C’est moi!

Französisch war bei mir immer so eine stiefmütterlich behandelte Sprache. Ich konnte mich nie besonders damit anfreunden, ich konnte es auch nie richtig aussprechen und kann es jetzt auch nicht gut und ich hatte noch nie wirklich Bezug zu Frankreich. Irgendwann hab ich mal ein paar Kurse Französisch gehabt, aber eher weil ich dachte, dass ich das brauche, als aus übermäßigem Interesse. Dementsprechen erbärmlich ist auch mein Wortschatz. Vor zwei Jahren machte ich einen Sprachkurs, um mein „Können“ etwas aufzufrischen, auf mittlerem Niveau. Ich mach es kurz: Die Schmach war groß, sehr groß, alleine schon dadurch dass sich in dem Kurs Leute befanden, die Französisch SPRECHEN konnten. Im Studium hab ich zwar viele einige Fachtexte auf Französisch gelesen, aber wer sich jetzt denkt: „Wow, die Frau Ansku, die muss das aber drauf haben.“, der irrt, denn ich verrate Ihnen jetzt ein kleines Geheimnis: Das Schöne an Fachtexten ist, dass sich das Vokabular in einem äußerst sehr beschränkten Rahmen hält. Ob ich Linguistik oder linguistique lese – nun das lässt sich doch durchaus mit viel Phantasie erraten, worum es hier geht, oder? 😉

Also kurz gesagt: Ich kann Französisch lesen, ich kann mit etwas Glück Französisch verstehen. Aber ich kann NICHT Französisch sprechen. Ich hatte ja auch nie jemanden, mit dem ich Französisch sprechen könnte.

Das hat sich heute mit einem Schlag geändert. Ich hatte, als ich mich im Herbst für gleich zwei VHS-Kurse angemeldet habe, nicht zuletzt auch im Sinn, diese als Plattform zu nutzen, umneue Kontakte zu knüpfen, schließlich will ich nicht bis ans Ende meines Lebens Single bleiben. Nun, das mit dem Nicht-mehr-Single-Dasein, das hat ja nun aus bestimmten Gründen nicht wirklich geklappt, dafür aber habe ich eine wunderbare und äußerst liebe Französin kennengelernt, die auch gleich spontan, als ich ihr erzählte, dass ich Französisch so gerne sprechen können würde, angeboten hat, sich mit mir zum Französisch reden zu treffen. Vor Weihnachten war zu stressig, also nach Weihnachten. Also nächste Woche. Also heute. Die Kälte und Glätte heute hätte es beileibe nicht gebraucht, mir ist auch so schon der A**** auf Grundeis gegangen. Hoffentlich habe ich den Mund nicht zu voll genommen und kriege wenigstens einen kompletten, verständlichen Satz raus!

Doch dann, wow, Leute, ich hier immer noch ganz geplättet. Ich hab mich knapp zwei Stunden größtenteils auf Französisch unterhalten. Nachdem wir anfangs noch so simple Dinge wie die Wochentage und un, deux, trois… wiederholen mussten, ging es immer besser und besser. Ich musste viele Wörter nachfragen, aber zwischendurch kamen auch tatsächlich ganze und ab und zu sogar korrekte Sätze dabei raus. Ich habe auf Französisch sogar über meine Arbeit erzählt. Dieser Schritt, eine fremde Sprache nicht mehr als Unterrichtsstoff zu sehen, sondern sie selber zu benutzen, sich ihrer Worte zu bedienen, er ist jedes Mal von neuem so faszinierend. Winzig klein und gleichzeitig schier unglaublich groß. Aber es fühlt sich grandios an, wenn man ihn einmal gemacht hat, sei es auch zögernd und stolpernd. Darauf kommt es nicht an, auf das Machen kommt es an.

Musste dabei sehr stark an sie denken, so ein ähnliches Erlebnis war das heute auch. Und so schön, da gleich dabei noch eine sehr nette neue Bekanntschaft gewonnen. Euh? Parler francais? Moi? Uh… Oui, c’est moi!!

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4 Kommentare zu „C’est moi!“

  1. Liebe Ansku,

    du bist für mich die Inkarnation (ich hatte mich erst vertippt und Inkarmation geschrieben, auch ein schönes Wort) eines Sprachwunders. 🙂 Immerhin kannst du Finnisch. Und du willst mir erzählen, dass du mit einer imVergleich zu Finnisch poblig einfachen Sprache wie Französisch Probleme hast???

    Na, zum Glück hast du deine Aussage relativiert. 😉

    Liebe Grüße, Kat (frankophil bis dorthinaus)

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  2. Ich verstehe das vollkommen. Französisch ist eine wunderschöne Sprache, aber man muss sie sprechen und hören, damit man sie lieben kann. Mein erstes Schuljahr in Französisch war eine einzige Quälerei. Im zweiten durften wir 3 Wochen auf Schüleraustausch nach Südfrankreich. Alle, die dabei waren, haben problemlos ihr Französisch Abi geschafft, auch wenn sie nicht gerade Sprachgenies waren.
    Es ist interessant, dass auch so eine Sprachbegabung wie du ihre Probleme mit dieser Sprache hatte. Die Sprache ist ja ziemlich logisch aufgebaut, hat feste Grammatik-Regeln, der Wortschatz ist nicht überwältigend groß und trotzdem erscheint sie schwierig.

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  3. Liebe Kat

    Falschrum: Finnisch ist die popelig leichte Sprache, weil es so schön logisch ist, weil (fast) alles nach klaren Regeln abläuft. Weil es z.B. nur ein einziges unregelmäßiges Verb gibt. Sorry, ich bin nun mal Sprachwissenschaftlerin, ich mag es, wenn ich nicht für eine Regel 20 Ausnahmen habe. Französisch ist die „schwere“ Sprache! 😉

    MuttivonEva: Wie schon zu Kat gesagt, hinter diese „vermeintliche Logik“ des Französischen bin ich noch nicht durchgestiegen, aber vielleicht gibt sich das ja noch, wenn ich jetzt mal regelmäßiger zum Sprechen komme. 🙂

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  4. Französisch empfand ich auch nie als schwer. Allerdings bekam ich es auch erst in der 10. Klasse, da ist man mental schon etwas anders eingestellt. Und ich hatte eine ganz klasse Lehrerin, die selber seeehr oft in F war und daher korrektes Französisch sprach. Tja, und daher habe ich dann doch glatt Französisch Leistungskurs genommen.

    Leider hab ich inzwischen sehr viel vergessen, was man nicht nutzt, versackt einfach zu schnell.

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