Meine Generation im Kleinen

Noch ein kleiner Nachtrag zu diesen beiden Artikeln, denen ich im Grunde genommen beiden sehr zustimme.

Ich habe mich nach der Lektüre des Spiegelartikels über die Generation 20-35 selber gefragt, was wohl die Gründe dafür sind, dass wir angeblich so egoistisch und unpolitisch sind und habe dabei für mich vielleicht folgende Erkärung gefunden: Wir haben hier in Bloggerhausen schon öfters (ich kann mich z.B. sehr gut an einen Beitrag von Frau Ami erinnern) darüber diskutiert, dass diese Welt so global und kompliziert, so verstrickt und verwirbelt mit all ihren Krisen und Zusammenhängen geworden ist, dass es einfach wahnsinnig schwer ist, da noch durchzusteigen und dann auch selber aktiv zu werden. Was kann ich hier tun, wenn in China ein Sack mit Reis umfällt? „Lohnt“ es sich überhaupt zu kämpfen, dass der Sack Reis in China nicht umfällt oder hätte das womöglich wiederum Konsequenzen für mein eigenes Leben. Mir persönlich geht es da nicht anders als in dem Spiegelartikel beschrieben. Erst neulich habe ich mit meiner Mutter darüber diskutiert, dass ich mich eigentlich eher als passive politische Person sehe. Beobachten tu ich durchaus, auch sehr genau, das ist für mich eine Art Bürgerpflicht, aber für mich persönlich macht politische Arbeit keinen Sinn, ich wüsste nicht, wo ich ansetzen sollte und für welche Ideale ich kämpfen würde. Das finde ich aber (noch) nicht schlimm, klar habe ich gewisse Ideale, da ich aber selber noch dabei bin, mein Leben zu strukturieren und in feste Bahnen zu lenken und so plötzlich von einem Tag auf den anderen alles ganz anders sein kann, können sich diese Ideale auch noch verschieben.

Gleichzeitig aber, dieser eine Aspekt wird in dem Artikel im Spiegel sehr ausser Acht gelassen, habe ich erst neulich einen Artikel darüber gelesen, dass z.B. das Ehrenamt derzeit einen ganz neuen Höhenflug erlebt. Ich kenne sehr viele Leute, die sich ehrenamtlich in der Nachbarschaft, in sozialen Vereinen oder in ihrer Stadt für soziale Projekte engagieren, um diese Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. (Ich hab neulich übrigens ein tolles neues Projekt aufgetan, wo ich wohl demnächst Kontakt mit den Initiatoren aufnehmen werde, das ist aber ein anderes Thema. 😉 ) Sind wir also egoistischer, weil wir uns für das örtliche Behindertenzentrum oder für bessere Integration einsetzen als die 68er, die für Feminismus auf die Straße gegangen sind? In dem Spiegelartikel wurde geschrieben, dass unsere Generation zu angepasst ist, dass es nichts mehr gibt, wofür wir uns auflehnen, weil wir eh in Wohlstand großgeworden sind. Ist politisches Engagement und der Kampf für Ideale immer mit Kampf, Demonstrationen und grooooßen Studentenbewegungen verbunden? Gibt es nicht auch andere Mittel und Wege seine Meinung kundzutun, wie z.B. diesen, den viele Menschen in meinem Alter gehen: Wenn ich in diesen ganzen Wirrwarr der Welt mit ihrer Globalisierung und ihren ganzen Vernetzungen keinen Punkt für mich sehe, wo ich ansetzen kann und für meine Ideale kämpfen kann, dann fange ich in meinem Alltag an, bei den Menschen in meinem Viertel, die mich umgeben und mit denen ich zusammenlebe, wo ich tagtäglich Punkte sehe, an denen ich meinen Hebel ansetzen und die Welt „aus den Angeln heben“ kann. Im Kleinen zwar, aber auch das Kleine kann mal etwas ganz Großes werden.

Was also, wenn wir uns ersteinmal im Kleinen gegen soziale Ungerechtigkeit auflehnen und versuchen, diese Welt hier bei uns ein bisschen besser und lebenswerter zu machen? Was, wenn wir einfach bei uns und bei den Menschen, deren Leid wir tagtäglich miterleben, anfangen?

Müssen es immer die „großen“ Ideale sein, damit man auch ja bemerkt wird?

8 Kommentare zu „Meine Generation im Kleinen“

  1. Ich hab mich ja lange sowohl politisch als auch ehrenamtlich engagiert und ich habe das immer in meiner direkten Umgebung getan und auch für Dinge, die hier vor meiner Haustür passieren.
    Ich denke nämlich auch, wir sollten einfach hier vor unserer Tür anfangen, wenn wir die Welt ein kleines bißchen besser machen wollen.
    Nichts gegen Engagements in Afrika oder sonstwo auf der Welt, aber mir ist meine Nachbarschaft einfach näher….. und deshalb bin ich jemand, der sich eher im direkten Umfeld (und damit meine ich dann schon diese 1,7 Mio Einwohner Stadt) engagiert und manchmal hängt das eine mit dem anderen ja auch zusammen.

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  2. Schöner Beitrag!

    Es ist doch genau das, was wirkliche Helfer in Krisengebieten erreichen wollen, dass die Menschen vor Ort sich selbst helfen. Ich kann nicht an vielen Herden gleichzeitig sein, da verlier ich schneller den Überblick und werde vielleicht mitunter halbherziger, als wenn ich mich auf mein Hier und Jetzt konzentriere. Es muss ja nicht mal ehrenamtliche Arbeit sein, aber all die kleinen Dinge im Alltag mit denen ich vereinzelt Menschen wirklich helfen kann, sind doch schon Gold wert. Wir tun etwas! Wir bewegen!

    (Ein Punkt, der mich auch stört ist dieser verklärte Blick auf das Vergangene. Es sollte kein Geheimnis sein, dass wir Menschen es uns schon immer leicht verklärt machten mit einem: Früher war alles besser. Früher war immer alles intensiver, geschmackvoller und das seit Generationen und ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr hören. Weil das jede Generation von sich behauptet. Meine Güte jetzt reichen ein paar Unterschriften nicht mehr, wegen der Großdemos früher. Davor reichten die nicht, weil ja im Mittelalter die Leute einfach reihenweise ihr Leben hergaben (geben mussten!) Da höre ich schon Leute sagen: Mensch da ging noch der Punk ab, da war noch was los! Sehen wir doch den Tatsachen ins Gesicht. Manche Kämpfe sind gekämpft. Abtreibungen sind erlaubt. Frauen dürfen wählen. Wir kämpfen für dies und das. Und manchmal ist es dank dem Informationsüberfluss schwerer sich auf ein „großes“ Ziel zu konzentrieren. Deshalb ja natürlich, einfach im Lokalen bleiben!)

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  3. Kassiopeia, ich kann es auch wir.klich.nicht.mehr hören! Das ist romantisches Rumgerede, das die Wirklichkeit völlig ausser acht lässt, wie Du sehr treffend formuliert hast.

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