlich im – hoffentlich verdienten – Urlaub beim allerliebsten Bruderherz in Kopenhagen weilen. Ich bin gespannt auf Ihre Vorschläge!)

(Machen Sie es gut.)

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5 Kommentare zu „Lustiges und Kurioses aus der bunten und wunderbaren Welt der Sprache – Die witzigsten Sprachen der Welt: Pidgins und Kreols

  1. Hallo Ansku,
    ich hab´da mal eine Frage. Wenn du über sprachwissenschaftliche Themen schreibst- schüttelst du das einfach so aus der Hand? Oder liest du nochmal in deinen „alten“ Studientexten oder Büchern nach? Ich frage deshalb, weil ich mich nie im Leben so qualifiziert über diese Themen äußern könnte. Gut, ich habe Linguistik nur im Grundstudium gehabt (war Pflicht), aber trotzdem. Selbst in dieser Zeit hätte ich es nicht hinbekommen. Ja, vielleicht hätte ich ein paar Fakten zusammenbasteln können, aber wenn es um Details und Beispiele gehen würde- no chance!
    Möglicherweise ist die Frage merkwürdig- keine Ahnung. Aber mich interessiert das wirklich. Entweder ermutigt mich deine Antwort- oder ich muss neidvoll anerkennen, dass es wirklich Menschen gibt, die sich alle Studieninhalte bis ins Detail merken können.

    Viel Spaß in Kopenhagen!

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  2. Aber klar, das darfst Du gerne fragen! Also meistens, wenn ich etwas sprachwissenschaftliches schreibe – was ja nun auch länger nicht mehr so richtig vorgekommen ist *hust* – greife ich zurück zu Themen, die ich mal in einer Seminararbeit oder einem Referat behandelt habe. Die habe ich dann grundsätzlich meistens noch im Kopf, allerdings muss ich natürlich auch für Details öfters nocheinmal etwas nachgucken. Entweder in meinen Unterlagen oder das Internet hilft mir weiter.
    Ich kann Dich absolut beruhigen: Kein Universalgenie 😉

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  3. Oh, etwas zum Grübeln, schön! Sprache ist mein heimliches Steckenpferd, und auch, wenn ich nie etwas in der Richtung studiert habe, bilde ich mir ein, ein gutes Gefühl dafür zu haben und auch oft Verknüpfungen zwischen verschiedenen Sprachen zu erkennen. Da kommt so ein Rätsel gerade recht, ich versuche mich einmal daran. 🙂

    (Da fällt mir übrigens gerade wieder die Geschichte ein von einem umherziehenden Zigeuner, der Strassenmusik auf einer alten Gitarre machte und dazu sang. Und zwar den Song „Adschesko tusei“ – ich bin sicher, Sie kennen ihn auch, wenn auch unter anderem Namen.)

    numba wan dokta: Number von doctor – Notruf?

    no gat wok: No got work – arbeitslos?

    onglong long wiski: On long, long whiskey – betrunken?

    bosboi: Bus boy – Busfahrer?

    klosap tudak: Close up to … (day?) – Dämmerung?

    skru bilong han: Screw belong hand – Ring? (Ok, das ist vermutlich zu weit hergeholt.)

    naispela: Nice fellow – Junger Mann?

    ples antap: Place on top: Dach/Himmel?

    salwara: Sell ware(s) – Laden?

    tupela: Two fellow(s) – (Ehe)paar?

    mekim gut gen: Mög‘ ihm gut gehn – Alles Gute? (Das kam mir so in den Sinn, aber es ist wohl eher englisch basiert.)

    oraitim: All right in? – Rechts vor links, rechts einordnen?

    glas bilong lukluk: Glass belong look-look – Brille?

    yumi: Yummi – lecker? (Aber das ist sicher zu kurz gedacht.)

    smokpepa: Smoke pepper – scharf?

    skin i wara: Skin ware – wenn salwara wirklich Laden ist, wara also wares, dann vielleicht etwas mit Leder? Oder Tierhandlung?

    Vermutlich ganz furchtbarer Blödsinn, aber Spaß hat’s gemacht. 🙂

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  4. „Dabei passierte es häufig, dass die Grammatik größtenteils aus der Sprache der Kolonialherren übernommen wurde, der Wortschatz und die Aussprache aber aus der Sprache der Einheimischen.“

    Sind „Grammatik“ und „Wortschatz“ hier nicht vertauscht?

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