Wie alles begann

Vor ca. sieben Jahren um diese Zeit sass ich ebenfalls zu Hause und wusste nicht, was ich vom Leben wollte, welchen Beruf ich mal ausüben wollte geschweige denn ob ich studieren wollte oder nicht. Ich war frischgebackene Abiturientin und eigentlich wollte ich ersteinmal nichts wie weg von den ewigen Mühlen des Lernens. Meine Mutter hatte mich jedoch bereits eine Woche nach meiner letzten Abiprüfung gezwungen, zu allen Münchner Unis und Fachhochschulen zu gehen und mir Listen geben zu lassen, welche Fächer man dort studieren kann, zu diesem Zeitpunkt habe ich sie dafür verflucht – was interessiert mich eine Woche nach dem Abi die Uni? –  später war ich ihr noch sehr dankbar dafür.  Halbherzig habe ich auch mal in die Listen reingesehen und kurz überlegt, Chemie oder BWL oder Geschichte oder… zu studieren, dann aber wollte ich doch lieber „ins richtige Arbeitsleben schnuppern“ und hatte halbherzig ein paar Bewerbungen an PR- und Marketing-Agenturen geschickt (der Traum aller kleinen Mädels 😉 – kreativ sein, „irgendwas mit Werbung, irgendwas mit Design“), leider (oder gottseidank?) ohne Erfolg. In erster Linie aber, genoss ich lieber den fabelhaften Sommer 2002, statt mir Sorgen um meine Zukunft zu machen. Außerdem wusste ich einfach nicht, was ich will, so sehr ich auch darüber nachdachte – damals wie heute.

Nach jedem Sommer aber kommt der Herbst, die Schule fing wieder an – ohne mich, die Freunde begannen zu studieren – und plötzlich bekam ich Torschlusspanik. Nachdem ich Mitte September immer noch ohne Job dastand, holte ich auf einmal plötzlich doch wieder die Uni-Listen heraus, ich könnte ja mal schauen, ob nicht doch etwas interessantes dabei ist. Ich setzte mich auf den Boden meines Zimmers und fing an wegzustreichen. Ich strich zunächst alles durch, was nicht in frage kam:

Chemie, Physik, Biologie

BWL/ VWL

Germanistik, Anglistik, Orientalistik

Da plötzlich fiel mein Blick auf ein Fach ganz am Anfang der Liste: Allgemeine Sprachwissenschaft. Das hörte sich schoneinmal ziemlich gut an, nicht sich für eine Sprache entscheiden zu müssen, sondern allgemein Sprache und ganz viele Sprachen zu studieren. Könnte das vielleicht…?

Übrig auf meiner Liste blieben dann zum Schluss

Allgemeine Sprachwissenschaft

Geschichte

Soziologie

Das war’s dann. Ich fand alle drei Fächer gut und wollte am liebsten alle drei Fächer studieren, daher schied Soziologie aber als Hauptfach aus, weil es ein Diplomstudiengang ist und man nur (eingeschränkt) ein Nebenfach hat. Ebenso schied Geschichte aus, weil man dann ein zweites geschichtliches Nebenfach nehmen muss und weil mich mein Lehrer so davor gewarnt hatte. („Ja, was willst Du denn mit Geschichte anfangen? Im Museum wird alle 10 Jahre mal ein Job frei!“), als blieb nur noch Sprachwissenschaft als mögliches Hauptfach übrig und dank dem Magisterstudiengang könnte ich die beiden anderen Fächer dann als Nebenfächer behalten. Gesagt, getan. Ich hatte zwar keine Vorstellung von diesem exotischen Fach, aber „irgendwas mit Sprachen“ wird schon zu etwas gut sein. Ich holte mir ein paar mehr Informationen und gerade einmal zwei Wochen später war ich eingeschriebene Studentin.

So kam das mit der Sprachwissenschaft. Und wenige Monate später sass ich in einem Kurs und plötzlich fiel mir – als ob ich es noch nie gewusst hätte – ein, dass mich Sprachgeschichte und so was ja schon in der Schule, im Griechischunterricht immer so fasziniert hatte. Dass ich in der Schule die war, die sich mit Begeisterung mich auf jedes neue Fremdwort gestürzt hatte, welches ich aus dem Lateinischen ableiten konnte. (Klein-Ansku: „Ach, und Audio kommt dann von lat. audire ‚hören‘, nicht wahr???“) und dass ich die war, die mit dem Lehrer im Griechisch-LK über die regelmäßigen Vokalwechsel im ionischen Dialekt usw. diskutiert hatte und ich musste lächeln und dachte, dass das dann ja so völlig bewusst unbewusst schon die richtige Wahl war.

Und denke das heute immer noch. Dass es eine der besten Entscheidungen war, die ich in meinem Leben getroffen habe.

Ich schreibe das auf, weil mir diese Situation beim Schreiben einer Email an eine Freundin in Finnland neulich eingefallen ist und weil ich erkannte, WIE ÄHNLICH die Situationen damals und heute sind. Ich sollte also vielleicht mal eine Liste schreiben… 😉

Ein Gedanke zu „Wie alles begann“

  1. Das lief zwar bei mir ein wenig kurvenreicher, aber mir ging es auch so: so genau wußte ich nicht, was ich wollte, aber als ich dann angefangen habe zu studieren, hatte ich dieses Gefühl im Bauch: genau das ist es, was du machen willst, das ist schon richtig so, egal, wie die Jobaussichten mal sein werden. Studium war wirklich die beste Entscheidung und die beste Zeit meines Lebens 🙂
    Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es allen denen geht, die nur studieren, um Karriere zu machen und nicht, weil sie wissen wollen, weil sie interessiert sind.

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