Vor dem Supermarkt

Vorhin wollte ich auf dem Heimweg noch schnell eine Kleinigkeit vom Supermarkt holen. Es war gegen 19 Uhr und bereits dunkel, als ich auf den Supermarkt zulief. Einige Menschen strömten ebenfalls in den Supermarkt und erledigten ihren Feierabendeinkauf, an einer Säule kauerte ein Mann mit viel Gepäck und mittendrin vor dem Supermarkt standen zwei Kinder alleine, ein Junge in einem Buggy und ein Mädchen auf einem Fahrrad. Als ich näherkam, bemerkte ich, dass das Mädchen lauthals weinte. Ich sah genauer hin und konnte keine Mutter dazu entdecken, ich sah mich um, und konnte immer noch keine Mutter entdecken und auch niemanden sonst, der sich für die Kinder zu interessieren schien. Zunächst war ich völlig erstaunt über dieses Bild, sah mich nocheinmal um, die Mutter war immer noch nicht zu finden und so ging ich zu den Kindern hin, ging in die Hocke und fragte das Mädchen, ob sie auf ihre Mama wartete und als die Kleine dies bejahte, fragte ich, ob die Mama im Supermarkt ist. Als das Mädchen dies abermals bejahte, erklärte ich ihr, dass die Mama sicherlich gleich wiederkommt und fragte sie, ob sie möchte, dass ich so lange dableibe und mit ihr auf die Mama warte. Auf mein Angebot hin beruhigte sich die Kleine augenblicklich, hörte auf zu schluchzen und wir fingen an, uns sehr nett zu unterhalten. Ich erfuhr, wie alt sie (4) und ihr kleiner Bruder (2) sind und wie die beiden heißen. Der kleine Bruder, der bis dahin bemerkenswert still und cool in seinem Buggy gesessen hatte, schleuderte mir, als ich auch ihn begrüßte, ein fröhliches „Hi, ich bin der C.!“ entgegen, so dass ich herzhaft lachen musste. Beide Kinder fingen sofort sehr vertrauensvoll an, mir zu erzählen, dass die große Schwester schon in den Kindergarten geht und das Mädchen zeigte mir irgendein Buch/ eine DVD – so genau konnte ich das in der Dunkelheit nicht erkennen – dass sie auf dem Gepäckträger ihres Fahrrads mit sich herumfuhr.

Schließlich, nach knapp fünf Minuten, kam die Mutter wieder mit ein paar kleinen Einkäufen in der Hand. Ich erklärte ihr, dass ihre Tochter ziemlich arg geweint hatte und dass ich solange bei den Kindern geblieben war. Die Mutter bedankte sich bei mir, machte aber ansonsten keine Anstalten, noch ein weiteres Wort mit mir zu wechseln oder die Situation noch weiter zu klären und begann für die Kinder die beiden Apfelsaftflaschen, die sie aus dem Supermarkt mitgebracht hatte, zu öffnen. Also verabschiedete ich mich von den Kindern und von der Mutter und ging.

Nennt mich spiessig oder wie auch immer, aber ich find das irgendwie schlimm. Mir käme niemals im Leben in den Sinn, ein kleines Kind alleine vor dem Supermarkt stehen zu lassen, auch nicht „nur fünf Minuten“. Ich weiß nicht genau, wie das Zeitempfinden von 2- und 4-jährigen Kindern ist, aber ich vermute mal stark, dass es da relativ wenig Vorstellung von „nur mal fünf Minuten“ gibt, für Kinder vergeht die Zeit ja meistens viel langsamer als für uns. Nicht nur das, es gibt ja auch Leute, die bleiben nicht bei den Kindern um auf die Mutter zu warten, sondern die nehmen die Kinder mal eben mit!

Gibt mir zu denken, das Ganze.

12 Kommentare zu „Vor dem Supermarkt“

  1. Du bist ein wunderbarer Mensch.

    Ich hätte es wohl ebenso gemacht.

    Und ich würde auch nie auf die Idee kommen meine Kinder vor dem Supermarkt allein zu lassen, egal wie lange.
    Und dann auch noch wenn sie erst 4 und 2 sind.
    Da wird mir auch gleich ganz anders….

    Hast Du toll gemacht.

    Liebe Grüße

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  2. das ist ja furchtbar. wie kann eine mutter nur so verantwortungslos handeln? ich kann das immer einfach nicht verstehen.
    was da alles hätte passieren können. gut für die zwei, daß du dort vorbeigekommen bist!

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  3. Hm. In letzter Zeit gabs hier öfter Situationen wo ich (oder auch jemand anderes) über etwas geurteilt hat und sich später herausstellte, dass es dafür eine plausible Erklärung gegeben hat. Im ersten Augenblick finde ich die Situation auch befremdlich, keine Frage, aber selbst wenn sie dir nicht erklärt hat, wie es dazu kam, kann es trotzdem sein, dass es einen gab. Immerhin hat sie sich bei dir bedankt und dir nicht vorgeworfen, dass du fremde Kindern ansprichst. Das ist schon was…

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  4. @ Agi: Ja, sowas hab ich mir auch schon gedacht. Das war auch nicht so gemeint, um die Mutter zu verurteilen, aber ich fand und finde das Ganze halt sehr komisch und es gibt mir zu denken.
    Ja, vermutlich muss man heutzutage dankbar sein, dass einem nicht vorgeworfen wird, fremde Kinder anzusprechen.

    @ Kathy und Fräulein Pappnase: Danke, Ihr macht mich ganz verlegen. 🙂

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  5. Dann bin ich auch spießig… ich finde das Verhalten der Mutter unmöglich. Die Kleinen hatten dennoch Glück, das sie Dir begegnet sind. Aber wie Du schon schreibst, das hätte auch jemand sein können, der es nicht so gut mit den Kindern gemeint hätte und ich verstehe die Mutter nicht.

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  6. man kann kinder doch auch mal alleine lassen, ich glaube das ist sogar wichtig, damit sie lernen auch mal auf sich gestellt zu sein. meine eltern haben mich früher rund um die uhr betüdelt, sodass sie dann sogar nachts bis ich eingeschlafen war, alle halbe std nach mir schauen mussten, weil ich sonst angst bekam….
    und was soll in den 5min vorm supermarkt schon passieren? ich find das ehrlich gesagt nicht so dramatisch, außerdem war die mutter doch drin um extra was für ihre kinder zu kaufen – ich finds nicht richtig wenn man ihr jetzt vorwürfe macht.

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  7. Das war mir klar, dass jetzt eine Diskussion losbricht, ob man Kinder alleine vor dem Supermarkt stehen lassen sollte oder nicht. Ich bin prinzipiell natürlich auch der Meinung, dass Kinder irgendwann auch mal selbstständig werden sollten und durchaus auch alleine bleiben sollten. Irgendwann ja, aber noch nicht mit 2 bzw. 4 Jahren, wo die Kinder die Situation noch gar nicht richtig einschätzen können, wo sie durchaus auch mal gerne stiften gehen, wenn es langweilig wird, wo sie noch nicht einschätzen können, ob der/ die Fremde, die da vorbeikommt, ihnen etwas Böses oder etwas Gutes will usw. usw. wie bereits in den vorherigen Kommentaren diskutiert. Deshalb bin ich wie die meisten Kommentatoren hier auch der Meinung, dass es ziemlich unverantwortlich ist, SO kleine Kinder vorm Supermarkt stehen zu lassen. (Wie bereits bei Agis Kommentar angemerkt, mit der Einschränkung, dass sich mir die Situation so dargestellt hat und dass ich die wahren Hintergründe nicht kenne.)

    Später mit 10, 8 oder vielleicht auch 6 Jahren ist das eine ganz andere Sache, mal kurz alleine zu bleiben und sicherlich auch positiv für die Selbstständigkeit der Kinder, aber das ist einfach zu früh. Und außerdem, warum weinte das Mädchen dann so ängstlich, wenn es das normalste von der Welt sein soll, seine Kinder vorm Supermarkt stehen zu lassen? Dass die Mutter etwas für die Kinder gekauft hat, hat meiner Ansicht nach herzlich wenig mit der Situation zu tun und macht das Ganze nicht sehr viel besser.

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  8. Also, mir wäre es nie in den Sinn gekommen, mein Kind vorm Supermarkt „zu parken“. Schon gar nicht mit 2 oder 4 und auch später nicht. Und nicht Jede/r ist DU, die sich nur nett mit den Kindern unterhält und mit ihnen auf die Mutter wartet. Ich hab da partout kein Verständnis für. Nennt mich panisch, aber dafür passiert in unserem Land einfach zu viel. Und selbständig wird ein Kind für mich nicht, wenn ich es allein vorm Supermarkt warten lasse. (wieso denke ich gerade an dort wartende Hunde???) Boah, bei der Geschichte krieg ich bissi Hals!

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  9. Meine Freundin erwähnte heute auch etwas von angebundenen Hunden, als ich ihr davon erzählte. Du bist also nicht alleine, Tine. Mir geht es da genauso wie Dir, ich krieg da nicht nur ein bissi Hals.

    Das einzige, was ich mir nach einigem Nachdenken heute vielleicht vorstellen könnte ist, dass es eine kulturelle Sache ist. Die Frau sprach mit ihren Kindern eine andere Sprache und alle sahen auch etwas dunkelhäutig (arabisch? indisch?) aus und manchmal gibt es dass ja auch, dass Dinge die wir hier absolut verurteilen, in einem anderen Land selbstverständlich sind, eben z.B. weil die Kinder in südlichen Ländern viel mehr draußen auf der Straße, bei den Großeltern oder bei den Nachbarn spielen. Aber solche Themen sind halt immer sehr sensibel, da müsste mal vorsichtig jemand mit der Frau sprechen und ihr erklären, dass so etwas hier in Deutschland eben gefährlich ist und böse ausgehen kann.

    (Herzlich willkommen hier, übrigens!)

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  10. Ich kann mir auch zu allem anderen wirklich überhaupt keinen Grund vorstellen, warum man seine so kleinen Kinder nicht mit in den Supermarkt nehmen wollen könnte. Völlig unverständlich.
    (Ich bin als Kind auch nicht rund um die Uhr von vorne bis hinten betüddelt worden, aber Kleinkinder alleine vor einem Geschäft stehen lassen? Hallo?)

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  11. Ganz ehrlich? Ich glaube nicht, dass unseren Kindern heute mehr zustößt als. Dass sie mehr entführt oder misshandelt werden. Ich glaube, dass wir nur viel mehr durch die Medien davon mitbekommen. Deshalb habe ich auch nicht so eine Angst um meine Kinder. Ich würde nicht meine 4jährige auf ein zweijähriges Kind aufpassen lassen, erst Recht nicht vor einem Supermarkt, aber da die Frau offensichtlich aus einem anderen Kulturkreis kommt, erschreckt es mich auch nicht. Ich würde meine Große Tochter auch alleine vor einem Laden warten lassen, wenn sie das will. Vielleicht hat die Mutter die Kinder auch draußen warten lassen, weil die Kleine ihr Fahrrad nicht mit hinein nehmen sollte und sie es nicht hätten anschließen können. Egal, man weiß es nicht. Ich finde es aber sehr nett von dir, dass du mit den Kindern gewartet hast.

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