Stolz

Ich finde es manchmal nicht so leicht, Stolz über meine eigenen Leistungen zu empfinden. Letztes Jahr, nach meinem Uni-Abschluss, da dachte ich eigentlich, jetzt müsste ich stolz sein auf mich und darauf, dass ich dieses Studium abgeschlossen und zwar gut abgeschlossen habe. Ich wartete also, dass da der Stolz und das Glück kamen. Aber es kam nichts, ich fühlte zwar eine gewisse Erleichterung, aber am allermeisten gar nichts. Ich fand das zwar traurig, aber auch nicht ganz unbekannt.

Aber Dienstag abend, nach zahlreichen Hochs und Tiefs, nach gemütlichen Stunden mit den beiden „Kindern“ auf dem Balkon, aber auch nach zugeschlagenen Türen, einem mehrmals tobenden und wüst schimpfenden großen (*) Kind, dass einmal mit erhobener Faust vor mir stand, nach endlosen Diskussionen um jede Kleinigkeit und Freude, als das Kind dann doch zuverlässig alle Aufgaben erledigte, die ich ihm aufgetragen hatte, nach Dramen beim Wecken um zehn Uhr morgens und Sorgen, wenn die Kinder plötzlich nachts um eins noch beschlossen, zur Tankstelle gehen zu müssen, nach gefühlt 1000mal gehörtem „Ich f*ck Dich!!!“, nach einer eingetretenen Wohnungstür infolge eines Streits Montag abend um zehn und nachdem ich sehr erfolgreich danach das Kind wieder dazu gebracht hatte, sich zu beruhigen, nach Lachen und Weinen, nach Unverständnis und etlichen Zweifeln, ob das wirklich der Job ist, den ich in Zukunft machen möchte und nach einem langen Arbeitswochenende mit nur wenigen freien Stunden an den Nachmittagen, als ich Dienstag spät abends mich vom großen Kind verabschiedete und das große Kind dann sagte „Du bist echt voll nett, ey, Du bist voll korrekt. Wann kommst Du das nächste Mal wieder?“.

Da hab ich mich sehr sehr stolz gefühlt.

(*) Das große Kind ist 18, das „kleine“ Kind ist 16.

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2 Kommentare zu „Stolz

  1. Zu Recht!

    Aber so einen Job bitte, bitte nur machen, wenn du auch ne Supervision dabei machen kannst. Sonst gehst du auf Dauer kaputt.

    Viel Spaß dabei und noch mehr solche Erfolge, Kat

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