Die alte Professorin

Als ich mich fürs Studium bewarb, ging ich zu beiden Hochschulen dieser Stadt, an denen man Soziale Arbeit studieren kann, zur Studienberatung. In der einen ein gutaussehender junger Mann, sehr sympathisch, sehr nett und vor allem überaus hilfsbereit und engagiert. Er hörte sich meine Lage sehr genau an und kam dann sogar noch auf die Idee, zu suchen ob es eine Möglichkeit gäbe für mich, trotz Fachwechsel einen Master zu machen.

In der anderen Hochschule war es eine schon etwas ältere Professorin, die sehr viel redete, teils auch wirr, aber nicht weniger freundlich und aufgeschlossen war. Wir redeten sehr lange über sehr vieles, über soziale Arbeit, über Gesellschaft.

Neben vielem anderen sagte sie auch einen Satz, der mich sehr beeindruckt hat und der mich nachhaltig in meiner Entscheidung bestärkt hat:

„Soziale Arbeit bzw. Sozialpädagogik ist ein sehr junges Fach, das sich erst seit den 50er (?) Jahren langsam herausgebildet hat. Der Grund ist offensichtlich: Davor lebten die Menschen in einer Diktatur. In einer Diktatur kann man alle Menschen, die nicht ins System passen, die eine andere Hautfarbe, eine andere Religion, Sexualität oder Weltanschauung haben, die krank oder behindert sind, einfach wegsperren. Wir leben aber heutzutage in einer Demokratie und in einer Demokratie kann man keine Menschen mehr wegsperren, sobald sie „anders“ oder „krank“ sind oder sonstwie nicht „passen“, sondern man muss sie in die Gesellschaft integrieren, man muss sie irgendwie in die Gesellschaft zurückführen. Deshalb brauchen wir Sozialpädagogen.“

Ich finde diesen Satz toll, er bringt es kurz, knapp und präzise auf einen Punkt, was ich mir von dieser Arbeit erhoffe und was ich mir unter sinnvoller Arbeit vorstelle. Ich werde die Professorin und diesen Satz sicherlich nicht vergessen, obwohl ich mich nach den beiden Beratungsgesprächen doch so generell an der anderen Uni etwas wohler und besser aufgehoben  fühlte.

Freitag kam der Zulassungsbescheid. Von meiner favorisierten Hochschule. Ich bin ab Oktober wieder Studentin.

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6 Kommentare zu „Die alte Professorin“

  1. Glückwunsch! Freut mich für Dich, dass das mit dem Studienplatz geklappt hat und sogar an der von Dir bevorzugten Hochschule. Ach ja, wieder Studentenleben, das fände ich auch schön…

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  2. Dankeschön, vielen lieben Dank, Frau Tunisianna und bald dann mal wieder auf einen Kaffee, nicht wahr? 😉

    Frau Landgeflüster, vielen Dank und herzlich willkommen hier! Es ist ein Zweitstudium, insofern kenne ich das Studentenleben ja schon ganz gut, schauen Sie mal auf die Tagwolke. 😉 Aber ich freue mich dennoch sehr.

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  3. Herzlichen Glückwunsch! Aber was ist denn dann mit der Sprachwissenschaft?
    Ist die dann erstmal- hmm- „weg vom Fenster“? Ich frage, weil damals, als du (Ich sage mal DU- wenn es okay ist? Ich weise nur so ausdrücklich darauf hin, weil ich des Öfteren schon gemerkt habe, dass das lesende Volk hier mit SIE angesprochen wird. Und wenn es nicht okay ist, dann akzeptiere ich auch das förmliche SIE. Wir sind ungefähr gleich alt- deshalb bevorzuge ICH das DU!)über deine Studieninhalte berichtet hast, ja da hat man beim Lesen förmlich die Begeisterung für diese ganze Thematik gespürt. Hätte durchaus darauf gewettet, dass du in die Wissenschaft gehst. Gut, das ist das Leben. Manchmal kommt es anders als man denkt.
    Geht dieses Studium dann auch so lange wie ein Regelstudium oder ist es verkürzt?
    Liebe Grüße von der Susan (die NICHT die Susan aus FIN ist 😉 )

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  4. Susan, ich wäre wirklich sehr gerne in die Forschung gegangen, wirklich. Aber manchmal kommt es anders als man denkt und anscheinend hat es trotz noch so vieler Versuche einfach nicht sollen sein. Mal sehen, wer weiss, was die Zukunft bringt. Dank DIR! Leider kann ich das Studium nicht verkürzen, also normaler Bachelor.

    Frau Momo, ich weiss. Ich kann es Dir sehr gut nachempfinden. Aber für Dich findet sich auch eine Lösung! *drück Dich!*

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