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Heute war die letzte Stunde mit meinem Finnischschüler, ab Freitag geht es für ihn in den hohen Norden. Ich bin sehr stolz, dass er trotz einiger Schwierigkeiten bereits kleine Dialoge zur Begrüßung und um sich vorstellen führen kann und dass er – zumindest ansatzweise – die Zahlen verstehen kann. Das wollte er unbedingt, weil er Musiker ist und im Orchester die Ansagen des Dirigenten verstehen muss. Für die kurze Zeit, die wir hatten und dafür, dass er nicht wirklich gewohnt ist, mit Fremdsprachen umzugehen, finde ich das sehr gut. Gerade in der letzten Woche gab es immer wieder kleine Fortschritte und Verknüpfungen, die sich einstellten. Jetzt bin ich fast ein wenig traurig, dass es „schon“ vorbei ist.

Für mich bin ich sehr dankbar für diese Erfahrung, hab ich doch eine Menge dazugelernt in Punkto eigene übertriebene Erwartungen zurückstecken. sich in Geduld zu üben – auch wenn derselbe Text 100 mal gelesen werden muss, bis er hängen bleibt – und ich habe gelernt, mich ganz auf die Bedürfnisse meines Schülers einzustellen. Ich habe gelernt, mich in einen Kopf hineinzudenken, der anders denkt und lernt als meiner: Er lernt viel über Hören und merkt sich einzelne Sätze und Phrasen, ich lerne viel über Sehen und Schreiben und lerne das System strukturiert, aus diesem System kann ich mir dann per Baukasten meine Sätze zusammenbasteln. Gerade bei Finnisch funktioniert das hervorragend, Finnisch ist für mich – so wie ich es gelernt habe – ein spannender bunter Baukasten, die Funktion der einzelnen Teile kenne ich und suche mir nach gewissen Regeln die richtigen, zusammenpassenden aus und fertig ist ein kompletter Satz. Aber nicht jeder hat Linguistik studiert, nicht jeder denkt so wie ich und andere Menschen lernen anders als ich. Wie also kann man jemandem einen Baukasten erklären oder sogar die Funktion der einzelnen Bauklötzchen, wenn die Person gar nicht weiß/ gar nicht nachvollziehen kann, dass es sich um einen Baukasten handelt???

Nicht, dass ich diese Dinge nicht vorher schon gewusst hätte, aber jetzt war ich zum ersten Mal wirklich, live und am lebendigen VersuchsObjekt gezwungen, mich in einen anderen Kopf hineinzudenken und dessen Bedürfnisse zu erkennen, das war sehr spannend und sehr lehrreich, auch für mich als Lehrerin! In dieser Hinsicht hatte ich aber auch wirklich einen dankbaren Schüler, der oftmals „Stop“ gesagt hat, wenn ich zuviel Zusatzinformationen anbringen wollte, der seine Bedürfnisse kannte und auch formulieren konnte. Das hat man nicht jeden Tag!

2 Kommentare zu „.“

  1. Supi! Das klingt toll! Das beste ist immer, wenn man auch selbst was lernt. Auch Unterrichten ist ein ständiger Verbesserungsprozess, sehr oft auch nach der Try-and-Error-Methode. 😉
    Ich habe im Studium ja überwiegens Pädagogik gehabt und da lernt man auch, wie andere Lernen, bzw. sich in andere hinein zu denken und verschiedene Lösungswege anzubieten. In der Hinsicht habe ich einen Vorteil. Dennoch habe ich das Problem, dass ich meinen Perfektionismus gerne mal auf andere übertrage und da muss ich mich selbst stoppen und mir das in Erinnerung rufen. Jeder ist nunmal anders, und hat andere Wege, andere (Lern)ziele. Hier erfordert es schon eine Portion Spitzengefühl.
    Da ich in meiner jetzigen Arbeit Gruppen schule ist das aber auch etwas einfacher. Da biete ich einfach einen bunten Blumenstrauß an interessanten Infos an und jeder kann dann für sich raus suchen, was er mitnimmt oder vertiefen möchte. 😉

    Toitoi, dass du mit deiner Jobsuche voran kommst und vielleicht weiterhin in Finnisch oder einer deiner belegten Sprachen unterrichten kannst. Das wär doch schon mal eine gute Alternative, oder? 😉

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