Silvesternacht

Ich laufe durch die Silvesternacht, von der Feier nach Hause, obwohl man das ja eigentlich nicht tun soll, alleine nachts durch die Straßen. Aber an Silvester ist das anders. Ich laufe durch die wilde, schwefelige und verrückte Silvesternacht und ich bin in einer anderen Welt. Selbst wenn es keinen Nebel gibt, die Rauchschwaden der Böller mit dem gelegentlichen Funkeln dazwischen zaubern eine Atmosphäre wie aus einer anderen Welt, die man sonst nur im Fernsehen sieht. Es ist ein Übergang, eine unwirkliche Welt, denke ich, während ich durch die Rauchschwaden gehe. Eine Übergangswelt, die das Alte vergessen macht und langsam das Kommende langsam weich vorzeichnet. Überall blitzt und funkelt es, die Verheißung von etwas Großartigem, Neuen. Ich muss ständig den Kopf verrenken, um auch ja keine Rakete zu verpassen, um mit jedem Strahlen am Himmel das neue Jahr zu begrüßen und es willkommen zu heissen, das langerwartete, ersehnte!

Es ist niemals still in dieser Nacht, irgendwo in der Ferne hört man immer Lachen, Stimmen, erwartungsvolle Fröhlichkeit, und man lächelt in sich hinein und lasst sich ein bisschen von dieser ungeheuren Spannung und der Freude mitreissen. Das Krachen der Böller (auch wenn ich das nicht so sehr mag) verkündet, dass es jetzt soweit ist, dass nur ein kleiner Zeiger sich wie ein Paukenschlag um eine Sekunde vorbewegte und jetzt plötzlich alles anders und doch wieder ganz genau gleich ist. Und der altbekannte Geruch von Schwefel steigt in die Nase und lässt wage, unsortierte, durcheinanderwirbelnde Erinnerungen hochkommen. Wo war ich letztes Jahr um diese Zeit, wer war ich, war ich naiver, klüger, weitsichtiger und ach! Wie viel ist dazwischen, zwischen diesen zwei Silvesternächten passiert! Ich laufe weiter, kaum ein Auto ist unterwegs, die Stadt ist eine andere in dieser Nacht, sie gehört der Freude und der Erwartung.

Irgendwann im Laufe des Vormittags bin ich angekommen, aufgetaucht aus der unwirklichen Welt und angekommen im noch so zarten, noch reinen, frischen neuen Jahr. Sie hat das auch so schön beschreiben.

Und neben all dem Wirbel, ganz heimlich still und leise, merke ich, dass das so schön und so wichtig ist, dass ich diese andere Welt brauche, um ankommen zu können, um zu begreifen, dass das Alte vorbei und das Neue noch so frisch ist.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s