Höflichkeit und Straßenverkehr – geht das?

Boah, heute bin ich mal wieder auf dem Fahrrad von einer Autofahrerin böse beschimpft worden. Kurz gesagt, es war so, dass ich aus unserer Straße rausfuhr, wo eine große, befahrene Straße verläuft und nach links abbiegen wollte. Ich bin also bis zur Ecke und dann nach links rüber. Ich weiss, dass man auf der rechten Seite fahren soll, aber das ging in dem Moment nicht, weil es eine Straße mit Grünstreifen in der Mitte ist und zugegeben, ich hab die Kurve ein klein wenig schwungvoll genommen und bin einen kleinen Schlenker gefahren, aber immer noch auf dem Radweg der großen Straße geblieben. Ich war deutlich schon am Abbiegen, schon fast in der Mitte der Straße. In diesem Moment kommt ein Auto und will in unsere Straße einbiegen und weil ich schon fast in der Mitte der Straße war, fuhr ich weiter und sie musste quasi in der Kurve anhalten. Da saß sie dann mit Fluppe in der Hand und beschimpfte mich aus dem Auto (mit offenem Fenster heraus) mit „DU BLÖDE KUH, DU!“ Eigentlich bin ich der Meinung, in der Fahrschule mal gelernt zu haben, dass man beim Abbiegen auf Fahrradfahrer Rücksicht nimmt und bei einem Fahrradweg nach vorne und nach hinten schaut, ob jemand kommt. Jedenfalls hat mich mein Fahrlehrer – das ist noch gar nicht so lange her – zig mal deswegen angeschnauzt. Und deshalb bin ich der Meinung, dass ich mir bis auf diesen Schlenker nichts wirklich zu Schulden habe kommen lassen. Vielleicht ist ihr irgendein Zacken aus der Krone gefallen, weil sie für eine Fahrradfahrerin anhalten musste. Und ich fange jetzt nicht an, zu lamentieren, dass man als Fahrradfahrer von vorneherein immer der Depp ist, auch wenn man sich bemüht, einigermaßen zivilisiert zu fahren.

Nun gehöre ich aber leider zu den 90% der Sorte von Menschen, die in solch einer Situation überhaupt nicht schlagfertig sind und habe etwas hilflos zurückgebrüllt: „Entschuldigung, ich war ja wohl zuerst auf der Straße.“ Was ziemlich sinnlos gewesen sein dürfte und wovon sie den zweiten Teil vermutlich gar nicht mehr gehört haben durfte, denn mir war es zu blöd, anzuhalten. Im Nachhinein fällt mir dann immer schrecklich viel Schlaues ein, was ich hätte sagen können, und dann ärgere ich mich. Ich möchte mich wirklich nicht auf das Niveau dieser Leute herunterbegeben und einen Streit provozieren, davon hat keiner was. Aber einmal so richtig gestochen scharf wie aus der Pistole geschossen meine Meinung sagen könne, das wäre klasse mein Ziel. Zumal mir auch solche Leute, die sich ständig wegen dermaßen lächerlicher Kleinigkeiten aufregen und jedes Vergehen andere aufzeigen, rügen, kritisierien und zu einem Staatsdrama machen müssen, wirklich tierisch auf den Senkel gehen. Keiner ist frei von Fehlern! Da beißt sich die Katze wohl in den Schwanz, wenn jetzt ICH mich wieder aufrege, aber ich kann das wirklich nicht ab. 😉

Ich würde so wahnsinnig gerne viel spontaner sein, viel schlagfertiger. Und deshalb schreibe ich jetzt hier alle Sachen auf, die mir danach noch eingefallen sind, in der Hoffnung, dass es irgendwann mal nächstes Mal besser wird:

„Wer eine Hand zum Rauchen frei hat, hat wohl auch einen Fuß zum Bremsen frei.“ (Gut, das ist vielleicht provozierend, aber trifft es sehr genau) 🙂

„Wissen Sie, bei mir ist der Führerschein zugegebenermaßen noch nicht allzu lange her, 3 Jahre etwa, aber ich erinnere mich noch genau, dass wir in der Fahrschule den Schulterblick gelernt haben, womit man überprüft, ob ein Fahrradfahrer kommt und dann haben wir gelernt, dass man diesem gegebenenfalls den Vorrang lässt. Und das gilt auch für Fahrräder, die von vorne kommen!“

„Höflichkeit ist eine Zier, doch besser lebt man ohne ihr. Ich kann leider wirklich nicht verstehen, wieso Sie jetzt wegen so einer Kleinigkeit gleich so ausfallend werden müssen und mich beschimpfen müssen.“

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5 Kommentare zu „Höflichkeit und Straßenverkehr – geht das?

  1. Mich stört dabei der Satz „Ich möchte mich wirklich nicht auf das Niveau dieser Leute herunterbegeben“.

    Ich verstehe das nicht, denn jetzt, im Nachhinein, hast Du doch auch kein Problem damit, zu motzen und zu meckern. Warum also dann? Und außerdem: was ist eigentlich dagegen einzuwenden, wenn man jemandem, der einen direkt beleidigt, einfach mal zurück anzuschnauzen? Auf die gleiche Art und Weise?

    Wenn Du mit Finnen redest, sprichst Du doch auch finnisch, damit er Dich versteht, oder? 😀

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  2. @ Wortteufel: Möglicherweise ja, vielleicht hast Du recht. Ich denke immer, man kann die Sachen auch trotzdem höflich-diplomatisch regeln, aber vielleicht ist das jugendliche Naivität nicht durchführbar? 😉 Muss ich nochmal drüber nachdenken.

    @ Buchstaeblich: Aber klar doch! Ich geh bei Dir in die Lehre. ;D

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  3. Zu den Schulterblick und die Radfahrer. In der Fahrschule kam viom Fahrlehrer jedes Mal ein „Toter Radfahrer“, wenn ich mal vergessen hatte zu gucken. Seitdem habe ich panische Angst, mal wirklich einen Radfahrer zu überfahren und bin immer sehr vorsichtig und rücksichtsvoll Radfahrern gegenüber 🙂

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  4. Ich komme aus Münster. Und Münster ist ja bekanntlich Fahrradfahrerhauptstadt. Zu Recht. Pro Einwohner gibt es laut Statistik 2,5 Fahrräder. Wie man auf einem Rad fahren soll, weiß ich nicht. Ist mir aber auch egal.

    Nur, um mal zum Punkt zu kommen, habe ich eins im Straßenverkehr mit Rad- und Autofahrern gelernt: es gibt kein friedliches Miteinander. Auf keine Fall. Und entweder Du frisst oder Du wirst gefressen. Oder auch: das Recht ist mit dem Stärkeren. Oder so.

    Oder mal ganz ehrlich: glaubst Du, mit Diplomatie sitzt die Gute dann in ihrem Auto und denkst sich „Mmh, die hat ja Recht. Ich entschuldige mich mal.“? Nicht wirklich, oder. Also, entweder buddhistisch gelassen die Klappe halten (und sich aber auch innerlich nicht ärgern, sonst ist es wieder nur so oberflächlich gelassen – macht auch Magengeschwüre) oder zurückmotzen. Dann ist der Ärger raus und man kann gelassen weiterfahren (macht auch keine Magengeschwüre, wenn der Ärger rausgelassen ist).

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