Bestätigung

Auch wenn es vermutlich hier schon weithin bekannt sein dürfte, für’s Protokoll hier nochmal: Ich liebe die Musik Shakira, über alle Maßen. Ich liebe sie für vor allem für ihre wunderbaren, poetischen Texte. Und obwohl ich ja eigentlich von der ersten neuen Single aus dem neuen Album nicht wirklich viel hielt und die zweite Single ganz hörbar, aber beileibe nicht mit Shakiras früheren Werken vergleichbar fand, kam es dann plötzlich vor etwa eineinhalb Wochen auf der Homepage eines namenhaften Internetversandes zu unkontrollierbaren Zuckungen in meinem rechten Zeigefinger und wenige Klicks Tage später flatterte das neueste Werk von Frau Shakira hier ins Haus.

Die Enttäuschung in den ersten paar Tagen war groß, inzwischen nach einer Woche habe ich mich wohl so sehr daran gewöhnt, dass ich den meisten Liedern etwas abgewinnen kann, jedoch so richtig Dauerbrenner-Ohrwurm-Stimmung wie bei den letzten Alben kam bisher noch nicht auf. Tanzbar sind die meisten Songs, das kommt mir sehr entgegen, ich mag es momentan lieber etwas bunter, schneller und bewegter. Mit dem „tanzbar“ kam aber leider auch sehr viel Einfluss aus der internationalen Musikwelt einher, einige Lieder klingen schon sehr nach Beyoncé und der ganzen bekannten R&B – Riege. Das widerum ging natürlich teilweise – nicht komplett, aber öfters – auf Kosten von Shakiras individueller Mischung aus lateinamerikanischen, arabischen und Rockeinflüssen.

Und zu meiner allergrößten Enttäuschung suche ich auch weitest gehend vergeblich nach Vergleichbarem mit ihren früheren Texten, die in so schönen Worten so perfekt Gefühle ausdrucken konnten. In den Genuss dieser Texte kommt man am ehesten, wenn man ihre alten Songs aus den Anfängen ihrer Karriere anhört, ich kann da z.B. „Grandes Exitos“ (Große Erfolge) empfehlen. Die zwei englischsprachigen Alben „Laundry Service“ und „Oral Fixation Vol.2“ sind zwar auch sehr nett anzuhören und textlich durchaus gut gemacht, sind aber dennoch nicht wirklich gleichwertig wie die früheren spanischen.

Ein Vergleich:

Antologia

para amarte necesito una razon
y es dificil creer que no exista
una mas que este amor
(…)
y aprendi a quitarle al tiempo
los segundos tu mi hiciste
ver el cielo aun mas profundo junto
a ti creo que aumente mas de
3 kilos con tus tantos
dulces besos repartidos
dessarollaste mi sentido
del olfato y fue por ti que
aprendi a querer los gatos
(…)
pero olvidaste una final
instruccion porque aun
no se como vivir sin tu amor

Übersetzung (frei nach Frau Ansku):

Um Dich zu lieben brauche ich einen Grund

und es ist schwer zu glauben, dass da noch ein anderer

existieren sollte als diese Liebe

(…)

und ich habe gelernt, mir von der Zeit die Sekunden zu nehmen,

Du hast mich dazu gebracht, in die Tiefen des Himmels zu sehen.

Gemeinsam mit Dir habe ich glaube ich drei Kilo zugenommen mit Deinen

ständigen süßen Küssen.

Du hast meinen Sinn für Parfüm entwickelt

und es war für Dich,

dass ich gelernt habe Katzen zu lieben.

(…)

Aber Du hast eine finale Anweisung vergessen, weil

ich immer noch nicht weiss, wie man ohne Deine Liebe leben soll.

Auf Spanisch klingt das ganz noch etwas poetischer als auf Deutsch, das mag aber auch an meiner Übersetzung liegen. 😉 Aber auch auf Laundry Service findet man noch solche bilderreichen Texte, z.B. in Poem to a horse

(…)

I’ll leave again
Cuz I’ve been waiting in vain
But you’re so in love with yourself
If I say my heart is sore
Sounds like a cheap metaphor
So I won’t repeat it no more

I’d rather eat my soup with a fork
Or drive a cab in New York
Cuz to talk to you is harder work
So what’s the point of wasting all my words
If it’s just the same or even worse
Than reading poems to a horse

(…)

Die neue Platte dagegen hält sich mit Platitüden, Allgemeinplätzen und vom Sinn her bereits 1000 mal in der Popwelt geschmachteten Zeilen wie „Let’s get physical.“, „Something’s coming on, coming on strong / Don’t take too long / Don’t you wanna know / Baby come home.“ oder „One more / Night with you / I won’t / Think it through / Time’s money / But you knew / Nothing in the world / You can think of / That I won’t do to you.“ nicht zurück. Ein Beispiel:

„Good stuff“

Tell me all your wishes
I am here to make them true, don’t wonder
You don’t have to rub a lamp
‚Cause I’ll take care of you

Nobody knows, nobody knows
Nobody knows, nobody knows

Tell me what you think I’m one of your kind
You know a girl like me is difficult to find
I bet you’ve never seen nothing like this before
I bet you’ve never met someone who loved you more

You know that I’m a witch and I can read your mind boy
Where do I have to sign
I’m on a board

Schöne Texte gibt es, gelegentlich, aber man muss sie suchen. Das, was von allem meiner Meinung nach textlich und musikalisch noch am ehesten von allem an die frühere Shakira herankommt und Frau Ansku regelmäßig zum Mithüpfen veranlässt, ist „Mon amour“

Und noch etwas fällt auf: An manchen Stellen merkt man bei „Whenever, whatever“ deutlich, dass der Song eigentlich auf die spanische Version „Suerte“ (Glück) zugeschnitten war, der Rythmus, der Klang, alles passte viel besser zu „Suerte“, man merkte dass Frau Shakira in ihre eigenen Muttersprache, in der sie sich sicher fühlte sang und nach ein paar Mal Hören der Originalversion war eigentlich klar, dass „Whenever, whatever“ eine auf den Song angepasste Übersetzung war. Es gibt für mein Gehör immer wieder kleine Haken im Rythmus oder im Text. Einen direkten Vergleich und eine kleinen Ahnung, was ich meine, bekommt man vielleicht hier bei diesem Experiment. Auf dem neuen Album sind von den zwei Singles „She Wolf“ und „Did it again“ und einem weiteren Song („Why wait“) die spanischen Versionen enthalten und als ich die entdeckte und freudig-erwartungsvoll anhörte, wurde ich derbe enttäuscht: „Lobo“ (Wolf) und „Lo hecho está hecho“ (Das Getane ist getan.) passen für mein Gefühl irgendwie so gar nicht zur Musik, der Text hört sich an wie auf einem anderen Band als die Musik: Manchmal habe ich das Gefühl, die Silbenanzahl einer Liedzeile passt aber gar nicht zum Takt oder ich habe das Gefühl, es wird absichtlich ein anderes Wort verwendet, um den Rythmus passender zu machen, nicht so wie früher, wo eigentlich jedes Wort an der Stelle wo es war passte.

Ich bin natürlich kein Musikexperte und kann das alles nicht beweisen, aber ich war jetzt schon einige Male beim Hören der CD etwas irritiert von den Übersetzungen und meinte, mich verhört zu haben. (Vielleicht macht es manchmal etwas aus, was man zuerst hört? Aber eigentlich habe ich bei allen dieser Songs zuerst die englische Version gehört.)

So, jetzt sitz ich hier mit meinem neuen Album und muss mir eingestehen, dass sowas wie früher wohl doch nicht mehr kommt und dass manche Dinge einfach nicht oder nur sehr bedingt wiederholbar sind. Ich wollte es vorher nicht glauben, also musste ich mich selber davon überzeugen, nur blöd, dass der Spass mich gleich 12,99 Eur gekostet hat. Schade.

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