Ein bisschen die Welt retten

Ich habe gerade die neue NEON in der Hand und darin einen Artikel gelesen, der mich ungemein beruhigt hat. Es geht um Vegetarier.

Ich esse Fleisch, zwar nicht übermäßig viel, nicht täglich, aber ich esse gerne Fleisch. Ich mag keine Innereien, keine Sülzen und dergleichen und kein fettes Fleisch, aber ich mag Fleisch. Ich versuche, möglichst darauf zu achten, wo mein Fleisch herkommt. Nur: Während um mich herum immer mehr Leute zum Vegetarismus konvertieren, stehe ich etwas verloren da, werde immer stiller und komme mir plötzlich ganz schlecht und böse vor. Ich, Fleischesser, verantwortlich für Millionen gequälte Tiere und CO2, für lange Transportwege von argentinischen Rindern und den gesamten Hunger der dritten Welt. Dafür werde ich bezahlen müssen, nämlich damit, dass ich früher und kränker als ein Vegetarier sterben, nein elendig zugrunde gehen werde. Aber nein, so ganz stimmt das nicht.

In dem Artikel nun ging es hauptsächlich darum, dass viele Gerüchte und Legenden um Vegetarismus herumschwirren, von denen viele schlicht und einfach nicht wahr sind. Es geht darum, Nahrungsaufnahme IMMER auf Kosten anderer geht, es kommt nur drauf an, wer, wo und in welchem Maße. Wer sich bewusst ernährt, darauf achtet woher sein Fleisch kommt und wie es gelebt hat und nicht ständig billiges Fleisch vom Discounter haben muss, kann sich durchaus genauso vernünftig wie ein Vegetarierer ernähren. Mythen, dass Vegetarier länger und gesünder leben, sind laut dem Artikel längst als Urban Legends bewiesen, weil die Experimente, die dies vor langer Zeit bewiesen haben sollen, völlig sinnlos und falsch waren. Und nein, Fleischesser sind nicht für den gesamten Hunger in der dritten Welt verantwortlich. Wenn alle sich nur von Getreide ernähren würden, hätten die lokalen Hersteller in Dritte-Welt-Ländern irgendwann gar keine Chancen mehr, ihre Produkte zu verkaufen. Auch könnte man nicht einzig und alleine mit dem, was an Rinder verfüttert wird, allen Hunger der Dritten Welt stillen, Zahlen belegen das.

Sehr interessant fand ich auch das Argument, dass wenn einer ein Steak von einem Rind, welches glücklich auf einer heimischen Weide gegrast hat, dabei noch die Wiese gedüngt und mit seinem Getrampel die Pflanzen zum Wachsen angeregt hat, isst und ein zweiter ein Tofu-Schnitzel, für welches Soja von weither importiert werden musste und für dessen Anbau unter Umständen sogar Regenwald abgeholzt werden musste, ja wo sogar für die Produktion des Schnitzels noch eine Menge Energie aufgewendet werden musste, dann ist plötzlich gar nicht mehr so klar, wer jetzt wirklich „umweltschädlicher“ lebt.

Ich atme insgeheim ein bisschen auf, endlich einmal ein Artikel der die „bösen“ Fleischesser etwas in Schutz nimmt und versucht, mit Legenden und Halbwahrheiten aufzuräumen. Ich will nicht triumphierend sagen: „Ich hab es doch gewusst!“, nichts liegt mir ferner als das. Ich will niemanden zum Fleischessen überreden. Aber ich will auch nicht zum Vegetarianismus überredet und missioniert werden. Denn die Welt ist nicht nur gut und böse, schwarz und weiß, es gibt soviel dazwischen. Und auch ob das wirklich die ganze Wahrheit ist, keiner weiss es. Aber es ist eine Entscheidung, die jeder für sich selber treffen muss.

Und ach ja: Ich will nachher, bei der Geburtstagsfeier der liebsten Mutter dieser Welt, ohne schlechtes Gewissen mir ein richtig feines Schnitzel vom bayrischen Weiderind (oder so) bestellen können. Njam!

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8 Kommentare zu „Ein bisschen die Welt retten

  1. Kann ich vollständig unterschreiben!
    Niemand ist ein besserer Mensch, nur weil er Vegetarier ist und niemand ist ein schlechterer Mensch, nur weil er gern Fleisch ist.
    Mit dem Fleischkonsum halte ich es ähnlich. In Maßen und wenn, dann auf gar keinem Fall vom Billigdiscounter. Glücklicherweise habe ich in meinem Kochrepertoire auch eine ganze Reihe sehr leckerer fleischloser Rezepte, da muss ich mich überhaupt nicht kasteien und vermisse gar nichts. (Ich schreibe da absichtlich „fleischlos“, nicht „vegetarisch“, weil vegetarische Gerichte in meinen Augen welche sind, die in ihrer ursprünglichen Variante Fleisch enthalten, das hier aber weggelassen oder durch Ersatzprodukte ersetzt wird. Fleischlose Gerichte dagegen waren schon immer fleischlos, denn unsere Vorfahren konnten sich ja auch nicht jeden Tag ein Schnitzel leisten. )
    Viele Vegetarier übersehen bei ihren Vorwürfen an die Fleischesser leider, das auch Soja in riesigen Monokulturen in der Dritten Welt angebaut wird, das Sojaprodukte bis zum halbwegs appetitlich aussehenden Endergebnis eine Vielzahl hochindustrialisierter Produktionsschritte durchlaufen, die keineswegs alle in gerecht bezahlter und umweltfreundlicher Handarbeit vor sich gehen. Und das gerade in der Sojaproduktion mittlerweile schon sehr viele gentechnische Verfahren angewendet werden.
    Da halte ich es lieber mit dem Motto: Lieber etwas seltener etwas mehr Geld ausgeben und dafür mit Genuss verspeisen! Das beste Fleisch meines Lebens gab es übrigens früher, als meine Eltern eine kleine Landwirtschaft hatten und wir zwei oder dreimal im Jahr eines unserer Rinder schlachteten. Da kannte ich jedes Steak beim Vornamen, aber gerade deshalb und weil ich wusste, was die Tiere bei uns für ein feines Leben hatten, schmeckten sie köstlich!

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  2. Ich kann das auch nur unterschreiben. Ich gehe auch in einer Welt von Vegetariern unter, aber da geht es noch, weil diejenigen Fleisch einfach nicht mögen. Das ist dann wieder was anderes.
    aber auch den Rest. Irgendwie machen sich die Vollblutvegetarier zu wenig Gedanken darum.

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  3. Ich bin auch Fleischesserin und stehe dazu. Ich kaufe mein Fleisch meistens beim Bio-Schlachter und unterstütze somit keine europaweiten Tiertransporte und keine Massentierhaltung. Mich nervt es einfach oft, wenn Menschen, die das anders halten, mich missionieren wollen, wobei die Veganer da meistens besonders verbissen sind.
    Ich halte zumindest vegan zu leben auch für gesundheitsschädlich und hätte der liebe Gott gewollt, das wir kein Fleisch essen sollen, würden wir es schlicht nicht vertragen. Wir sind nunmal Allesfresser und ich denke, wenn man ein bißchen bewußt mit dem umgeht, was man zu sich nimmt, muß man auch kein schlechtes Gewissen haben.
    Ich ekel mich vor Tofu, allenfalls Seitan würde ich als Ersatz essen, aber ich esse weiter Fleisch und möchte weder bekehrt noch an den Pranger gestellt werden. Ich lasse ja auch die Vegetarier so sein, wie sie sind, ohne sie von was anderem überzeugen zu wollen.

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  4. Ich kann das nur unterschreiben. Ich esse gerne fleischlos, ich mag Fleisch nicht besonders, aber manchmal habe ich eben Hunger auf ein richtiges Steak und das will ich mir nicht verkneifen. Zum Glück gibt es hier in Down Under richtig gutes Fleisch und wir haben eine gute kleine Fleischerei hier um die Ecke. Ich habe tapfer allen Bekehrungsversuchen meiner Schwägerin widerstanden, die mir was von Tierseelen und so weiter erzählt hat. Einen Teilerfolg kann sie ja verbuchen: hier kommt kein Schwein und kein Geflügel mehr auf den Tisch, nur noch ein bißchen Rind – wobei wir uns glücklicherweise über die Haltung (noch) keine Gedanken machen müssen, nur über Hormone etc.

    Was ich bedenklich finde, ist, wie mit allen! Lebensmitteln herumgespielt wird. Genetisch veränderte Sojabohnen, genetisch manipulierte Tomaten, Massentierhaltung, Tierquälerei, Ausbeutung der dritten Welt – ich frage mich, ob das sein muß oder ob es nicht auch anders geht? Profit scheint der Lebensmittelindustrie alles zu sein, auf Kosten aller anderen.

    Ich versuche inzwischen, generell Fertigprodukten ganz aus dem Weg zu gehen, egal ob vegetarisch oder sonst was, ich mache z.B. auch meinen Joghurt selber (Inhaltstoffe hier: Zucker, Milchpulver, Gelantine, Verdicker, Geschmacksverstärker etc.pp – da vergeht einem der Appettit bei der Chemieplörre), vermeide Dosenfutter – außer bei Tomaten, gebe ich zu und kaufe mein Fleisch ein mal pro Woche beim Schlachter unseres Vertrauens und überlege, ob wir nicht ein paar eigene Hühner halten sollten, sollten wir doch mal aufs Land ziehen.

    Ich glaube, ich bin leicht am Thema vorbei, aber egal.

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  5. Bevor hier auf die Vegetarier mit ihren Sojaprodukten eingedrocschen wird: lt. Wi*ki: bei der Pressung entstehen 20% Öl und 80% Sojamehl. Von dem Mehl werden gerade mal 3% für die menschliche Ernährung eingesetzt, der Rest wird zu Viehfutter verarbeitet….
    Ich esse Fleisch und ich esse auch gerne Fleisch, aber beim selbstkochen verwende ich nur wenig Fleisch… Wenn ich mal einen eigenen Haushalt habe, werde ich hoffentlich nur selten Fleisch kaufen und wenn, dann bio… Leider ist es mit den männlichen Hälften so eine Crux, die ja uuuuuunbedingt ein Stück Fleisch brauchen…

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  6. Hihi! Meine männliche Hälfte ist was das angeht zum Glück recht genügsam. Hauptsache es macht satt und ist nicht zu stark gewürzt. 🙂

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  7. Lottea, es will hier ja keiner auf Vegetarier eindreschen. Ich wollte nur sagen, dass eben Vegetarier auch nicht mehr und nicht weniger „gut“ sind als Fleischfresser und nicht die einzig wahre Lösung zur Rettung der Welt erfunden haben, im Gegensatz zu dem, was in der Öffentlichkeit häufig behauptet wird. Eben weil z.B. auch die Produktion vegetarischer Lebensmittel sehr sehr viel Energie verbraucht: Aus Soja muss Tofu gemacht werden und aus Tofu muss ein Tofu-Schnitzel gemacht bzw. gepresst werden. Nichtsdestotrotz esse ich auch sehr gerne Tofu! Es ist nicht die einzige Wahrheit, sondern es gibt mehrere, vielleicht sogar viele Wahrheiten.

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  8. Die größten Gehirne unter allen Völkern der Welt haben die Eskimos.
    Die ernähren sich von Robbenfleisch, Walfleisch, Fisch – Pflanzen wachsen da ja nicht.

    Gut, ich verzichte deswegen nicht auf meinen geliebten Salat, aber mein Hirn ist mir lieb und teuer – das will gepflegt sein.

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