Ach hätt‘ ich doch…

Neulich hab ich einen zur momentanen Situation sehr passenden Artikel gefunden „ach, hätt‘ ich doch…“, in dem es darum geht, was Studenten im Rückblick kurz vor Abschluss ihres Studiums gerne anders gemacht hätten oder anders hätten machen können/ wollen/ müssen. Mehr Praktika, noch ein Auslandssemester einschieben, mehr feiern, weniger arbeiten, irgendetwas findet man immer…

Nach einigem Überlegen bin ich zu dem schönen und sehr befriedigendem Schluss gekommen, dass es in den wesentlichen Dingen wenig bis gar nichts gibt, was ich an/ in meinem Studium bereue oder anders gemacht hätte und wenn, dann sind es so Sachen wie das, dass ich damals nicht die Zeit und die Möglichkeit hatte, noch ein Auslandssemester an mein Praktikum in Finnland dranzuhängen. Oder, dass ich es nicht geschafft habe, ein kleines bisschen mehr und regelmäßiger zu arbeiten um dann mit mehr Geld mehr machen zu können, ich bin wohl schon ein echter Prototyp des „dauerbankrotten Studenten“ und hab meiner Familie wohl einiges abverlangt. Oder dass ich nicht noch fünf weitere Semester studieren darf/ kann. 😉 Ich könnte auch sagen, ich bereue es, dass ich nicht die Zeit hatte, noch mindestens zehn weitere Sprachen (auf der Wunschliste ganz oben stehen: Russisch, Türkisch, Hindi, Schwedisch, Arabisch, Portugiesisch, Swahili u.v.m.) fließend zu lernen. Aber das ist wohl eher nichts, was ich wirklich „bereue“ und meine verpasst zu haben, sondern der Lauf des Lebens. Der Tag hat leider nur 24 Stunden und das Studium nur ein gewisse bei mir eh schon ziemlich hohe Semesterzahl . 😆 Trotzdem habe ich diese 24 Stunden und diese 12 Finnland miteinberechnet 13 Semester so genutzt, wie ich es mir vorgestellt habe und das ist ein sehr schönes Gefühl.

Ich hatte viel Glück – dessen bin ich mir bewusst – und hatte auch eine Familie, die mich nach Leibeskräften und in jeglicher Hinsicht unterstützt hat. Deswegen habe ich auch eher selten und unregelmäßig nebenher gejobbt/ jobben müssen. Praktika habe ich keine gemacht, aber das bereue ich nicht. 😀 Ehrlich gesagt, ich wollte meine Studienzeit nutzen, um die Welt zu entdecken, Sprachkurse zu machen und Sprachen zu lernen und das habe ich gemacht – und hab jetzt immerhin zwei offizielle Sprachdiplome zu Hause im Treppenhaus hängen.

Obwohl man ja immer von allen Seiten zu hören bekommt (und das hört sich auch in dem Artikel etwas danach an), dass man als Geisteswissenschaftler ohne mindestens 20 Praktika null Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat, habe ich habe mich diesem Sog der Panik vor Arbeitslosigkeit um mich herum wiedersetzt. Ich bin sogar fast ein bisschen stolz darauf war und bin der Meinung, dass Studentenpraktika überbewertet werden. Klar, man kann mal Büroluft schnuppern und wenn jemand arbeiten will und Joballtag mal live erfahren will, ist das schön und gut. Aber soooo massig viel Berufserfahrung sammelt man auch nicht, denn selbst wenn man ums Kaffeekochen herumkommt: Akten sortieren ist auch nicht sehr viel spannender und lehrreicher. (So war’s zumindest bei mir.) Aber ich bin trotzdem der Meinung, dass sich irgendwie irgendwo und irgendwann ein Job finden wird. Ich möchte nicht blauäugig sein und ich denke, es wird vielleicht nicht ganz leicht, aber es wird sich etwas finden. Hoffentlich muss ich nicht nächstes Jahr an dieser Stelle schreiben, dass dem wohl doch nicht so war…

Nein, ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass nach einer unschönen Schulzeit mit viel Mobbing, dass dieses Studium (bis jetzt) die beste und intensivste Zeit meines Lebens war, dass ich die Zeit so genutzt habe, wie ich es mir vorgestellt habe und dass ich eine Beschäftigung gefunden habe, die mir aufrichtig Freude macht und mich erfüllt und – das Wichtigste – dass ich auch hier im Institut echte Freunde gefunden habe. Von mir gibt es daher kein „Ach, hätt‘ ich doch…“, sondern höchstens ein „Ach, Zeit, verweile doch noch ein bisschen…!“ und ein paar kleine verdrückte Tränchen.

7 Kommentare zu „Ach hätt‘ ich doch…“

  1. Ja, ich stelle auch gerade fest, dass das wirklich ein wahnsinnig tolles Gefühl ist.

    Sprachdiplome hab ich für Spanisch (mittleres Niveau) und Finnisch (höchstes Niveau). Ansonsten ist die Frage, wieviele Sprachen ich denn nun eigentlich sprechen kann, etwas langwieriger und schwieriger. Ich hab dazu hier schon einmal etwas geschrieben. 😉

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  2. Hallo!

    12 Semester sind doch nicht viel… ich hatte auch 11 oder so. Und bei mir war es ganz ähnlich im Studium. Nachdem ich es in der Schule immer etwas schwierig fand, Freunde zu finden und zeitweise ziemlich gemobbt wurde, war es im Studium plötzlich ganz anders. Und ausserdem darf man plötzlich lernen was man selbst möchte 😉

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  3. Ach, das ist ja mal interessant. Ich hab den Artikel nämlich auch gelesen, bin aber dann wohl eher gegensätzlich im Vergleich zu Ihnen, Frau Ansku. Mehr oder weniger blutige Anfängerin, nämlich Erstsemester. Aber zu denken gibt es einem trotzdem 🙂
    (Sie haben übrigens einen tollen Blog. Bisher war ich ja immer nur stille Mitleserin, aber jetzt kann ich das ja mal sagen.)

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  4. Dankeschön, das freut mich sehr, dass es gefällt. Ich glaube, ich bin irgendwann auch schonmal auf Deinem Blog gewesen. 🙂 Viel Spaß beim Studium noch, genieß es! Es ist so eine tolle, spannende Zeit.

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  5. Na, ich sage nach jeder Klausur: hätte, könnte, wollte 😉 Aber naja, ich habe auch ohne überall Supernoten verdammt viel Spaß an dem, was ich tue! Und sonst: ich wollte nen netten Mann im Studium finden, das hat (noch) nicht geklappt, da hätte ich was anderes studieren sollen wo der Männeranteil nicht so ca. 0,1% beträgt *g*

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  6. Oh ja, Lottea, das stimmt. Das mit dem Mann unterschreibe ich genauso, ich erwähnte das vielleicht hier mal vor einigen Wochen… Tja, das hab ich mir auch mal so vorgestellt hab es aber bei meiner Bilanz erfolgreich verdrängt, alles andere ist zu frustrierend, Wir schaffen das schon noch und dafür kommt dann irgendwann einer, der viiiiieeel netter und toller ist als all die von den Leuten, die jetzt schon vor unserer Nase rumknutschen und rummachen. 😉

    Hach, Du studierst aber auch was Interessantes. Ich naturwissenschaftlich unbegabtes Wesen könnte das nicht, aber ich find’s total spannend.

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