Fahrgaststrom

Heute ist Mittwoch, also musste ich heute nicht arbeiten. Das heisst allerdings auch Verzicht auf meinen Frühsport, den allmorgendlichen S-Bahn-Sprint. Im Herbst hab ich mal über dieses Problem mit den S-Bahnen, die auf verschiedenen Gleisen abfahren, geschrieben. Jetzt habe ich neulich durch Zufall in einer Kundenzeitschrift des hiesigen Nahverkehrsverbundes gelesen, warum das eigentlich so ist.

Sinngemäß ging es darum, dass sie bei Verspätungen und Unregelmäßigkeiten im Fahrplanablauf (so schönes Beamtendeutsch!!!) nicht anzeigen dürfen, auf welchem Gleis die nächste S-Bahn abfährt, weil dann sämtlliche wartenden Fahrgäste von einem Gleis auf das andere überlaufen würden und dieser Fahrgaststrom würde dann weitere Verspätungen mit sich ziehen.

Ich fand das zuerst ganz interessant und dachte mir „Oh schön, jetzt weiss ich wenigstens, warum ich jede Woche mindestens einmal einen Sprint aufs richtige Gleis einlege.“ Aber je länger darüber ich nachdenke, desto bescheuerter finde ich diese Begründung. Im Februar habe ich mindestens zweimal von weitem die auf dem anderen Gleis einfahrende S-Bahn gesehen und bin darauf von dem einem Gleis die Treppe runter, um die Ecke zur nächsten Treppe, die nächste Treppe runter, quer durch das Zwischengeschoss und die lange Treppe am anderen Ende wieder rauf bis zur wartenden S-Bahn gesprintet. Weil ich die S-Bahn erwischen musste, weil ich zur Arbeit musste. Ich habe es beide Male geschafft, aber sicherlich nicht ohne die S-Bahn ein paar Sekunden aufzuhälten. Einmal kassierte ich dafür eine verärgerte Lautsprecherdurchsage vom Lokführer, einmal schaffte ich es nur, weil mir ein junger Mann die Türe aufgehalten hat. Das wäre nicht passiert, wenn ich auch nur 2 bis 3 Minuten vor Einfahrt der S-Bahn Bescheid gewusst hätte und genug Zeit gehabt hätte, mich auf das richtige Gleis zu begeben.

Wenn man also weiß, welche S-Bahn als nächsten in einen Bahnhof einfährt – und das weiß man doch bestimmt (oder in 05% der Fälle), wenn die S-Bahn am vorigen Bahnhof abfährt, warum kann man dann nicht rechtzeitig, also zwei bis drei Minuten vorher, eine Durchsage oder eine Anzeige rauslassen, so dass die Menschen sich auf dem richtigen Gleis einfinden können? Das gäbe dann auch nach Adam Riese sicherlich weniger Verspätung als wenn alle erst in Panik losspurten, wenn sie die S-Bahn schon einfahren sehen. (Ha, soweit kann sogar die Ansku rechnen!)

Liebe Münchner Verkehrsbetriebe, eine Bitte: Wenn Ihr Euch das nächste Mal eine Ausrede Begründung einfallen lasst, dann macht Euch doch wenigstens die Mühe, Euch eine nachvollziehbare, oder sogar eine intelligente Ausrede Begründung einfallen zu lassen. Ich stehe wirklich sehr gerne in der Kälte und warte auf die S-Bahn, aber dann möchte ich bitte gerne auch einen triftigen Grund dafür haben!

Herzlichen Dank!

Eure treue Kundin

Frau Ansku

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s