Nach-Bericht aus der Wiesn-Hölle

Sie waren gekommen, um die Sternstunde zu sehen, das traditionelle Abschiedsritual des Oktoberfestes, wenn beim letzten Lied Wunderkerzen verteilt werden und die feierwütige, wabernde, hüpfende Masse im Zelt auf einmal sehr still und melancholisch wird. Doch leider leider, eine hat es nicht geschafft und das war Frau Ansku. Nachdem der liebste Bruder mir glaubhaft versichert hatte, dass man schon nachmittags dort anrücken müssen, um sich einen Platz im Zelt zu erkämpfen, hat es mir nach dem zehnten Male „Über den Wolken“ einfach gereicht und ich bin nach Hause gegangen. Schlappe zwei Stunden zu früh, was mich sehr ärgert traurig stimmt. Und auch wenn mir das jetzt hier wieder keiner glaubt, es lag nicht am Alkohol! Ich werd wohl alt.

Aber das heisst nicht, dass ich nichts zu erzählen hätte! Bitteschön, verehrte Leserschaft, treten Sie näher und staunen Sie! (Und zahlen Sie bitte ersteinmal 8 Euro Eintritt für dieses Vergnügen der ganz besonderen Art.)

1. Es gibt so unglaublich hässliche Dirndl. So abgrundtief hässlich, dass man es gar nicht glauben mag, dass Menschen für sowas auch noch viel Geld ausgeben. Mein Favorit: durchsichtige rosa Bluse, dazu blaues Dirndl mit Rüschen am Kragen und rosa Schürze. Babykleidung sieht schöner aus.

2. Es ist voll am letzten Sonntag, sehr voll. Eigentlich immer am Wochenende. Dann wundert man sich auch nicht mehr, wenn es links und rechts um einen kaum anders tönt als: „Daniel, warte!“ „Peter, renn nicht so!“ „STOOOOPP!“

3. Doch sehr wundern muss man sich, wenn eine Mutter ihr kleines Kind anraunzt, welches – obwohl an der mütterlichen Hand geführt – fast in den Menschenmassen verschwindet oder überrannt wird: „Alessandro, jetzt pass doch mal auf, wo Du hinläufst!!“

4. Wenn man in noch nicht-besoffenem Zustand durch ein Bierzelt läuft, da sieht man eine Fülle von Gesichtsausdrücken so mannigfaltig wie selten zuvor erlebt. Von euphorisch-erwartungsvoll über glücklich-alkoholbeseelt bis hektisch-verwirrt-suchend bis völligleer-entrückt gibt’s alles, was man sich dazwischen noch vorstellen kann. Sehr geeignet auch für psychologische Charakterstudien. 😀

5. Es gibt noch hässlichere Dirndl. Zum Beispiel das grüne mit schwarzer Schürze und schwarzer Bluse darunter und grüner Handtasche, wo die bezaubernde Freundin des kleinen Bruders sagte: „Schau mal, die sieht aus als würde sie bei PI.N arbeiten.“

6. Das U-Bahn-Phänomen gibt es auch in Bierzelten: Der Anblick von fünf jungen Burschen alle gequetscht in eine Ecke einer langen Bierbank in einem völlig überfüllten Bierzelt mutet sicherlich recht komisch an, aber dass dann trotzdem minütlich Menschen dorthin und fast schon quer über die Bierbank stürzen und fragen, ob noch Platz frei wäre, das mutet noch komischer an. Antwort der Jungs: „Ja, wenn Sie die K**ze aufwischen wollen.“  Alles genau gleich wie im Untergrund. Blick nach unten, Menschen schneller wieder weg, als sie über die Bierbank stürzen können. 😀

Es gibt auch allerhässlichste Dirndl. Ich bin sehr sehr stolz, Ihnen, meine verehrte Leserschaft, dieses ganz besondere Modell „Verpackung mit Beschriftung“ präsentieren zu können, sicherlich ein Einzelstück. Leider ist es mir nicht gelungen, zu entziffern, was da drauf steht, aber ich tippe mal auf: „Nimm mich von hinten“??? Weitere Vorschläge?

(KLICK macht’s groß.)

(Ich weiss, es ist sehr äußerst unhöflich, Leute von hinten zu photografieren, aber es tut mir Leid: Wer so was anzieht, der hat es nicht anders verdient. Punkt!)

Der Wahnsinn hat vorerst ein Ende, nächstes Jahr wieder, dann mit ihr, nicht wahr? 😉

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3 Kommentare zu „Nach-Bericht aus der Wiesn-Hölle

  1. Die Dame hat sich bestimmt irgendwo reingesetzt 😉
    Falls ich im OktoberSeptember nicht am anderen Ende der Welt weilen sollte, dann bin ich auf jeden Fall dabei! Ob ich mir allerdings ein Dirndl dafür anschaffe, ist fraglich nach diesem Bericht.

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  2. Ach Kiwi, es gibt auch schöne Dirndl, nur über die kann man nicht soviel schreiben. 😉 Ich werde mir auf alle Fälle nächstes Jahr eines anschaffen, wenn ich bis dahin meine Magisterpfunde wieder los bin. 😀

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