Helsinki und ich

Helsinki* und ich, wir lieben und wir hassen uns, irgendwie. Es fällt schwer, das in Worte zu fassen oder jemandem zu erklären ohne gleich fuer krank erklärt zu werden, aber entweder Helsinki macht mich so gluecklich, dass ich glaube zu fliegen oder es macht mich traurig, wuetend, einsam, verloren, dass ich denke, ich breche zusammen und kann nicht mehr aufstehen.

Entweder ich habe das Gefuehl genau hierhin zu gehören, auch wenn meine Familie und Freunde weit weg sind, so passt doch trotzdem alles genau so wie es im Moment ist. Ich bin bei mir, ich fuehle mich angekommen, angenommen. Ich gehe durch die mir so vertrauten Strassen und fuehle ein gewisses Heimatgefuehl, immerhin habe ich hier vier Monate verbracht. Oder es gibt so Tage, da fuehle ich mich verloren, alles ist fremd, die Strassen, die Häuser, alles fuehlt sich so abstossend an und ich möchte nur noch ins nächste Flugzeug steigen und heim.

Helsinki macht mich zufrieden, ruhig, ausgeglichen, ich möchte sitzenbleiben, verweilen und alles in mich einsaugen. Ich möchte am liebsten nie wieder aufstehen, nie wieder fort von hier. Helsinki macht mich aber auch unruhig, rastlos, fahrig, es lässt mich stundenlang ziellos durch die Strassen hetzen laufen auf der Suche nach etwas, aber was ich suche, weiss ich nicht.

In Helsinki habe ich Leute, Freunde gefunden, denen ich mich sehr nahe und verbunden fuehle, obwohl uns tausende Kilometer trennen, weiss ich, wir können immer wieder dort anknuepfen, wo wir aufgehört haben. In Helsinki war ich aber auch schon sehr einsam. Einsam, wie es vielleicht öfters passiert, wenn man alleine ins Ausland geht, aber diese Einsamkeit war auch mitunter sehr schmerzhaft und langandauernd.

Helsinki weckt in mir eine Menge schöner Erinnerungen, aber es ist auch mit traurigen und einsamen Erinnerungen verbunden, die sehr leicht wieder hochkommen, wenn ich mich hier mal nicht wohlfuehle.

Helsinki und ich, wir können irgendwie nicht „normal“ miteinander. Es gibt nur ein Hoch und ein Tief. Dieses Chaos kann taglich wechseln, das kann im Wochentakt wechseln, das kann aber auch im Stundentakt wechseln. Woran das liegt, weiss ich bis heute nicht.

Ich weiss, ich werde immer wieder hier herkommen. Ich weiss aber auch, ich könnte hier nicht auf Dauer leben. Ich hatte zwei sehr schöne Wochen hier, habe viel erlebt, und sogar noch einiges neues gesehen. Aber es ist auch gut, morgen wieder heimzufahren. Heim in die Stadt und zu den Menschen, zu denen ich gehöre.

Danke, gehasstes und geliebtes Helsinki!

* Ich habe lange ueberlegt, ob das Helsinki oder Finnland allgemein ist, was diese Gefuehle auslöst, aber ich kann es nicht sagen, ich war noch nie so lange und so oft woanders in Finnland.

4 Kommentare zu „Helsinki und ich“

  1. Es hört sich aber genau deswegen so „angekommen“ an, finde ich.

    Ich hab ein ähnliches Gefühl mit der alten Heimat. Auch, wenn das nicht im Ausland ist, sondern nur 300 Kilometer weit weg.

    Eine Mischung aus Heimat und „Wegwollen“, sehr polarisierend.

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  2. Ich finde das wahnsinnig interessant. Bei mir habe ich was Helsinki oder Finnland allgemein angeht ausschließlich dieses Positive, dieses Heimatgefuehl. Ich war auch mehrere Monate dort, war von Anfang an nie einsam und fuehlte mich immer direkt angekommen. Weg wollte ich nie und irgendwann werde ich auch ganz sicher dorthin auswandern.
    Wie du es beschreibst, finde ich es aber wirklich „ergreifend“.. Schoen ausgedrueckt irgendwie.
    Liebe Grüße!

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  3. Treffend geschrieben.
    Mir ging das ähnlich mit Frankfurt/Main als ich so alt war wie Du jetzt. Eine unerfüllte Hassliebe.
    Nicht gerade einfach, aber persönlichkeitsbildend (wie auch immer man das jetzt verstehen mag) 😉

    LG!

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  4. Vielleicht ist es doch die schlechte Luft vor dem Bahnhof? 😉 Ich war 94 vier Monate in Helsinki und im Anschluss fünf Monate in Turku, wo ich mich eigentlich wohler gefühlt habe. Trotzdem ertappte ich mich 98 im Urlaub auf dem wenig ansehnlichen Bahnhofsplatz dabei, dass ich tief und entspannt durchatmete und dachte ‚Endlich zuhause!‘. Ich kann ‚zuhause‘ und ‚einsam‘ nur bestätigen. Und trotzdem will ich wieder und wieder hin. Auch ohne brauchbare Finnischkenntnisse. Terveisiä!

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