Jäger und Sammler

Ein menschlicher Grundtrieb ist bei mir seit jeher besonders gut ausgeprägt, der Sammlertrieb. Ich sammele (fast) alles, was geht, früher Pferdehefte, Pferdezeugs und Stifte – ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich immer, wenn ich einen neuen Stift hatte, diesen in sämtlichen verfügbaren Farben haben musste – heute sammele ich vor allem Bücher, Bücher und Bücher und dazu viele bunte Ordner voll mit noch mehr Kopien. Mein Studium unterstützt und fördert diesen Sammlertrieb in hörrlischester Weise, wenn es nach mir ginge, ich könnte eigentlich alles zu jeder Sprache der Welt hier um mich herum versammeln, das wäre dann der dem Paradies nächstmögliche Zustand. Jedoch Fachbücher sind teuer, sehr teuer sogar und obwohl meine Familie mich sehr nett und löbönswördög schponsört wie die Tabakindustrie die Formel I und mir sehr sehr sehr viele Buchanschaffungen ermöglicht, stehe ich doch immer wieder mit sehnsüchtigen Blicken in der Bibliothek und lande schliesslich dann doch vorm Kopierer. War Kopieren am Anfang des Studiums noch ein Horrorszenario, in etwa: Wie finde ich das richtige Format? OOOOH NAIN, schon wieder der Papiervorrat leer, wo in aller Welt krieg ich in dieser Riesen-Uni neues Papier her? Aaaargh, schon wieder Papierstau! Kann ich mich eigentlich bei der Firma beschweren, die so saublöde Maschinen baut? so kann ich mich inzwischen doch mit einigem Stolz als Kopier-o-holic bezeichnen. Denn Übung macht den Meister, inzwischen haben der Kopierer und ich Frieden geschlossen, ja uns verbindet sogar eine tiefe Freundschaft. Ich kenne wohl jeden Kopier in und um die Uni herum in- (zumindest die Papierfächer) und auswendig und wenn man dann doch einmal das richtige Format gefunden hat, den Zoomfaktor auf die Kommastelle genau kennt und ein bisschen lieb bittet (Die OK-Taste möchte bei unserem Kopierer manchmal gerne zweimal gedrückt werden, bevor sie dann auch reagiert), dann sprudeln hastdunichtgesehen sofort und ohne viel Mühen unten munter und lustig viele warme, frischbedruckte, reine weisse Blätter heraus, die man überallhin mitnehmen kann, je nach Gutdünken lochen oder in eine Mappe verbannen kann, lesen oder in die Ecke pfeffern kann, sammeln, sortieren, nochmals umsortieren, mit grellem Neonmarker beschmieren, Anmerkungen hineinschreiben kann etc. etc. etc. Papier ist ja bekanntermaßen gedulig und die Möglichkeiten sind unbegrenzt, aber allein schon der Geruch von frischem Papier versetzt den Kopier-Junkie gewöhnlich in einen wahren Rausch. Kopieren erweitert zudem die persönliche Freiheit des Studierenden, es ist eine wahre Wohltat für das geplagte studentische Gewissen. „Also kopiert hab ich es ja schonmal…“

Das zweite Schöne am Kopieren ist die Ruhe, es gibt im Moment des Kopierens nichts ausser dem Buch, Dich und den Kopierer. Und wenn man dann so vor dem Kopierer steht, Seite um Seite umblättert und auf die grosse grüne OK-Taste drückt, lässt es sich ganz hörrlisch wöndörbar über das letzte Seminar, den zuletzt gelesenen Artikel oder auch das geplante Abendprogramm sinnieren. 10 Minuten Kopier-Auszeit und der nächste Schrecken das nächste Seminar kann kommen.

Und endlich, ja endlich heute war es wieder soweit. Der erste Artikel für meine Magisterarbeit, das vertraute Rattern und Surren des Kopierers, die nette Dame vom CopyShop und ich wusste „Jetzt geht’s los.“ Wöndörbar.

4 Kommentare zu „Jäger und Sammler“

  1. *ggggg* diesen Sammeltrieb kenn ich doch 😀 ich sammle auch so ungefähr alles, und ganz besonders Bücher 😉
    Und mit dem Kopierer im Anglistischen Seminar hatte ich auch schon so einige Auseinandersetzungen

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  2. Aber es ist doch schön, dass aus den anfänglichen Auseinandersetzungen so eine innige Freundschaft, ja sogar Leidenschaft werden kann. 🙂

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  3. Täällähän miinä olen!
    en vain ole jaksanut kirjoitella vähään aikaan. Mitäs kuuluu?
    Hyvää Ystävän päivää!

    With lots of love: Jazmenito 🙂

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