Sehr geehrter Herr Professor Thießen,

von der Universität Chemnitz. Ich kann Sie ja verstehen. Uns allen – und besonders der ehrliche arbeitenden Bevölkerung gehen Hartz-VI-Empfänger im Stil von „Florida-Rolf“ gehörig auf den Keks. Immer fleissig zum Amt laufen und die zehndrölfzigste Stütze einkassieren, um noch das neue iPhone schnieke Handy finanzieren zu können, aber sonst nichts auffe Reihe kriegen, schon mal gar nicht arbeiten. Vielleicht werfen Sie aber einfach mal einen Blick auf das Gesamtbild und sehen, dass es auch einen großen Teil WIRKLICH armer Menschen und Familien gibt, die keine Chance haben, die sich bemühen einen Job zu finden, aber jedes Mal scheitern. Diese Menschen drehen jeden Cent zehnmal um und leben oftmals ab dem 20. des Monats auch von Nudeln und Brot, etwas was Sie und ich uns gar nicht vorstellen können, wenn wir mal eben in den Supermarkt springen, um zum Abendessen noch schnell ein leckeres Weinchen und ein paar Antipasti besorgen. Falls Sie sich das nun wirklich nicht vorstellen können, kleiner Tipp: Schauen Sie sich mal Raus aus den Schulden oder Die Super Nanny oder derartige Sendungen an, da werden manchmal solche Familien gezeigt.

Und solchen Menschen wollen Sie noch weniger Geld geben? Diese Menschen sollen Leitungswasser statt Sprudel trinken. Ich meine, es ist toll, dass Sie so sparsam veranlagt sind, aber könnten Sie auch wirklich mit 132 Euro im Monat auskommen? Könnten Sie mir vielleicht mal zeigen, wie das geht? Würden Sie, Herr Professor, für ein paar Monate auf jeglichen Luxus verzichten und uns allen vorleben, wie man so toll sparsam sein kann? Würden Sie dann auch ihren Weinkeller abschließen und Leitungswasser statt edlen Dornfelder trinken? Würden Sie selber?? einkaufen gehen und im Supermarkt stehen und rechnen, ob das Geld noch für eine Packung Brot reicht? Würden Sie ihre Mitgliedschaft im Golfklub kündigen und auf Pokerabende oder was auch immer Sie für Hobbys haben verzichten? Würden Sie Ihr spritfressendes Auto verkaufen und stattdessen einen billigen, sparsamen Kleinwagen anschaffen? Würden Sie zum Campen fahren oder würden Sie sogar ganz auf Urlaub verzichten? Womit würden Sie die warmen Pullover kaufen, die Sie im Winter so wärmstens statt vollaufgedrehter Heizung empfehlen? Haben Sie ein Haus? Wieviel frisst das eigentlich an Energie?

Lieber Herr Professor, wenn Sie mir alle diese Fragen beantworten können und dann immer noch ein erfülltes, zufriedenes Leben führen können, dann, da bin ich mir ziemlich sicher, wäre jeder Hartz VI Empfänger und ich auch sofort dabei bei Ihrer tollen Idee. Sparen müssen wir schließlich alle und es muss ja nicht immer Luxus sein. Was ist eigentlich Luxus??

Ansonsten öfter mal die Klappe halten, wenn man nichts davon versteht.

7 Kommentare zu „Sehr geehrter Herr Professor Thießen,“

  1. Bravo!
    Leider wird besagter Professor das nicht lesen und selbst wenn, wäre es ihm vollkommen egal.
    Als Arbeitsuchende wurde ich noch nett behandelt, als HartzIV Empfängerin von einem Tag auf den anderen als potentieller Schmarotzer und Betrüger. Sehr unfein.
    Kein Job in Aussicht, kein Geld, Repressalien vom Amt – ich bin ausgewandert.

    Hartz IV ist ein Verbrechen an Menschen, ein vollkommen unwürdiges System, das nie funktioniert hat und nie funktionieren wird.
    Auf dem Papier klingt es toll, aber die Erfinder und Befürworter von Hartz IV sollen erst einmal selbst mindestens ein halbes Jahr unter den von ihnen aufgestellten Regeln und geschaffenen Umständen leben.

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  2. Allen Kritikern von Hartz IV muss ich die Gegenfrage stellen:
    Was wäre die Realität,wenn es Hartz IV nicht gäbe?
    Was soll eigentlich die Aufregung über das auch für mich sehr realistische Denkmodell des Herrn Prof.Theissen?
    Es ist das ureigenste Feld der Wissen- schaft, Denkmodelle zu entwerfen. Hierbei spielt es keine Rolle,ob sie praktikabel sind,oder in die Praxis umgesetzt werden können!
    Dieses Denkmodell hat keine Chance, umgesetzt zu werden. Das hat auch die Bundesregierung schon eindeutig erklärt.

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  3. Danke für Deinen Kommentar. Ich selber kenne das nicht, weil ich noch studiere und das unglaubliche Glück habe, sehr großzügig von meinen Eltern unterstützt zu werden. Ich kann es mir nur vorstellen, wie es wäre mit 132 Euro auskommen zu müssen und ehrlich gesagt, ich möchte es mir gar nicht vorstellen. Ich wusste nicht, was momentan der Satz ist, den man bekommt und ob das ähnlich wirklichkeitsfremd ist wie die Idee vom Herrn Professor, aber es sieht wohl ganz danach aus.

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  4. @ Anonym: Was bringt ein Wissenschaftsmodell, das von Anfang an keinen Bezug zur Realität hat und nicht einmal den Anspruch darauf hat, Realität zu werden? Papiermüll?

    Das Denkmodell des Herrn Professor ist vollkommen unrealistisch, weil er von völlig falschen Preisen ausgeht. Auch der Bedarf des Menschen an Lebensmitteln wurden vollkommen falsch eingeschätzt. Zum Beispiel soll laut der Studie eine Rolle Klopapier 0,13 Cent kosten, die billigste Rolle beim Discounter kostet aber 0,23 Cent, ebenso Kartoffeln – in der Studie angesetzt mit 0,37 Cent findet man in der Wirklichkeit nicht billiger als 0,50 Cent. Könnten Sie, lieber Anonym, von einem Hühnchen 26 Tage leben? Wären Sie mit ein paar Scheiben Brot, einer Karotte, einer Paprika, einem Apfel, einer Banane, 46 g Fisch, ca. 50 g. Fleisch und etwas Aufschnitt am Tag satt? Ich leider nicht.

    Wie bereits gesagt, ich finde es trotzdem für alle Hartz IV Empfänger ein Schlag ins Gesicht, Ihnen auch nur theoretisch zu unterstellen, sie würden zu viel Geld kosten, obwohl sich ein sicherlich nicht geringer Teil von denen schon ab dem 20. Monats nur noch von Pasta ernährt und jeden Cent vom Munde abspart.

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  5. Die Realität, wenn es Hartz IV nicht gäbe, wäre das System, was es zuvor gab.
    Nach Ablauf des Arbeitslosengeld der Übergang zu Arbeitslosengeld 2, sofern die Bedürftigkeit nachgewiesen wir.

    Heute sieht es so aus, wer mehr als 30 oder noch mehr Jahre gearbeitet und in die Arbeitslosengeldkasse kräftig eingezahlt hat, wird nach einem Jahr, sofern er keine neue Arbeit findet, in Hartz IV gestopft und damit automatisch in die Tonne getreten.

    Grau ist alle Theorie. Vom Regelsatz dürfen Sie sich dann z.B. jeden Monat einen gewissen Betrag zurücklegen für Dinge, die früher als einmalige Hilfen im Sozialhilfebezug noch möglich waren. Ihre Waschmaschine gibt den Geist auf und sie haben drei Kinder? Pech gehabt, Handwäsche ist angesagt, da das Amt Ihnen keinen müden Cent gibt. Das dürfen Sie dann von ihrem Hartz IV abziehen. Ebenso Busgeld für die Kinder, die in die Schule müssen.

    Die Realität ist, dass der Großteil der Leute jahrzehntelang zur Kasse gebeten wurde und dann mit absolut realitätsfremden Bezügen leben darf.

    Ich halte es für absolut bedenklich, dass Leute dafür bezahlt werden (und wer zahlt letztendlich, hm?) so einen Schmonzes als Denkmodell zu entwickeln. Brauchen Professoren jetzt schon Beschäftigungstherapie, weil sie ansonsten wegrationalisiert werden?

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  6. Weiss die Wohlstandskindergeneration über- haupt, unter welchen Entbehrungen die Kriegs-und Nachkriegsgeneration das sog. „Wirtschafts- wunder“ erarbeitet hat? Dagegen ist Hartz IV eine Wohlfühloase!
    Mit welchem Recht fordert die heutige Generation den Wohlstand als legitimes Recht ein?
    Macht Euch Gedanken darüber, wie Ihr Euch Wohlstand erarbeitet und nicht erjammert!!!!
    Arbeit ist genug vorhanden.Aber dafür sind sich die zarten Wohlstandsfingerchen zu schade! Die Arbeit müssen die Ausländer machen,die in ihren Herkunftsländern unter den erbärmlichsten Verhältnissen leben müssen.

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  7. na super, jetzt kommt die Leier. Sind wohl die Argumente grad ausgegangen, was?

    Zum Glück muss ich mir den Schuh nicht anziehen, da ich nicht zur dieser Wohlstandskindergeneration gehöre 🙂

    Der Schreibstil von Anonym ist genau der, der bekannten Bloggerin, die wie immer nichts anderes zu tun hat, als ihren verbalen Jauchkübel über andere auszukippen.

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