Ende

Früher, zu Schulzeiten, da hatte ich eher wenig Freunde. Da wurde ich öfters gehänselt, verarscht oder wie man das auch immer bezeichnen mag. Ich war – meistens – diejenige, der um Freundschaften und Anerkennung kämpfen musste. Seit dem Studium ist das gottseidank ein für allemal passè und ich kann mich glücklich schätzen, eine ganze Reihe von sehr guten, eigentlich sogar den besten Freunden, die man sich wünschen kann, zu haben.

Manchmal gehen jedoch auch gute Freundschaften in die Brüche und das ist dann immer noch sehr schlimm, besonders wenn es sich um langjährige, alte Freunde handelt, noch aus der Zeit, wo ich für jeden einzelnen dankbar war (bin ich auch heute noch!), Freunde, mit denen man so einiges durchgemacht hat, die gemeinsam mit einem selbst ob dieser ganzen Irrungen und Wirrungen der Tinäitscher-Zeit gelitten haben, mit denen man sich gestritten hat, sich wieder versöhnt hat und mit denen man unvergesslichen Zeiten und grosse Nähe erlebt hat.

Doch die Zeit ist unbarmherzig, irgendwann trennt man sich örtlich, als nächstes trennen sich die Interessen. Man hält weiterhin Kontakt, sehr intensiv zum Teil, aber dennoch passiert es irgendwann, schleichend. Man entfernt sich voneinander, Stück für Stück, Tag für Tag immer ein bisschen mehr. Und schliesslich eines Tages lebt man in zwei komplett verschiedenen Welten. Doch das scheine nur ich zu merken, so komisch es auch ist, denn sonst wäre diese Freundschaft schon seit Jahren im Sande verlaufen, wie so viele andere auch und wie es nun mal der Lauf der Zeit will. Aber der Kontakt wird gehalten, doch es wird immer schwerer, gezwungener, interesseloser, einseitiger, von Tag zu Tag und mit gleichem Schritt werden auch die Telefonate schwerer, gezwungener, interesseloser, einseitiger. Wir tragen diese Freundschaft ohne Zukunft weiter mit uns herum, doch sie wird immer belastender. Merke nur ich das?

Und irgendwann wird die Last, die ich mit mir herumtrage ob der ganzen ungewollten, gezwungenen Telefonate und noch einiger anderer Dinge, zu schwer und ich bin theoretisch an dem Punkt, an dem ich die Last ablegen möchte und laut „STOPP“ schreien möchte. Irgendjemand muss es ja tun. Doch es ist schwer, unglaublich schwer. Wenn man sich den Anfang dieses Textes ansieht, stehe ich jetzt auf genau der gegenüberliegenden Seite: Ich bin diejenige, die auswählen darf/ kann, wenn eine Freundschaft nicht mehr so ist, wie ich sie mir vorstelle. Das ist eigentlich und an für sich toll, wirklich unglaublich.

Und dennoch ist diese andere, neue Seite nicht minder schwer als die alte, ich bin nicht mehr Werber und Empfänger, ich bin Täter und ich bin manchmal auch Zerstörer, auch wenn ich kaum eine andere Wahl habe.

Eine neue, ungewohnte Rolle, die so gar nicht in mein Weltbild und in mein Bild von mir passt, mit der ich mich so gar nicht anfreunden kann, aber ich muss. Denn die Last wird schwerer und schwerer, ich fühle mich elender und elender und ich denke und zweifle und zweifle und denke. Und weiss doch, dass diese Freundschaft eigentlich keine Freundschaft mehr ist und dass ich nur noch diesen einen Schritt tun muss.

Diesen einen, so unglaublich schweren Schritt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: