Dinge gibt’s…

Wenn das Büro in der Privatvilla vom Chef ist, dann kann es schon mal passieren, dass man zur Arbeit kommt und plötzlich vor verschlossenen Türen steht.

So geschehen heute morgen. Der Plan war extra früh zu kommen und dafür auch eine halbe Stunde früher zu gehen, DENN immerhin erwartete mich heute nachmittag mein Zweitjob und ein kleiner Rest Besuchsputz, noch eine Menge Kleinkram und dies und das, was erledigt werden möchte. Also stand ich statt um 9 Uhr immerhin um kurz nach halb 9 vor der Haustür und klingelte. Als keiner öffnete, dachte ich noch, die Frau des Chefs bringt schnell die Kinder zur Schule und kauft noch schnell was ein oder so ähnlich. Leider öffnete um 9 Uhr immer noch niemand die Tür, ebensowenig um 9.15 Uhr. Der Chef war in London und auch per Handy nicht erreichbar. Das Problem an der Sache war, dass ich heute mein erstes selbstorganisiertes „meeting“ 😉 hatte, eine Dame von einer Personalvermittlung wollte um 10 Uhr kommen. Als es langsam auf 9.30 Uhr zuging und ich immer noch (bei strahlendem Sonnenschein und 15 Grad immerhin nicht unangenehm, dafür leider mit voller Blase) vor der Haustür stand, rief ich den weltbesten Vater an und bat ihn, mir im Internet die Nummer der Dame herauszusuchen. Natürlich zu spät, sie war bereits nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz. Dennoch regten sich in mir leise Hoffnungen, dass das Treffen nicht zustande kommen würde und ich, wenn weiterhin keiner im Haus anzutreffen ist, ja doch vielleicht gehen könnte.

Also wartete ich und wenige Minuten nach 10 Uhr betrat tatsächlich eine junge Dame, kaum älter als ich das Grundstück. Sie fragte mich dann, ob wir nicht auch das bei einem Kaffee besprechen könnten, sie könnte mir ja die Arbeitsweise der Personalvermittlung auch in einem Café erklären. Notgedrungen willigte ich ein und wir machten uns auf die Suche nach einem Café. Das Gespräch selber dauerte nicht lange, in etwa so lange wie die Suche nach einem Café in einem Münchner Vorort auch deshalb, weil ich nur sehr lückenhaft Auskunft geben konnte, was genau wir suchen, nur was wir NICHT suchen. 😉

Da das Auto der Dame aber immer noch vor dem Haus des Chefs stand, begleitete ich sie zurück. Gerne hätte ich mich einfach an der Abzweigung zur S-Bahn-Haltestelle verabschiedet, aber das wäre irgendwie zu peinlich gewesen und so ging ich nochmal zum Haus zurück, wo ich dann ganz zufällig vor dem Haus die Frau des Chefs antraf. Sie entschuldigte sich auch mehrmals, dass ich vor verschlossenen Türen gestanden hatte. Die Ursache des Ganzen war, dass sie dachte, dass ich jeden Tag um 8 Uhr anfange und um 8.20 Uhr, als ich nicht da war, das Haus verlassen hatte.

Also ging ich wohl oder übel hoch ins Büro. Inzwischen war es fast 11 Uhr und ich hatte den festen Vorsatz, trotzdem früher zu gehen, weil ich ja auch früher gekommen war und meine Schuld war diese Verzögerung nicht. Im Gegenteil, ich finde es sehr sehr nett von mir, dass ich über eine Stunde dort gewartet habe. Ich erledigte also peu a peu meine Aufgaben, besonders viel war es heute nicht einmal. Ich fing an, die Minuten zu zählen…

Und jetzt raten Sie mal, was passierte: Genau, wenige Minuten vor 12 Uhr rief mein Chef aus London an.

„Frau Ansku, können Sie mal bitte meinen Boarding Pass ausdrucken und nach London faxen. Und wenn Sie schon dabei sind, dann können Sie auch gleich noch den Terminkalender für meine Meetings heute mit folgenden Adressen (…*diktiert Adressen*…) aktualisieren und ebenfalls faxen. Außerdem muss ich noch wissen, wie ich zum nächsten Meeting komme, welche U-Bahn-Station ist da die nächste? Die Faxnummer ist 0044-123455677 und bitte verwenden Sie ein ausgefülltes „cover sheet“! Was ist mit dem Termin mit meinem Bewerber heute um 17 Uhr? Noch keine Bestätigung da? (nach längerem Suchen findet selbige sich um Posteingang des Chefs) Rufen Sie den an und klären Sie, wo wir uns treffen. Wie, Sie erreichen den nicht? Dann schreiben Sie ihm eine Email und eine SMS…“

Gegangen bin ich dann 20 Minuten später als meine eigentliche Arbeitszeit endet, 13.20 Uhr.

So ein verrückter Tag. Ich bin wohl eindeutig zu nett und zu pflichtbewusst, aber dafür weiss ich jetzt: Früher ins Büro zu gehen um schneller fertig zu werden lohnt sich nicht. Es sei denn, man ist scharf darauf, genau die Zeit, die man früher gehen wollte, an die eigentliche Arbeitszeit dranzuhängen. 😉

Morgen um 9 Uhr und keine Minute früher. Vielleicht steigen damit auch meine Chancen, pünktlich den Besuch empfangen zu können.

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2 Kommentare zu „Dinge gibt’s…“

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