Deutschlandreise – Der siebzehnte und der letzte Tag

Es kommt mir vor, als sei ich gerade gestern erst gestartet, aber es ist tatsächlich so: Heute breche ich zu meiner letzten Station auf, morgen abend werde ich wieder zu Hause sein.

Nachdem Frühstück ist noch Zeit, bis ich weiter muss, also fahren wir zu einer kleinen Kirche ganz in der Nähe. Das ist jetzt sehr sehr peinlich. Wie hiess denn denn nochmal?? Shame on me! Aoife, help!! Ich fand die Kirche sehr schön, zwar klein, aber umso feiner und ich musste gleich wieder ans Heiraten denken, ja in so einer Kirche würde ich auch heiraten wollen. 😉 Hach ja… Das eigentlich Lustige an dieser Kirche ist aber die Marienstatue innen, wo Maria doch leicht entrückt ins Leere schielt guckt. Leider gibt’s kein Photo davon, aber ich fand dass sie ein bisschen aussah wie auf Drogen. 😉 Hinter der Kirche gab es noch etwas lustiges, nämlich ein Labyrinth, das wir todesmutig und bei Minusgraden und Schneeregen tatsächlich komplett durchlaufen sind. Danach fuhren wir wieder heim und viel zu bald war es auch hier schon wieder Zeit, aufzubrechen. Der geneigte Leser merkt, ich hatte einen sehr konstanten, regelmäßigen Tagesablauf: Aufstehen, frühstücken, ratschen, den Vormittag verbringen, warten, packen, zum Bahnhof, Zugfahren, am Ziel ankommen, ratschen, Abendessen, ratschen, Bett. 😉

Die letzte Station meiner Reise ist irgendwo einem kleinen Dörfchen bei Frankfurt umgeben von vielen Lagern der feindlichen großen Stadt, dessen Bewohner sich standhaft gegen die feindliche Übernahme durch die große Stadt zur Wehr setzen… 😆 Es ging zu Wortteufels. Auch hier kann ich mein Talent für Fettnäpfchen mal wieder hervorragend ausleben. Frau Wortteufel und ich stürzen überfreudig am Bahnsteig aufeinander zu und noch im Laufen schreie ich „Was hast DU denn mit Deinen Haaren gemacht?“ Frau Wortteufel „Wieso??? Die sind doch schon seit sechs Wochen so…“ :oops:

Dieser kleine Zwischenfall tut aber der Freude über unser Treffen keinen Abbruch und nach einer kurzen Tour durchs Dörfli fahren wir zunächst ins wortteufelische Heim. Meine Augen fangen an zu blitzen und zu glänzen, als ich den ersten Cappucino aus dem wunderbaren, vielgelobten Kaffeevollautomaten in der wortteufelschen Küche geniessen darf und ab da sieht man mich für den Rest des Aufenthaltes eigentlich nur noch Cappucino trinken. 😆 Hörrlisch, so könnt ich immer leben! Nach Kaffee Cappucino und Kuchen und dem ersten Kennenlernen machen wir noch einen kleinen Rundgang durchs Dörfli und ich bekomme interessante Architektur zu sehen („Kunst! Das ist alles Kunst! Alles, was Du hier siehst, ist Kunst!“), uralte römische Plantschbecken Schwimmbäder, die man aber nur von außen besichtigen kann und Burgruinen, in denen im Sommer Opern aufgeführt werden, natürlich nicht jetzt, wo ich hier bin, ist ja klar, ne? Außerdem mache ich die reizende Bekanntschaft des Stadtgründers, auch wenn der etwas mundfaul ist und eine Konversation nicht so recht in Gang kommen will.

Dann abends der eigentliche Höhepunkt des Tages, ich darf mich – nach einem vorzüglichen Aperitif bestehend aus Sekt mit Parfait Amour – bei Wortteufels und vom Wortteufelmann bekochen und verwöhnen lassen? Es gibt allerfeinstes Pfefferrahmsteak mit Rosmarinkartoffeln und Salat und als Nachtisch gebratenen Ziegenkäse mit Honig und Mandeln Frau Wortteufel rätselt wahrscheinlich heute noch, wo der Nachtisch so plötzlich herkam. 😆 Verehrte Leser, ich kann ihnen sagen, das Essen, eine Sensation, der Wein dazu, eine Sensation – auch diese Kneipe Location kann ich nur bedenkenlos weiterempfehlen für alle, die sich mal im Raum Frankfurt aufhalten sollten! 😉 Wann darf ich wiederkommen und weiteressen?? Irgendwann im Laufe des Abends, während wir beim Essen sitzen und ich zum 10.000sten Mal auf dieser Reise und zum dritten Mal bei Frau Wortteufel mein Berufsfindungsdilemma schildere, passiert wieder so etwas Wunderbares wie zuvor schon bei Soulsilence.  Plötzlich und unvermittelt, während ich noch hin und herüberlege, Vor- und Nachteile abwäge, sagt Frau Wortteufel unvermittelt „Aber wenn man Dich so reden hört, Du hast Dich doch schon für eine Richtung entschieden – Du weisst es nur selbst noch nicht.“ Und abermals trifft ein Mensch, den ich persönlich erst seit ein paar Stunden kenne und der mich persönlich erst seit ein paar Stunden kennt, so voll ins Schwarze, dass es mich wie schon so oft auf dieser Reise von den Socken haut und ich erstmal meine Gastgeberin küssen und herzen muss. Zu dem Zeitpunkt wusste ich selbst zwar noch nicht wirklich, dass ich mich bereits entschieden habe, aber gut wenn wenigstens eine von uns das bereits wusste. 😉 Danke, Ihr beiden, für diesen schönen, gemütlichen Abend!

Am nächsten Morgen bekomme ich als allererstes – na? Was wohl? – einen Cappucino! Und direkt danach noch einen Cappucino. Und ein Frühstück. Der geneigte Leser mag nun vielleicht denken, mein Aufenthalt bei Wortteufels habe nur aus Essen und Trinken bestanden, aber weit gefehlt. Nach dem Frühstück brechen wir auf in die große nicht besonders schöne Stadt und setzen den Bildungsurlaub zunächst mit einem Blick über Mainhattan und dann im Museum für moderne Kunst fort. Neben Bildung hatten wir auch eine Menge Spaß dort und versanken zwischendurch auch mal in einem Regen aus Konfetti. Sehr lustig war’s! Bilder davon gibt es auch, nämlich hier.

Irgendwann während des Nachmittags muss ich mich auch von diesen liebgewonnenen Menschen verabschieden und mich aufmachen zum Zug, der mich nach München bringen soll. Den Weg zur S-Bahn meistere ich fast schon bravourös, ich bin fast schon völlig gelassen gewesen und wir standen genau pünktlich 10 Minuten vorher am Bahnsteig. 😆 Therapie erfolgreich beendet!

Vielen Dank Frau Wortteufel und vielen Dank, lieber Wortteufelmann. Es war wunderbar und extrömst lustig, Euch kennenzulernen und sich mit Euch zu unterhalten. Ich hab mich in Eurer kleinen, gemütlichen Wohnung da unterm Dach wirklich sehr wohlgefühlt und jede Sekunde genossen. Und auch hier nocheinmal ein extra Danke für die Spontanität, mit der ihr bereits einen Tag früher als eigentlich geplant eingesprungen seid!

Das war’s, das war meine Deutschlandreise. Mir bleibt nur noch ein letztes Mal, meinen Koffer über den Frankfurter Bahnhof zu ziehen, einen letzten Zug zu besteigen, mich ein letztes Mal über die wenigen Möglichkeiten zur Gepäckaufbewahrung und die Tatsache zu ärgern, dass es keine Möglichkeit gibt, meinen Koffer irgendwo außer mitten im Gang wo er alle Leute behindert, stehenzulassen. Dann sinke ich auf meinen Platz und kann mich so gar nicht auf mein Buch konzentrieren, ich versinke in Gedanken und Erinnerungen und kann es eigentlich gar nicht fassen, wieviel in den letzten drei Wochen passiert ist. Wieviele ungalublich tolle Menschen ich kennenlernen durfte, wieviele Menschen von Internetbekanntschaften zu echten, realen Personen und Persönlichkeiten, zu Freunden sogar, geworden sind und vor allem wieviele Menschen mir so offen und herzlich nicht nur die Tür zu ihrer Wohnung, sondern zu sich geöffnet haben, obwohl sie mich nur aus dem Internet kannten. Während ich da so sitze und mit 250 km/h durch Bayern rase, steigt in mir eine unglaublich große Wärme, eine unglaublich große Dankbarkeit auf, dass ich das alles erleben durfte. Als ich abends meine Handtasche ausleere, merkt man auch hier, dass die Taschen drei Wochen lang auf großer Reise und u.a. im Konfettimuseum Kunstmuseum war:

Ihr vielen lieben Menschen, nocheinmal ein riesengroßes Dankeschön an Euch alle! Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft, für Eure Offenheit, für Eure Wärme und Herzlichkeit und für Euer Interesse, Dankeschöne fürs Zuhören!. Das ist so eine Geschichte, die man sein Leben lang nicht vergisst, so eine einmalige, ungewöhnliche, spannende Reise, die man sein Leben lang in der Erinnerung und im Herzen behalten wird und von der ich eines Tages als Großmutter meinen Enkelkindern erzählen werde und ihnen erzählen werde, wieviele Menschen es da draußen in der großen Welt doch gibt, die wirklich noch Mensch sind! Ich möchte keine dieser Stationen, keines dieser Erlebnisse, keinen dieser Menschen mehr missen. Ich hoffe wirklich sehr, Euch alle bald wiederzusehen, ich jedenfalls würde so eine Reise jederzeit wieder machen – nur nicht mehr im März! 😉

Ohne diese Reise und ohne Euch wäre ich jetzt heute nicht da, wo ich bin, das kann ich ziemlich sicher sagen.

♥ Danke!! ♥

4 Kommentare zu „Deutschlandreise – Der siebzehnte und der letzte Tag“

  1. Das ist nicht der Stadtgründer, sondern sozusagen der „Urvater“ der hiesigen Mineralwasserbetriebe. Sein Name ist Friedrich Carl Michael Grosholz.
    Das nur mal am Rande.

    Schön war es mit Dir, das stimmt, meine Liebe. Und Du kannst jederzeit wiederkommen zum Essen oder Quatschen. Bist immer herzlich willkommen 🙂 (Und einen Cappu bekommst Du natürlich auch.)

    Schätzelein, komm an die Brust!

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  2. Aua! Tut mir Leid…

    Komm an die Brust, Schätzelein, ich komm sehr gerne und sicherlich bald wieder auf einen Cappu und einen Parfait Amour, nur davor müsst Ihr aber erstmal hierher kommen! 😉

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  3. Ihr Zwei, ich will auch! *drängel* 😉 Bin nicht nur Gebärmaschine, bin auch Mensch!

    Ich hab das vorhin schon gelesen und fand es total schön, wie du dich gefühlt hast, man wurde so mitgesogen mit deinen Gefühlen! Schön!

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  4. Aber natürlich! An meine Brust, liebste Kassiopeia!! Wann sehen wir uns denn jetzt endlich mal? 🙂

    Es war so eine unglaubliche Reise, es war relativ schwer, das in Worte zu fassen, aber jetzt stimmt es!

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