Bewegtes und Bewegendes

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edschssdlschadschssss

November 19, 2009 · 6 Kommentare

Sprechen Sie doch bitte mal eczaciyim [das c wie "dsch" wie in "Dschungel", das z stimmhaft wie in "summ summ", y wie "j"] aus, dann sag ich Ihnen auch, was das bedeutet.

(Hat heute im Kurs für extreme Zungenverknotungen und Lachanfälle gesorgt.)

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Warum lernst Du?

Oktober 22, 2009 · 3 Kommentare

Langsames Beschnuppern und Kennenlernen meiner Mitstreiter im Türkischkurs, eine Auswahl der Dialoge, die da so ablaufen:

1. „Und? Warum lernst Du Türkisch?“ – „Ach, meine Verlobte ist Türkin und ich muss mich ja irgendwie auch mit der Verwandtschaft verständigen können…“

2. „Und? Warum lernst Du Türkisch?“ – „Wir haben ein Haus Bodrum. Wir fahren da schon seit vier Jahren jeden Sommer hin und ich kann immer noch kein Wort Türkisch. Ich tu mir ja so schwer mit Sprachen, weißt Du, schrecklich ist das…!“

3. „Und? Warum lernst Du Türkisch?“ – „Mein Freund ist Türke und ich wollte jetzt auch mal seine Sprache lernen. Wir reden zuhause immer auf Deutsch, aber ich möchte auch mal seine Sprache können, aber er sagt, er kann mir das nicht beibringen…“

4. „Und? Warum lernst Du Türkisch?“ – „Och, ääh… Ja… Also… Weiss nich’ genau. Ich wollt’ einfach so mal wieder ‘ne neue Sprache lernen… Ich bin Linguistin, da hält man’s nie lange aus ohne eine neue Sprache zu lernn. So Berufkrankheit oder so ähnlich…“

Jetzt dürfen Sie raten, welche der hier zitierten Personen wohl Frau Ansku ist, Nr. 1, 2, 3 oder 4. ;)

(Und ‘biber’ heisst übrigens auf türkisch ‘Paprika’.)

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i oder ι

Oktober 15, 2009 · 4 Kommentare

Versuche krampfhaft, mir beim Schreiben i-Punkte abzugewöhnen. Ich möchte nasιlsιnιz „Wie geht es Ihnen?“ schreiben und ich nehme mir ganz feste vor, das genau so und ohne einen einzigen i-Punkt zu schreiben und ich schreibe und raus kommt zum 100. Mal nasilsiniz.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie tief diese i-Punkte nach etwa 20 Jahren im deutschen Bildungssystem in einem drin sitzen?

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Schnickeldi da!

Oktober 9, 2009 · 4 Kommentare

Mein Türkisch-Häfft ist da!

Und noch so ein zwei Schnickeldichen mehr.

Konnte nicht wiederstehen. Plöder Mindestbestellwert! 8)

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VHS

Oktober 8, 2009 · 9 Kommentare

Ich nehm alles zurück, was ich jemals über VHS-Sprachkurse gesagt habe! Mein Türkischlehrer ist genauso wie ich der Ansicht, dass man Grammtik eigentlich quasi von selbst lernt – insbesondere bei einer agglutinierenden Sprache, wo die verschiedenen Endungen einfach alle hinters Wort gesetzt werden:

ev : Haus

ev – ler : die Häuser

ev – ler – im : meine Häuser

ev – ler – im – de : in meinen Häusern.

Das was wir also im Kurs üben müssen, sind die Vokabeln und das Sprechen. Phantastisch, der Mann hat Ahnung! Und so hab ich gestern höchstens zwischendurch 10 Minuten Aussprache geübt und mal eben entspannt gelernt, jemanden zu Begrüßen, zu Verabschieden, mich vorzustellen,  die Zahlen bis 10 (die ich mir bisher nie merken konnte, jetzt kann ich sie!), mich zu erkundigen, wie dies oder jenes heißt, und einige Wörterchen wie bisikli, atobüs, tren, ekmek, masa (na, wer errät’s? ;) ) und noch einige andere.

Wenn das so weitergeht, blog ich hier im November auf Türkisch. Mal sehen, was da noch so kommt. Isch freu misch riesisch!

(Dafür muss ich mir jetzt Gedanken über meinen eigenen Unterricht machen, ich habe seit letzter Woche wieder eine Finnischschülerin und werde ihr heute das Grauen aller Finnischlernenden, den Partitiv beibringen dürfen. Ich kann den doch selber auch nach 5 Jahren noch nicht richtig benutzen. Als ich das Angebot annahm, bekam ich die Information, dass sie schon etwas mehr kann als mein letzter Schüler, aber ich muss zum größten Teil nur ganz einfache Dinge wie z.B. die Zeiten beim Verb unterrichten. Tja, nein. Soweit waren wir im Lehrbuch dann doch noch nicht. Jetzt dann also Partitiv. Höh.)

Und morgen dann wieder Ungarisch beim Kaffeetrinken mit meiner liebsten Ungarischlehrerinfreundin.

Sprachverwörrung delüxe! :)

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Große Vorfreude

Oktober 7, 2009 · 8 Kommentare

Hier herrscht grad große Vorfreude, in ca. zwei Stunden beginnt nämlich mein Türkisch-Kurs. Bedauerlicherweise ist mein kleines Schnickeldi, was ich mir speziell für den Türkisch-Kurs gegönnt habe, weil es nicht nur Vokabelhäfftheft ist, sondern auch eine Grammatikübersicht enthält, nicht mehr rechtzeitig eingetroffen, aber das macht nichts.

(Ich fürchte nur, dass ich mir diese erste Stunde wie üblich in VHS-Kursen rein theoretisch auch schenken könnte und statt hundertmal die Aussprache des türkischen „ι“ zu üben, in der gleichen Zeit auch lieber mal ordentlich Vokabeln lernen könnte. Wer einmal in einem Phonetikkurs war, für den ist das „ι“ wirklich nichts erstaunliches mehr. Sprechen Sie mal laut und deutlich ein „i“ aus, dann laut und deutlich ein „ü“, spüren Sie wo im Mund diese beiden Laute produziert werden und nehmen Sie etwa die Mitte dazwischen. Das Ganze klingt ein bisschen nach Stöhnen, etwas abgehackt, ist aber ein Laut des türkischen Alphabets. „ι“ ;) )

Aber ach! Endlich wieder eine neue Sprache, ick freu mir ‘n Loch in’n Bauch!

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Geschnipseltes

Oktober 1, 2009 · 5 Kommentare

* Sikerült! [sprich: schikerült 'es ist geglückt'] Heute vormittag habe ich ein großes, vor langer Zeit gegebenes Versprechen eingelöst und meine vermutlich wirklich und endlich allerletzte Prüfung an der Uni bestanden, die Sprachprüfung für Ungarisch. Für die Prüfung gelernt habe ich hauptsächlich, in dem ich meiner Lehrerin und gleichzeitig lieben Freundin Emails auf Ungarisch geschrieben habe und dafür mein Wissen aus dem hintersten Gehirnstübchen hervorkramen musste. Auch wenn dabei eine Email gut und gerne mal eine Stunde gedauert hat, das System hat klasse funktioniert. Wirklich zu lernen angefangen habe ich dann in guter alter studentischer Tradition erst Montag, irgendwie klar, oder? Ich musste etwas smalltalken auf Ungarisch, nämlich über meine beste Freundin erzählen ohne den Namen zu nennen und meine Lehrerin musst raten, um wen es sich handelt. (Zitat „Wer fragt hier eigentlich wen???“ ;) ). Dann musste ich einen Text laut lesen und übersetzen, dazu noch ein paar Fragen zu grammatischen Konstruktionen, die im Text vorkamen beantworten und dann noch zwei Kärtchen ziehen, auf denen einzelne Grammatikthemen stehen, welche ich dann (auf Deutsch!!!) erklären musste. Das ganze hat etwas mehr als eine halbe Stunde gedauert. Und dann wurde ich mit Lob und Schokolade überschüttet. Klasse, so mag ich Prüfungen!

* Keep up the traditions II! In guter alter studentischer Tradition war ich gestern abend mit Arbeitskollegen feiern, eigentlich wollten wir nur äthiopisch essen gehen, gelandet sind wir dann irgendwann um 21.30 doch auf der Wiesn. Keep up the traditions III! Außerdem bin ich natürlich – obwohl es nur so eine kleine, absolut nicht lebenswichtige Prüfung war – meiner persönlichen Tradition gefolgt, den Morgen vor der Prüfung auf dem Klo zu verbringen. Manche Dinge ändern sich eben nie.

* Nach mehr als drei Wochen hab ich wieder Internet hier in meiner Bude. Und wie ich seit gerade weiss, dauert es nur deshalb so lange, weil ich zu blöd war zu kapieren, dass das Netzwerk hier im Haus jetzt anders heißt und demnach auch noch die falschen Zugangsdaten für das alte Netzwerk hatte. Online war ich in der Zeit bei meinen Eltern. Das ist an und für sich kein Problem, meine Eltern wohnen 5 min. von hier entfernt, aber es war eine echte Belastungsprobe für die Mutter-Tochter-Beziehung, dieses ständige Aufeinanderhocken kann für beide Seiten ziemlich anstrengend sein und fordert sehr viel Verständnis für die Bedürfnisse des anderen. Anders, etwas unromantischer gesagt: Vermutlich ist es wie in jeder Mutter-Tochter-Beziehung, irgendwann muss eine Trennung her! Und es wurde mir mal wieder sehr deutlich vor Augen geführt, wie sehr und wie oft wir online sind, wofür man alles das Internet braucht und wie sehr es unser Leben beeinflusst. Da wäre z.B. die Tatsache, dass ich gerne abends noch schnell eine Email schreiben würde, die mir am nächsten Tag nur unnötig Zeit wegnimmt; da wäre z.B. die Tatsache, dass ich gerne ein Wort in einer Fremsprache im Online-Wörterbuch nachschauen würde, weil es schneller geht und aktueller ist als das alte Wörterbuch; da wäre z.B. die Tatsache, dass Online-Banking nicht gut funktioniert, wenn man die TAN-Nummern nicht mitgenommen hat usw. usw. Und da wäre z.B. auch die Tatsache, dass ich grundsätzlich sehr ungern alleine bin, also einen ganzen Tag alleine zu Hause und die Erkenntnis, dass das Internet mit Facebook, Blogs, Nachrichten und Skype & Co. doch irgendwie immer die schöne Illusion bietet, nicht alleine zu sein. Wenn ich an einem langweiligen Sonntag etwas blogge oder bei Facebook meinen Status ändere, kann ich davon ausgehen, dass irgendjemand darauf antworten wird. Meine Wände hier tun das nicht und leider auch ein Buch oder der Fernseher nicht. Eine schöne Illusion, eine praktische Illusion, die ich gerne noch etwas ausnutze. Aber man sollte sich doch bewusst sein, dass es eine Illusion ist. Dann hab ich damit auch kein Problem.

* Problem gelöst, mit diesem Programm hier. Funktioniert ganz hervorragend, das Programm analysiert zuerst die zu synchronisierenden Ordner und gibt dann eine Liste, welche Aktion es in der Synchronisation ausführen wird, welche Dateien wohin kopiert werden, welche Ordner neu erstellt werden usw. Dateien, die von einer aktuelleren Version überschrieben werden sollen, müssen dafür extra freigegeben werden. Sehr sicher und sehr einfach zu bedienen, auch für PC-Doofies wie mich! :)

*Friends-addicted, jetzt endgültig.

* Heute seit 2 Monaten auf Jobsuche und nach etlichen Gesprächen mit Freunden und Lehrern, viel Nachdenken und einigen Absagen ziemlich genauso schlau wie am 1.8.  Deshalb bin ich momentan etwas grantig traurig ratlos nicht gesellschaftsfähig regelmäßig einmal pro Tag entspannt am Ausflippen blogunlustig. Ich weiss, zwei Monate sind gar nichts, aber momentan liegen meine Nerven grad etwas blank. Wird schon wieder. Kein Grund zur Panik, höchstens für etwas weniger hier im Blog und etwas mehr Ruhe und Zeit für mich.

* Dienstag war ich für ein Vorstellungsgespräch hier. War auf alle Fälle etwas gruselig und ich war zugegebenermaßen nicht ganz undankbar, dass ich beim Heimweg um die bereits einfahrende S-Bahn zu erwischen ganz schnell an den Kerzen und Blumen, die man sonst nur im Fernsehen sieht, vorbeirennen musste und nur einen kurzen Blick darauf erhaschen konnte.

* Und bei Euch so???

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September 16, 2009 · 5 Kommentare

Man mag es kaum glauben, ich hab mich entschieden. Und auch schon angemeldet. :)

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Die Qual

September 10, 2009 · 7 Kommentare

…der Wahl.

Das ich es nicht lange ohne Sprachkurse und ohne Sprachen zu lernen aushalten würde, war irgendwie klar. Dass ich seit Ende meines Studiums vor einem halben Jahr mindestens schlappe 2369 mal darüber verzweifelt bin, dass ich einfach nicht die nötige Disziplin aufbringe, mich regelmäßig hinzusetzen und mir eine Sprache selber beizubringen, obwohl ich das mit einem halbwegs passablen Lehrbuch und einer guten Grammatik natürlich jederzeit könnte, lasse ich jetzt mal unter das Mäntelchen des Schweigens fallen.

Irgendwie klar war auch, dass es was „exotisches“ sein soll.

Irgendwie klar ist auch, dass ich mich jetzt bald für einen Kurs entscheiden muss, v.a. wenn ich wirklich einen Sprachkurs an der VHS machen will.

Aber so gar nicht klar ist, für WELCHE Sprache ich mich denn nun entscheiden soll. Soll ich mir endlich diesen langgehegten Traum erfüllen und endlich Türkisch lernen? Das wollte ich schon seit mindestens 3 Jahren, hat aber an der Uni zeitlich nie geklappt. Andererseits, Swahili wäre ein mindestens genauso großer Traum, ich wollte immer schonmal eine afrikanische Sprache wirklich VERSTEHEN und SPRECHEN können, nicht nur die Grammatik irgendwie können. Oder sollte ich eine bereits angefangene Sprache etwas weiterführen? Da gäbe es dann Russisch, Portugiesisch und Schwedisch zur Auswahl. Zu allem Überfluss hab ich vorgestern bei einem Spaziergang zwei Frauen sich in einer indischen Sprache (ob das Hindi war, kann ich nicht sicher beurteilen, indische Sprachen sind sich ziemlich ziemlich ähnlich) unterhalten hören, hab mir spontan gedacht wie unglaublich weich und wie unglaublich schön das klingt und hab zu Hause meine Unterlagen aus dem Hindi-Kurs, den ich mal in Finnland ein Semester gemacht habe, hervorgekramt.

Was mach ich nur? Das Programm der VHS mit insgesamt bemerkenswerten 38 „exotischen“ seltener gelernten Sprachen hilft mir da auch nur bedingt weiter, davon kann ich höchstens die slawischen Sprachen wie Polnisch, Slowakisch und Slowenisch usw. wegstreichen. (Natürlich nicht weil generell uninteressant, sondern weil ich gerne ersteinmal richtig Russisch lernen würde, bevor ich mich von anderen slawischen Sprachen verwirren lasse. ;) )

Oder doch etwas „vernünftiges“ machen, also eine bereits gelernte Sprache verbessern und/ oder z.B. etwas Business-Englisch oder Business-Spanisch?

Ach, aber sowas kann man ja auch zur Not noch zusätzlich machen, sitz ich halt zwei Abende pro Woche in Sprachkursen. :)

Bleibt immer noch die Qual der Wahl.

Und Digitalfotografie will ich auch noch lernen. Und Sport machen. So, jetzt wird’s interessant.

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Es tut mir Leid

August 19, 2009 · 2 Kommentare

Als ich neulich meinem Finnischschüler das finnische Wort valitettavasti ‘leider’ erklärte, fing er urplötzlich an zu lachen. Ich muss wohl etwas verwirrt geschaut haben, er erklärte mir aber gleich, was ihn an dem banalen Wort ‘leider’ so ungemein erheiterte:

Es liegt daran, dass er seit er in Deutschland lebte, immer wieder dieses ‘es tut mir leid’ gehört hat, aber er hatte das Gefühl, dass es in den seltensten Fällen wirklich bedeutet, dass einem etwas LEID tut, dass man sich wirklich für etwas entschuldigen will oder Mitleid empfindet. Ich stutzte, überlegte kurz und musste dann ebenfalls lachen. Ja, das stimmt eigentlich wirklich: Auf Deutsch sagt man sehr gerne, dass einem etwas Leid tut, obwohl es einen eigentlich gar nicht berührt und man gar nicht das Bedürfnis verspürt, sich für etwas zu entschuldigen. Wie oft, wie geradezu inflationär verwenden wir diesen Ausdruck, obwohl uns nur in den seltensten Fällen etwas wirklich Leid antut? Wenn man dann mal nachdenkt, fallen einem tatsächlich einige Situationen ein, in denen wir meinen, uns für etwas entschuldigen zu müssen, dies aber nicht wirklich als Leid empfinden.

Zur besten Freundin: „Es tut mir Leid, ich kann heute nicht zu Dir kommen, ich bin schon mit XY verabredet.“

Wenn jemand, der hier in der Stadt fremd ist, uns beispielsweise auf der Straße nach dem Weg fragt: „Es tut mir Leid, das weiß ich auch nicht, da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen.“

In der Uni: „Es tut mir Leid, ich hab die Bahn verpasst.“ (Anwesende Akademiker hier wissen, wovon ich spreche. ;) )

Und jedem von Euch fallen sicherlich noch weitere Szenen ein, in denen er diese Floskel gebraucht hat. Die Frau Sprachwissenschaftlerin in mir fragt sich in solchen Fällen natürlich sofort, woher das wohl kommen mag. Also hab ich mal gegrübelt gegoogelt. Und auch hier die Bestätigung:

Es tut mir Leid, aber das Adjektiv „leid“ hört sich zwar ähnlich an, hat aber mit „leiden“ oder „Mitleid“ nichts zu tun und ist auch sprachgeschichtlich nicht mit „leiden“ verwandt. Die Bedeutung erschließt sich aus der Substantivierung „das Leid“ = Bedrückung, Schmerz, Kummer etc. „leid“ heißt betrübend, widerwärtig, unangenehm …, vgl. „mir ist etwas leid“ = ich mag es nicht mehr, bin dessen überdrüssig. „Es tut mir Leid“ heißt also: Mir ist es unangenehm o. ä. Ich kann diesen Satz ja auch verwenden, wenn ich meinen Gesprächspartner n i c h t verletzt habe, ihm kein Leid zugefügt habe, z. B. wenn ich anderer Meinung bin, also gar nicht „mit ihm leiden muss“.

Und weiter:

Etymologisch ist „Leid“ unter anderem auch auf die Bedeutung „Schmerz, Sünde, Böses“ zurückzuführen (von Mittelhochdeutsch: „leit“ = Beleidigung, Unrecht).
Vom Ursprung her bedauert man also, jemandem Schmerz oder ein Unrecht zugefügt zu haben und entschuldigt sich dafür.

„leiden“ hieß allerdings früher im Mittelhochdeutschen ursprüngl. fahren, gehen, reisen; erst im Mittelalter wurde das mhd. „lidan“ durch das Christentum mit dem Wort „Leid“ verbunden (Reise durch das Leben als Jammertal). vgl. leit-en = ursprünglich: jmd. veranlassen, zu gehen, fahren.

Das Wort ‘leid’ kommt aber tatsächlich von ‘leiden’, gemeint ist jedoch vielleicht viel öfter, dass mir etwas leid ist, sprich dass mir etwas unangenehm ist, z.B. weil ich nicht wirklich weiterhelfen kann oder eben anderer Meinung bin (für die ich mich ja nicht entschuldigen muss) oder weil mich die Situation unangenehm berührt und ich mich ihr hilflos gegenüber fühle (z.B. wenn jemand von einen tragischen Vorfall erzählt). Vielleicht trifft es da das englische I’m sorry besser: „Ich bin traurig/ betroffen (wegen einer Sache)“.

In diesem Sinne, ich bin dann mal weg, Sommer und Sonne genießen: Es tut mir nicht Leid, wenn hier in den nächsten Tagen mal nicht so viele wahnsinnig spannende und schlaue Beiträge erscheinen sollten, sondern nur etwas Weichspül-Getwitter, aber das reale Leben ist momentan praller und spannender als das virtuelle. ;) 8)

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August 11, 2009 · 2 Kommentare

Heute war die letzte Stunde mit meinem Finnischschüler, ab Freitag geht es für ihn in den hohen Norden. Ich bin sehr stolz, dass er trotz einiger Schwierigkeiten bereits kleine Dialoge zur Begrüßung und um sich vorstellen führen kann und dass er – zumindest ansatzweise – die Zahlen verstehen kann. Das wollte er unbedingt, weil er Musiker ist und im Orchester die Ansagen des Dirigenten verstehen muss. Für die kurze Zeit, die wir hatten und dafür, dass er nicht wirklich gewohnt ist, mit Fremdsprachen umzugehen, finde ich das sehr gut. Gerade in der letzten Woche gab es immer wieder kleine Fortschritte und Verknüpfungen, die sich einstellten. Jetzt bin ich fast ein wenig traurig, dass es „schon“ vorbei ist.

Für mich bin ich sehr dankbar für diese Erfahrung, hab ich doch eine Menge dazugelernt in Punkto eigene übertriebene Erwartungen zurückstecken. sich in Geduld zu üben – auch wenn derselbe Text 100 mal gelesen werden muss, bis er hängen bleibt – und ich habe gelernt, mich ganz auf die Bedürfnisse meines Schülers einzustellen. Ich habe gelernt, mich in einen Kopf hineinzudenken, der anders denkt und lernt als meiner: Er lernt viel über Hören und merkt sich einzelne Sätze und Phrasen, ich lerne viel über Sehen und Schreiben und lerne das System strukturiert, aus diesem System kann ich mir dann per Baukasten meine Sätze zusammenbasteln. Gerade bei Finnisch funktioniert das hervorragend, Finnisch ist für mich – so wie ich es gelernt habe – ein spannender bunter Baukasten, die Funktion der einzelnen Teile kenne ich und suche mir nach gewissen Regeln die richtigen, zusammenpassenden aus und fertig ist ein kompletter Satz. Aber nicht jeder hat Linguistik studiert, nicht jeder denkt so wie ich und andere Menschen lernen anders als ich. Wie also kann man jemandem einen Baukasten erklären oder sogar die Funktion der einzelnen Bauklötzchen, wenn die Person gar nicht weiß/ gar nicht nachvollziehen kann, dass es sich um einen Baukasten handelt???

Nicht, dass ich diese Dinge nicht vorher schon gewusst hätte, aber jetzt war ich zum ersten Mal wirklich, live und am lebendigen VersuchsObjekt gezwungen, mich in einen anderen Kopf hineinzudenken und dessen Bedürfnisse zu erkennen, das war sehr spannend und sehr lehrreich, auch für mich als Lehrerin! In dieser Hinsicht hatte ich aber auch wirklich einen dankbaren Schüler, der oftmals „Stop“ gesagt hat, wenn ich zuviel Zusatzinformationen anbringen wollte, der seine Bedürfnisse kannte und auch formulieren konnte. Das hat man nicht jeden Tag!

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Äitiiiiiiiiii!!!

August 7, 2009 · Kommentar schreiben

Heute hab ich meinem Finnischschüler das Wort für Mutter beigebracht: Äiti. (Das ‘äi’ wird etwa wie „ai“ ausgesprochen.) Hat also an sich sehr wenig Ähnlichkeit mit sämtlichen europäischen Wörtern für Mutter, Mama, mother, maman usw. und es ist auch um einges durchdringender und markanter (wie hier schoneinmal bemerkt auch auf der Straße). Ist ja auch klar, schließlich haben die Vokale a und i eine sehr hohe Sonorität.

Während ich also heute so dasitze und äiti und isä (Vater) unterrichte, fiel mir ein, dass auch damals während meines Praktikums im Kindergarten in Finnland meine Ohren bereits leidliche Erfahrungen mit dieser Durchdringlichkeit von äiti gemacht haben: Natürlich hatten wir während der Eingewöhnungsphase auch mehrere Kinder, denen die Trennung von der Mutter sehr schwer gefallen ist, die auf den Arm genommen werden und getröstet werden mussten. Dabei stellt sich für Frau Ansku schnell eine schmerzhafte Erkenntnis heraus: Ein Kleinkind, welches weinend auf Deinem Arm hängt und sehr leidvoll nach seiner Mutter weint und direkt neben Deinem Ohr brüllt: ÄÄÄÄÄIIIIITIIIIII!!!!!! kann ganz schön das Trommelfell zum Schlackern bringen. Mehrmals tönten mir nach so einem inbrünstigen. durch Mark und Bein gehenden Schrei danach regelrecht die Ohren, fast dass sie richtige geschmerzt haben. Im Vergleich dazu fand ich Mamamamamama-weinende Kinder hier in der Krippe in Deutschland immer geradezu angenehm, aber auch nur im Vergleich dazu. ;)

Fazit: Finnische Mütter und Erzieher müssen meiner Ansicht nach sehr sehr stabile und intakte Ohren haben. Und regelmäßige Hörtests.

(Mein Beitrag zur aktuellen Diskussion Gesundheitsschutz für Erzieherinnen. :) )

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Mittel gegen Kevinismus gefunden

Juli 15, 2009 · 8 Kommentare

Heute in der Uni gelernt, dass in Zimbabwe nicht die Kinder nach ihren Eltern, sondern die Eltern nach ihren Kindern benannt werden. Wenn jemand zum ersten Mal Vater wird, fällt der eigentliche Geburtsname sofort und für alle Zeiten weg und der Vater heißt fortan nur noch – sagen wir mal, das Kind hiesse Hannah – „BabaHanna“ Vater von Hannah. Bei der Mutter dann das entsprechende, bei der Geburt des zweiten Kindes. Oder geht das nach Sohn und Tochter, also dass der Vater nach der erstgeborenen Tochter, die Mutter nach dem erstgeborenen Sohn benannt wird? Ich weiss es gerade nicht mehr, aber jedenfalls so ähnlich geht das.

Diese Methode finde ich gar nicht so schlecht und durchaus bedenkenswert. Würde man das hier in Deutschland einführen, würde es wohl ziemlich viele Kevins, Schakelines und Marten-Levins vor einem grausamen Los retten, da sich die Eltern grundsätzlich ersteinmal überlegen müssten, ob sie SELBER denn wirklich so genannt werden möchten. Und der gesamte Kevinismus wäre vermutlich bereits nächstes Jahr ausgerottet. 8)

(Alternativ dazu wäre es aber auch möglich, die Tradition der Ewe in Westafrika einzuführen, bei denen der Vorname, NUR der Vorname den Namen des Kindes, den Namen der Eltern den Wochentag der Geburt, die Umstände der Geburt, ob das Kind ein Zwilling ist, ob es das erst-, zwei-, drittgeborene Kind ist, ja sogar ob es ein gewolltes oder ungewolltes Kind ist, sprich eigentlich gleich die komplette Lebensgeschichte enthalten kann.

Dann jedoch, fürchte ich, können wir uns jedoch die gesamte Diskussion um Datenschutzgesetze gleich sparen, es weiss eh die ganze Welt, ob Sie ein gewolltes oder ungewolltes Kind ihrer Eltern waren. :) )

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sonntägliches Getwittere

Juli 12, 2009 · 5 Kommentare

* Nein, ich werde jetzt nicht auch noch anfangen zu twittern. Nicht alles, was durch meinen verschwurbelten Kopf schiesst ist so wichtig, dass es gleich im Internet breitgetreten werden muss. Oder nennen Sie es einfach Selbstschutz vor allzu inflationärer Internetpräsenz. ;) Und zur Not, falls doch mal, gibt es ja noch Feiss.bu.ck oder es muss dafür halt mein Blog herhalten. So wie zum Beispiel jetzt:

* Ja, ich lebe noch. Mal besser, mal schlechter, mal mehr im Netz, mal mehr draußen, aber ich lebe noch.

* Früher habe ich nie verstanden, warum Leute im Sommer in den Urlaub fahren. Im Sommer, wenn es hier doch auch so warm ist und wenn die Sonne scheint. Da geht dann selbst die Arbeit leichter von der Hand, Müdigkeit und Trägheit scheinen Fremdwörter, so vollgepumpt mit Sonne und Glückshormonen, und auch nach Feierabend ist es draußen noch hell, so dass man sich in ein Straßencafè setzen kann und ein Glas Wein trinken kann oder noch an den See zum Grillen fahren. Da kommt doch mindestens genauso Urlaubsstimmung auf wie an Adria und türkischer Ägäis und man spart sich den Streß mit dem Packen. Im Winter dagegen, wenn die Sonne sich tagelang hinter Wolken versteckt und es bitterkalt ist, wenn ich vor lauter Müdigkeit tagelang nicht richtig wach werde, DANN brauche ich Urlaub.  Früher war ich der festen Überzeugung, dass ich, ersteinmal im Berufsleben stehen, grundsätzlich irgendwann zwischen November und Februar in den Süden zum Urlauben fahre.

Jetzt, diesen Sommer, fange ich an zu verstehen, warum Leute im Sommer in den Urlaub fahren. Und ich möchte sooo gerne auch. Ans Meer, in den Süden, in die Wärme.

* Mein Finnischschüler macht sich, zwar langsam, aber dafür fleißig und beständig. Neulich hat er sich schon selber Hausaufgaben aufgegeben. :D Während ich einfach weiter im Text Kapitel machen wollte und die als nächstes folgenden Übungen mit ihm zusammen machen wollte, sagte er ganz plötzlich: „Aber die Übungen kann ich doch auch zuhause machen.“ Ich muss mich nur sehr zusammenreißen, denn ich will immer erklären und erzählen und zusätzliche Informationen geben, wie man dies und jenes Wort gebraucht und so weiter. Für mich als Sprachwissenschaftlerin mögen diese Informationen sehr erhellend sein, andere Leute aber verwirren sie nur. Gar nicht so leicht, sich in einen anderen Kopf hineinzudenken!!

* Einen Teil meines Gehaltes für’s Finnischunterrichten habe ich auch gestern gleich auf dem Tollwood ausgegeben für diesen tollen neuen Schlüsselanhänger. Das Wort dadrauf so zur Erinnerung für mich, falls ich es vor lauter Warterei, Unsicherheit und Angst mal wieder zeitweise vergessen sollte: Das Leben ist wunderbar!

schlüssel

* Frau Ansku muss morgen einen kleinen 10 minütigen Vortrag über diese komische Sprache hier halten, bzw. über das Genus der Nomina in dieser Sprache. Das ist an sich sehr spannend, denn es gibt drei Geschlechter, ähnlich wie im Deutschen, männlich, weiblich und ein sogenanntes „communis“, eine Art neutrales, allgemeines Geschlecht für alles, was nicht in die ersten beiden Kategorien passt. Das Geschlecht wird durch eine Endung am Wort angezeigt. Was das Interessante daran ist: Man kann durch die Änderung des Geschlechtes eine Bedeutungsänderung in dem Wort herbeiführen: Hängt man an den Wortstamm für ‘Mais’ z.B. die Endung für männlich an, so bezeichnet es einen Maiskolben oder auch eine einzelne Maispflanze: mili-b. Mit der Endung für weiblich, mili-s, bezeichnet das Wort die Frucht der Maispflanze, das Maiskorn und mit der Endung für ‘communis’ mili-n, bedeutet es Mais allgemein als Gattungsname bzw. eine große Menge von Maispflanzen. Sehr interessant auch folgendes Beispiel: ≠khàrà-b, männlich: Hodensack, aber ≠khàrà-s weiblich: die Hoden. :)

Leider nur sollte werde ich morgen wohl meine zitierten die Beispiele aussprechen können müssen, wenn ich mich nicht total blamieren will, deshalb wird Frau Ansku wohl den Rest des Sonntagnachmittages damit verbringen, irgendwie die Aussprache dieser Klicklaute zu erlernen und dann noch in Perfektion diese auch in einem Wort oder in einem ganzen Satz auszusprechen.

Und nein, um eventuellen Diskussionen gleich von vorneherein den gar aus zu machen, es gibt hier keine Dokumentation meines unbeholfenen Geklickse und Gegluckse. NEIN!

* Einen schönen Sonntag noch allen!

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Primitive oder was?

Juli 8, 2009 · 3 Kommentare

Wenn ich mir ein Buch über die Psychologie der Sprache ausleihe, weil ich hoffe, darin etwas über Sprachtabu zu finden und dann auf so Kapitel wie „Die Sprache der Primitiven“ (= Indianersprachen und dergleichen) finde, dann führt das dazu, dass ich das Buch postwendend in die Staatsbibliothek zurückbringen muss. Daran ändert sich auch nichts, wenn noch ein ausführliches, interessantes Kapitel über die Sprachentwicklung bei Kindern, welches auf den ersten Blick ganz gut geschrieben scheint, in dem Buch zu finden ist.

(Allerdings muss ich erwähnen, dass das Buch mindestens 40 Jahre alt ist.)

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Verhängnisvolle Wortgleichungen

Juni 15, 2009 · Kommentar schreiben

Liebe Fangemeinde, es hat ein bisschen gedauert.

Hier darf ich Ihnen wieder eine kleine amüsante Sammlung von Wörtern aus komplett verschiedenen Sprachen präsentieren, die gleich oder fast gleich klingen (bzw. gleich geschrieben werden). Ich musste erst wieder sammeln, aber jetzt gibt es wieder eine neue Reihe von Wortgleichgungen und neuen wilden Spekulationen völlig unwissenschaftlichen Erkenntnissen über Sprachverwandtschaft.

Ich behaupte jetzt mal, dass das ein wichtiges Indiz dafür ist, dass diese Sprachen natürlich alle miteinader verwandt sind, ich brauch nur noch ca. 20 Jahre, um es zu beweisen! ;)

Neugierig? Treten Sie näher, staunen und geniessen Sie! Garantiert und versprochen völlig unwissenschaftlich und unprofessionell. :D

  • Auf Swahili bedeutet nazi [nasi] ‘Kokosnuss’.
  • estn. ema ‘Mama’ – Kilivila ema ‘kommen’.
  • finn. minä ‘ich’ sieht doch schon fast aus wie Zulu mina ‘ich’ womit dann auch bewiesen wäre, dass finnisch und Zulu miteinander verwandt sind. ;)
  • In gleich drei Sprachen finden wir das Wort dia: Span. dia ‘Tag’  – griech. dia ‘durch – Kilivila dia ‘Wild’
  • Auf Persisch bedeutet name ‘Brief’.
  • Das ungarische bedeutet ‘See’ – ganz ähnlich wie auf Navajo to ‘Wasser’.
  • Es wird exotisch, in der australischen Aboriginesprache Yankunytjatjara bedeutet kuka ‘meat’ (= alle eßbaren Lebewesen), dasselbe (wirklich dasselbe?) Wort finden wir im Finnischen: kuka ‘Wer?’
  • Auf estnisch bezeichnet arm kein Körperteil, sondern ‘Gnade’
  • Ebenfalls auf estnisch bedeutet halb ’schlecht’.
  • Und kaas hat nichts mit dem holländischen kaas ‘Käse’ zu tun, es bedeutet nämlich ‘Deckel’.
  • Auf ungarisch bedeutet innen ‘von hier’
  • Auf ungarisch bedeutet vasta [vaschta] ‘dick’ -
  • Und auf ungarisch bedeutet toll nicht ’super’, sondern ‘Stift, Feder’

:D

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Vorsicht, Linguisten!

Mai 27, 2009 · 4 Kommentare

Aus der Reihe Gewalt und Verbrechen an unserer Uni: Es folgen nun ein paar so Evergreen-Beispielsätze, die von Linguisten immer wieder in den verschiedensten Situationen herbeigezogen werden, um bestimmte Phänomene in verschiedenen Sprachen darzustellen und sie dann auch vergleichen zu können. Rechtlich-moralisch leider jedoch nicht immer ganz unbedenklich…

1. (Der alltime-ever-Favourite) Der Mann schlägt die Frau. bzw. Der Mann schlägt den Hund.

an diesem einfachen Satz lassen sich hervorragend „Subjekt-Objekt-Relationen“ mein Professor würde MICH jetzt schlagen, würde er diesen Begriff lesen, aber hauptsache Sie verstehen das in verschiedenen Sprachen erkennen, diskutieren und vergleichen.

(Manche Dozenten benutzen allerdings auch die feministisch-politisch korrekte Umkehrung: Die Frau schlägt den Mann. ;) )

2. (Situation: Zwei Menschen treffen sich auf dem Büroflur:) Ach Guten Tag, Herr Müller, ich habe gehört, Sie schlagen Ihre Frau jetzt nicht mehr.

dient mitunter in Einführungskursen dazu, um zu erläutern, was eine Presupposition ist. Eine Presupposition ist eine Art „common ground“, ein vorhandenes gemeinsames Wissen von Sprecher und Hörer. Wenn ich z.B. zu einer Freundin sage „Die Schwester von Anna hat jetzt ihr Kind bekommen“, dann muss ich dabei vorraussetzen, dass die Freundin ebenfalls weiss 1. wer Anna ist, 2. dass Anna eine Schwester hat und 3. dass die Schwester von Anna schwanger ist/ war, sonst könnte meine Freundin, die Adressatin mit dieser Aussage nichts anfangen. Und genauso muss ich bei diesem Beispiel vorraussetzen, dass das gesamte Büro wusste, dass Herr Müller seine Frau geschlagen hat, schon sehr fies. :lol:

3. Meine Oma ist tot. Ich habe den Sarg schon bestellt.

ebenfalls ein Beispiel für Presupposition, hier allerdings bezieht sich die Presupposition eher auf eine Art allgemeines Weltwissen, nämlich das (in unseren Kulturkreisen) üblicherweise Tote in einem Sarg beerdigt werden. Sonst würde es keinen Sinn machen „den Sarg“ zu sagen, wenn das Gegenüber nicht wüsste, was damit gemeint ist. :)

… to be continued, da gibt es sicherlich noch einiges, was mir nur gerade nicht einfällt

Ich würde mal sagen: Ganz schön verrohtes Volk, diese Linguisten.

Halten Sie Sich lieber fern von denen! ;)

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Legenden live erleben

Mai 15, 2009 · Kommentar schreiben

Ach übrigens:  Im Winter hab ich noch sein Buch für die Magisterprüfung gelesen, gestern hab ich ihn live und aus einem Meter Entfernung gesehen. Charles Fillmore, maßgeblicher Mitbegründer der modernen kognitiven Sprachwissenschaft und eine linguistische Legende. Ich find das ja immer hammerst spannend, solche Begegnungen.

Und irgendwie sah er äusserst normal und sehr sympathisch aus und sprach auch so, irgendwie wie ein ganz normaler lieber netter Opa. :)

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früh morgens, wenn die Elefanten pinkeln…

Mai 14, 2009 · 5 Kommentare

Seit diese Woche hat mich also das Unileben wieder, zumindest ein paar wenige Kurse hab ich mir rausgesucht und hatte ich doch im April Zweifel, ob ich wieder so weitermachen könnte wie früher, so kann ich jetzt doch freudig sagen „Ja, ich kann’s noch!“ und – hach! – ich liebe es wie eh und je. ;)

Und pünktlich zum verspäteten Semesterstart gibt es auch wieder sprachwissenschaftlichen Blogcontent! Nebenbei, hier liegen auch noch einige angefangene Beiträge auf Halde, um die sollte ich mich auch mal dringend kümmern. Gestern war ich in einem Kurs über Khoisan-Sprachen, das ist eine Sprachfamilie in Südostafrika, also in Namibia und Südafrika, die sich dadurch hervorhebt, dass sie extrem viele Klicklaute enthält. Diese Clicks können an verschiedenen Stellen im Mund gebildet werden, z.B. vorne mit der Zungenspitze, seitlich oder hinten mit dem Zungenrücken und hören sich je nach Artikulationsort entweder wie ein kleines „Klack“ (vordere Clicks) oder eher wie ein Schmatzen (hintere Clicks am Zungenrücken) an. Klicklaute kommen in einigen der Sprachen der Khoisan-Sprachfamilie in fast 70% der Wörter vor und dementsprechend hört sich das auch an.

Jedenfalls kam gestern in der Stunde ein kleiner Ausdruck vor, den ich einfach göttlich finde:

Kham tàmà ‡khòàdi. Das bedeutet wortwörtlich übersetzt:

pinkeln nicht Elefantenkuh von,

also etwa ‘von dem Nicht-Pinkeln der Elefantenkuh’.

Tatsächlich aber ist dieser doch relativ komplexe Ausdruck eine einfache kleine Zeitangabe und bedeutet „sehr früh (am Morgen)“, also noch bevor die Elefantenkühe aufstehen und zum Pinkeln gehen. :D Wiedereinmal ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Sprache und Kultur zusammenhängen. Hab ich schon erwähnt, dass ich mein Fach liebe? ;)

(Daumen müssen leider noch bis nächste Woche gedrückt werden, der Herr Professor und ich verstehen es seit inzwischen fast zwei Monaten hervorragend, uns so abzustimmen, dass immer genau einer von uns nicht in der Stadt ist… Nächste Woche hoffentlich endlich!)

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Wunderbares und Kurioses aus der bunten Welt der Sprache – Warum es so schwer ist, positive Dinge zu sagen

April 14, 2009 · 3 Kommentare

Wir leben in einer Gesellschaft, in der zuviel gejammert wird. Überall nur Gejammere, über das Wetter – mal ist es zu warm, mal ist es zu kalt, eigentlich ist es nie richtig, über die Politik, über das Geld, über den Mini-Kratzer im neuen Auto, über… Ach, ich könnte stundenlang weiterjammern!! Wir leben auch in einer Gesellschaft, in der zuwenig gelobt wird, wie Ami sehr treffend bemerkt hat. In der Erwachsenen- bzw. Arbeitswelt, im Job, wer bekommt da schon regelmäßig Lob für das, was er leistet. Wenn schon einmal nicht kritisiert wird, dann bleiben die meisten Menschen doch am liebsten bei der Taktik Wenn Du nichts negatives von mir hörst, ist das schon ein Lob. Es führt beides auf dasselbe Ergebnis hinaus, negative Dinge und negative Gefühle werden viel häufiger und viel „lieber“ ausgedrückt als positive Dinge, ein Lob oder ein positives Gefühl.

Ich war im Wintersemester in einem Magistrandenkolloquium in unserem kleinen Institut für Finnougristik. Ein Magistranden- und Doktorandenkolloquium dient dafür, dass Leute, die gerade eine Magister- oder Doktorarbeit schreiben, sich austauschen und ihre Probleme mit der Arbeit berichten können, deshalb weiß ich auch nicht ganz, was ich dort sollte, denn ich hatte meine Magisterarbeit schon geschrieben, aber die Professorin bestand darauf, dass ich komme.

Eine Freundin von mir hat in diesem Rahmen ihre Doktorarbeit vorgestellt. Die Arbeit klingt zunächst relativ speziell, es geht um Emotionsverben, also alle Verben, die Gefühle, Emotionen und Bedürfnisse des Menschen darstellen. Sie untersucht, in welchen Konstruktionen diese Verben gebraucht werden, ob mit einem Partizip, mit einem „dass“- Satz oder nur mit einem Nomen oder auch einem zweiten Verb im Infintiv dabei. Das Ganze wird vergleichend für Finnisch und Estnisch analysiert, zwei Sprachen, die ziemlich nah miteinander verwandt sind, etwa ähnlich wie Deutsch und Holländisch.

Nun hat diese Freundin, um sich überhaupt ersteinmal klarzuwerden, mit welchen Verben sie sich befassen muss, aus einem Lexikon alle Emotionsverben herausgeschrieben und in einer Mindmap angeordnet. (Grundlage dafür war glaube ich Deutsch, estnische und finnische Übersetzungen standen soweit sie existieren dabei, aber es ging in diesem Fall ersteinmal überhaupt um das Prinzip, um das Was fällt alles unter den Begriff „Emotionsverb“?). Positive Gefühlsverben wie „lieben“, „sich freuen“, „satt sein“ standen auf der rechten Seite der Mindmap, negative Verben wie „hassen“, „hungrig sein“, „eifersüchtig sein“, „neiden“ standen auf der linken Seite. Zusätzlich gab es Untergruppen, da viele Verben ja auch abgestuft werden können, z.B. „mögen“ – „lieben“. Und als wir diese Grafik sahen, entspann sich eine sehr interessante Diskussion.

Es war nämlich auf den ersten Blick klar, dass die linke Seite um ein Vielfaches umfangreicher und stärker besetzt war als die rechte Seite. Während sich auf der rechten Seite ca. 20-25 Verben mit ihren Verästelungen und Untergruppen befanden, drängten sich links bei der negativen Seite ein Verb an das andere. Ich meine mich zu erinnern, dass es ungefähr 50-60 Verben waren, die alleine die Hauptäste bildeten! Man stelle sich das mal vor, ein Verhältnis von positven zu negativen Möglichkeiten, sich auszudrücken von 25 : 60!

Woher kommt das nun? Warum ist es so unglaublich schwer, positive Dinge auszudrücken? Sehen wir uns unser Alltagsleben an, wie oft sagen wir etwas positives, wie oft sagen wir „Mönsch, was geht es mir heute gut!“ und wie oft sagen wir etwas Negatives, wie oft sagen wir dass uns etwas fehlt, wie oft drücken wir Abneigung aus, wie oft finden wir, dass andere etwas besseres haben als wir. Jeder, der mal einige Minuten darüber nachdenkt, wird zugeben müssen, dass die negativen Dinge meistens überwiegen. Ich denke, die Antwort könnte in der Evolution liegen. Wenn man über die grundliegenden Bedürfnisse der Menschen nachdenkt, die allerersten Menschen in der Steinzeit, so scheint es durchaus wichtiger, ein negatives Gefühl oder auch einen Mangel auszudrücken wie z.B. „Mir ist kalt.“ oder „Ich habe Hunger.“ oder „Ich bin unzufrieden mit xy.“ Unter Umständen kann die Artikulation dieser Bedürfnisse das Überleben sichern. Positive Gefühle wie „Ich bin satt“, „ich bin zufrieden“ haben mit dem Überleben weniger zu tun, sie müssen also scheinbar nicht zwangsläufig artikuliert werden, denn der Mangel herrscht hier ja nicht mehr vor. Später im Verlauf der Geschichte der Menschheit kann man dieses einfache Verhältnis natürlich auch auf Machtansprüche ausdehnen, auf das Bestreben, den eigenen Machtbereich auszudehnen, dazu gehören Gefühle wie „Ich bin eifersüchtig auf das, was der andere hat.“ Und weil der Mensch immer nach mehr strebt, würden wir vermutlich auch heute noch jemanden komisch anschauen, der sagt „Ich bin mit genau dem zufrieden, was ich besitze. Ich brauch nichts weiteres.“

Dieses Ungleichgewicht scheint sich in der Sprache festgesetzt und bis heute erhalten zu haben, die Möglichkeiten negative Gefühle auszudrücken, sie abzustufen und in feineren Nuancen zu artikulieren scheinen größer als die Möglichkeiten, positive Gefühl auszudrücken. Ob das für unsere heutige Wohlstandsgesellschaft aber wirklich noch so nötig ist, Mangel und negative Gefühle in solch großem Umfang auszudrücken, leuchtet mir nicht ganz ein, aber die Evolution hat sich ja auch an anderen Punkten dann und wann selbst überholt. ;) Die Zeiten jedenfalls haben sich gewandelt und mit dem Wandel scheint es nötiger geworden sein, ein Zeichen der Menschlichkeit zu setzen und öfters mal etwas positives zu sagen, Zuneigung auszudrücken oder zu loben.

Also, heute schonmal gesagt, wie gut es Euch geht, dass Ihr satt seid, Euch ist warm und Ihr habt ein Dach über dem Kopf, meist sogar noch sehr schön eingerichtet? Heute schon zu einem lieben Menschen gesagt, wie zufrieden Ihr mit Eurem Leben seid, wie sehr Ihr Eure Mitmenschen schätzt, heute schon Eurem Partner gesagt, wie sehr Ihr ihn liebt oder jemanden ausdrücklich gelobt und Zuneigung ausgedrückt? Nein? Dann mal los!

Think positive!

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